Politik

Die Gasfernleitung Augusta verläuft von Wertingen nach Kötz. (Foto: dpa, Stefan Puchner)

06.03.2026

Weg vom Gas? Die geplante Heizreform lässt vieles im Unklaren

Neue Heizungen müssen nicht mehr mit mindestens 65 Prozent erneuerbaren Energien betrieben werden. So will es Schwarz-Rot. Sollte man sich nach der angekündigten Reform des Gebäudeenergiegesetzes doch wieder eine Gasheizung zulegen? Das will gut überlegt sein. Die Kommunen setzen für die Zukunft auf andere Energieträger

Sollte man sich nach der angekündigten Reform des Gebäudeenergiegesetzes doch wieder eine Gasheizung zulegen? Das will gut überlegt sein. Zwar liegt Gas derzeit mengenmäßig noch vorn bei der kommunalen Energieversorgung. Doch zumindest Bayerns größte Städte planen für die Zukunft mit alternativen Energieträgern. 

Bisher hat Schwarz-Rot nur Eckpunkte des sogenannten Gebäudemodernisierungsgesetzes vorgestellt. Der wichtigste Punkt: Neue Heizungen müssen nicht mehr mit mindestens 65 Prozent erneuerbaren Energien betrieben werden.

So können weiterhin Gas- und Ölheizungen eingebaut werden, ab 2029 allerdings mit verbindlichem Bioanteil. Dieser Anteil von Biogas, Wasserstoff oder synthetischen Kraftstoffen soll dann stetig zunehmen. Nur: Gibt es überhaupt genug von diesen Stoffen? Und falls ja: Ist das wirklich sinnvoll?

Die Bundesregierung ist davon überzeugt. Doch in mehreren Städten zweifelt man das an. In der Wärmeplanung der Stadt München werden grüne oder synthetische Ersatzstoffe daher nicht berücksichtigt – „mangels Verfügbarkeit und aufgrund der hohen Kosten“, wie das Referat für Klima- und Umweltschutz mitteilt. Ähnlich sieht man das in Nürnberg: „Biogas in ausreichender Menge zum Vollersatz wird auch langfristig nicht verfügbar sein, und weder Gasnetz noch Endkundengeräte sind „wasserstofffähig“ in nennenswerten Umfang“. „Die Potenziale sind stark begrenzt“, heißt es aus Würzburg. In Augsburg sieht man das genauso.

Zwischen Wärmepumpe und Fernwärme

Die Konsequenz: Statt weiter in Gasnetze mit steigendem Bioanteil zu investieren, setzen die großen Städte auf andere Energieträger: München auf Geothermie und die Förderung von Wärmepumpen. Nürnberg teilt mit: „Etwa die Hälfte der Stadt ist Wärmepumpenland, die andere Hälfte freut sich auf Fernwärme.“ Ein Festhalten am Gas sei „auch im Lichte aktueller geopolitischer Entwicklungen nicht zielführend“.

Bis 2045 soll die Energieversorgung in Deutschland klimaneutral sein. Beim Regensburger Energieversorger Rewag schließt man sogar ein Stilllegen von Teilen des Gasnetzes vor dem – derzeit – gesetzlich festgelegten Ende nicht aus. Würzburg will bis 2040 klimaneutral werden. Daran halte man auch nach der angekündigten Reform fest. 

Noch ist Gas überall die Nummer eins. Doch Fernwärme ist auf dem Vormarsch. In Regensburg macht ihr Anteil schon 15 Prozent der Heizenergie aus, in Augsburg über 20 Prozent, in Würzburg 22 Prozent, in Nürnberg und Augsburg 25 Prozent, in München sogar 35 Prozent. „Fernwärme bleibt gerade in der Stadt die sinnvollste Heizart“, erklärt der Energieversorger N-Ergie. 

2025: Rund 300.000 verkaufte Wärmepumpen

Auf dem Land, wo es viele Einfamilienhäuser gibt, ist die Wärmepumpe meist die einzige Wahl. Doch laut Bundesverband Wärmepumpe kommen inzwischen 80 Prozent des Umsatzes vom Einbau in Bestandsgebäuden. Im vergangenen Jahr war die Wärmepumpe mit 299.000 verkauften Einheiten erstmals die meistverkaufte Heizung in Deutschland. Doch ihr Anteil am Heizungsmarkt ist trotzdem noch gering: Er liegt bei 4,4 Prozent.

Mehr als jeder zweite Haushalt in Deutschland heizt noch mit Gas. Insofern droht so schnell keine großflächige Stilllegung der Netze. Das versichern alle befragten Städte. Sollten aber immer mehr Verbraucher dem Gas abschwören, stellt sich irgendwann die Frage der Wirtschaftlichkeit.

Vielleicht schneller als gedacht: Eine EU-Richtlinie fordert klimaneutrale Neubauten ab 2030. Bis 29. Mai muss sie in nationales Recht umgesetzt werden. Für Markus Ferber (CSU), Sprecher der EVP im Wirtschaftsausschuss des Europaparlaments, steht das nicht in Widerspruch zur Heizungsgesetzreform. Andere Fachleute sehen das anders. Das Bundeswirtschaftsministerium äußert sich nur indirekt: „Sollte sich in einer Evaluierung im Jahr 2030 zeigen, dass der Gebäudesektor sein Klimaziel verfehlt, wird nachgesteuert.“ Pro Gas wird diese Bewertung kaum ausfallen.
(Thorsten Stark)
 

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