Unser Bayern

Von König Ludwig II. kann man heute unzählige Souvenirs kaufen. Der Monarch selbst liebte es auch, shoppen zu gehen und Geschenke zu machen. (Foto: dpa/imageBROKER, Manfred Bail)

15.01.2026

Er liebte es zu schenken: Ludwig II. – der Shopping King

Ludwig II. hatte nicht nur eine Leidenschaft für Prachtbauten, er liebte es auch, zu schenken. Schon als junger König unternahm er ausgedehnte Shoppingtouren, zum Beispiel in der Stadt Kissingen

Völlig überraschend war König Max II. am 10. März 1864 verstorben. Auf den Tag genau zwei Monate nach dem Regierungsantritt erfreute sich eine Abordnung der Stadt Kissingen „der allerhöchsten Gnade, eine Audienz bei Seiner Majestät König Ludwig II. von Bayern allergnädigst zu erhalten“. Am Ende der Audienz meinte der gerade einmal 18 Jahre junge König huldvoll: „Sagen Sie den Bürgern Kissingens: Es hat Mich sehr gefreut, dass sie Mir diese Aufmerksamkeit darbringen! Ich erinnere Mich noch mit Vergnügen an Kissingen und seine schöne Umgebung. – Ich weiss, wie gerne Mein seliger Vater in Kissingen war und wie viel er auf Kissingen gehalten hat. Ich werde Kissingen dasselbe sein, was mein seliger Vater ihm war. Kissingen werde Ich besuchen, wie Meine dringendsten Geschäfte erledigt sind.“ Und der junge Monarch hielt Wort! Gut einen Monat nach der Audienz stattete er dem Badeort seinen ersten Besuch als König ab, und auch in den folgenden Jahren blieb seine Majestät Kissingen gewogen. 

Fast zehn Wochen in Kissingen

Keiner der Wittelsbacher Herrscher verbrachte so viele Tage in Bad Kissingen wie König Ludwig II. Insgesamt weilte er fast zehn Wochen in dem beliebten Kurort. Ludwigs Beziehungen zu Kissingen begannen bereits in seiner Knabenzeit, das heißt eigentlich schon vor seiner Geburt: Seine Eltern, Kronprinz Max und seine Frau Marie, hatten 1842 geheiratet, doch ein Erbe wollte sich nicht gleich einstellen. 

Aus diesem Grund reiste die Kronprinzessin im Sommer 1844 ins Stahlbad Bocklet bei Kissingen. Dem dortigen Heilwasser schrieb man eine durchaus positive, schwangerschaftsfördernde Wirkung zu. Wenige Monate nach der Kur im „Bubenbad“ wurde Marie tatsächlich schwanger; am 25. August 1845 kam der ersehnte Erbe zur Welt. 1852 reiste Marie, inzwischen als Königin von Bayern, erneut ins unterfränkische Bad, dieses Mal in Begleitung ihrer beiden Söhne Ludwig und Otto. Zwölf Jahre später besuchte Ludwig II., kaum zum König proklamiert, Kissingen nun als Gastgeber für die königlichen und kaiserlichen Kurgäste, allen voran das österreichische und das russische Kaiserpaar. 

Am Samstag, den 18. Juni 1864, abends um 20.15 Uhr, traf Ludwig II. in Kissingen ein. Triumphbögen waren errichtet, die Häuser geschmückt mit Flaggen in den bayerischen Farben weiß und blau, mit Blumen, Kränzen oder Teppichen. Lange vor der erwarteten Ankunft des Monarchen füllten sich die Straßen mit „wogenden Menschenmassen“. Dann kam der König: In Begleitung seines Generaladjutanten Ludwig von der Tann zog er trotz strömenden Regens in einem offenen vierspännigen Wagen in Kissingen ein. Tausende von Bauern aus der Umgebung, die Kurgäste und die Bürger Kissingens, angeführt von den Honoratioren, begrüßten den jungen Monarchen. Alle waren begeistert von dem blendend aussehenden jungen Mann, von dem sogar der eigene Großvater, König Ludwig I., einst schmunzelte: „Wäre ich ein Mädchen, seine Augen dürften mir nicht wenig gefährlich seyn.“ 

Besuch beim Kaiserpaar. Noch am Tag seiner Ankunft stattete Ludwig II. dem in Kissingen weilenden österreichischen Kaiserpaar, Franz Joseph I. und seiner Frau Elisabeth, allgemein bekannt als Sisi, spät abends einen kurzen Besuch ab; später lauschte er der Serenade, die ihm von der Kurkapelle und der Liedertafel dargebracht wurde. Ludwig notierte in sein Tagebuch: „Schöner Empfang! Serenade. Tannhäuser, Lohengrin! Herrlich!“ 

Und in Kissingen war man überwältigt von der attraktiven Erscheinung des Monarchen, der auch selbst etwas für sein Aussehen tat. So beorderte er zum Beispiel den Coiffeur seines Vertrauens, den bürgerlichen Friseur Albert Müller (ab 1872 Hoffriseur) aus der Schäfflerstraße in München, extra nach Kissingen, um sich von ihm die Haare schneiden, mehrmals frisieren und parfümieren zu lassen, wofür Müller die stattliche Summe von 102 Gulden erhielt (während er in München pro königlichen Haarschnitt nur zwei Gulden und 45 Kreuzer erwarten konnte). 

Der König geht shoppen

König Ludwigs Aufenthalt in Kissingen war auf drei Tage festgesetzt; schließlich wurde es ein ganzer Monat, lediglich unterbrochen von einem zweitägigen Ausflug nach Aschaffenburg zu seinem Großvater König Ludwig I., der ihm unter anderem das von ihm neu erbaute Pompejanum zeigte. Was den König bewogen hat, seinen Aufenthalt dermaßen auszudehnen, ist nicht bekannt. Nicht auszuschließen ist jedoch, dass er sich wohl fühlte im Kreise der Fürstlichkeiten.

Der Sommer 1864 ging als „Kaiserkur“ in die Annalen Kissingens ein. Die politisch hochbrisanten Gespräche nicht zuletzt über den Krieg gegen Dänemark waren allerdings gerade zu Ende gegangen, als Ludwig hier eintraf. Einige Diplomaten hatten den Kurort bereits verlassen, ebenso die allseits unbeliebten „mitgeschleppten Federfuchser“, die zahlreichen Sekretäre und Schreiberlinge, die jedoch bewiesen, dass es sich um ernsthafte politische Gespräche gehandelt hatte. 

Es blieb aber auch Zeit für andere Dinge. Die königlichen Tage anno 1864 in Kissingen waren geprägt von gegenseitigen Besuchen, Ausflügen in die Umgebung, von Familientafeln, Serenaden und Konzerten, vor allem aber von den täglichen Promenaden auf dem Kurplatz, stets von der anwesenden Badegesellschaft neugierig beobachtet. Dazwischen besuchte König Ludwig häufig die „Buden“, die Basare, in denen auswärtige Händler während der Saison ihre durchaus hochwertigen Waren anboten. Und Ludwig II. war ein großer Schenker vor dem Herrn. Cornelia Oelwein

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