Unser Bayern

Auch auf dem Obersalzberg war Hermann Esser häufig zu Gast. Die Aufnahme zeigt ihn mit Hitler auf der Terrasse des Berghofs im Juli 1939. (Foto: BSB Bildarchiv)

10.11.2023

Führender Scharfmacher

Die Anfänge der Bayerischen Staatskanzlei unter Hermann Esser, der Nummer zwei in der NSDAP

Es ist nur wenig bekannt, dass die Errichtung der Bayerischen Staatskanzlei auf eine Initiative der Nationalsozialisten zurückgeht. Als Vorläuferinstitution hatte die bayerische Regierung seit 1801 über ein eigenes Außenministerium verfügt. Es diente als bürokratischer Unterbau des Vorsitzenden des Ministerrats, der seit dem 8. November 1918 Ministerpräsident genannt wurde.

Aus ihrem Stimmenanteil bei den Reichstagswahlen vom 5. März 1933 (43,9 Prozent im Reich, 43,1 Prozent in Bayern) leiteten die Nationalsozialisten ihren Anspruch auf die ungeteilte Macht ab und machten sich daran, die übrigen Parteien auszuschalten. Am 1. März hatte Adolf Hitler dem bayerischen Ministerpräsidenten Heinrich Held noch versichert, dass er nichts gegen Bayern unternehmen werde. Doch schon in der Sitzung des Reichskabinetts am 7. März 1933 zeigte er sich verärgert über angebliche Angriffe Helds und erklärte, es sei eine „kühne“ Inangriffnahme des Reich-Länder-Problems erforderlich. Am Mittag des 9. März 1933 tauchten der Obers­te SA-Führer Ernst Röhm, der Reichsführer SS, Heinrich Himmler, und der Gauleiter der NSDAP für München und Oberbayern, Adolf Wagner, bei Held auf. Sie verlangten ultimativ, den 1923 verabschiedeten General Franz Ritter von Epp, der 1928 zu den Nationalsozialisten gestoßen und deren Galionsfigur in Bayern geworden war, als Generalstaatskommissar einzusetzen. 1923 hatte eine bayerische Staatsregierung in einer kritischen Lage im Innern, die nicht zuletzt durch das Treiben der Nationalsozialisten heraufbeschworen worden war, schon einmal zu diesem Mittel gegriffen. Held lehnte ab. Abends kam die Mitteilung, dass Reichsinnenminister Wilhelm Frick auf der Grundlage der aus Anlass des Reichstagsbrands erlassenen Notverordnung zum Schutz von Volk und Staat vom 28. Februar 1933 Epp als Reichskommissar eingesetzt habe. Die bayerischen Staatsminister des Innern, der Finanzen und der Justiz wurden durch nationalsozialistische Kommissare ersetzt. Ernst Röhm und Hermann Esser wurden Kommissare zur besonderen Verwendung. Proteste halfen der baye­rischen Regierung nichts.

Nach Essers Worten waren es Epp und Röhm, denen er seine Berufung verdankte. Er glaubte, sie sei erfolgt, „weil man meine Tätigkeit in den Kreisen der Parteigenossenschaft und meine Verbindung zu all den anderen Parteien […] als gut bezeichnet hat“. Dagegen hatte der Lindauer Oberbürgermeister Ludwig Siebert, der als Minis­terpräsident vorgesehen war und zunächst kommissarischer Finanzminis­ter wurde, den Eindruck, Esser habe sich mithilfe Epps „offenbar selbst ernannt“.
Esser fungierte von Anfang an als eine Art Pressesprecher des Reichskommissars. Noch um 1.15 Uhr nachts gab er der Münchner Presse im Minis­terium des Äußern die Veränderungen im Kabinett bekannt. Der Völkische Beobachter informierte am 11. März darüber: Ein Reichskommissar in Bayern sei notwendig geworden, „da die Selbstständigkeit des Handelns der Massen zu vermeiden […] sei, […] Die Bestellung gerade des Generals von Epp müsse als Beweis dafür betrachtet werden, daß die Einsetzung des Kommissars in keiner Weise die Selbstständigkeit und die Bedeutung des Staates Bayern einschränken soll.“

Gegen Helds Willen nahm auch der von Epp delegierte Esser noch an der letzten Sitzung des alten Kabinetts am nächsten Tag, das heißt am 10. März, teil. Am Nachmittag stellte sich Reichskommissar Epp Vertretern der Münchner und der auswärtigen Presse vor. Anschließend erläuterte Esser die aktuelle Lage. Das alte Kabinett sei der Meinung, das Telegramm des Reichsinnenminis­ters ermögliche höchstens den Übergang der Polizeihoheit auf den Reichskommissar, berechtige aber nicht zur Einsetzung von Kommissaren bei den übrigen Minis­terien. Der Reichskommissar sei anderer Ansicht. Die Verhaftung von Funktionären der KPD, der SPD und des Reichsbanners sei zur Sicherung von Ruhe und Ordnung erforderlich gewesen. Weitere Personen seien nur zu ihrem Schutz festgenommen worden. Die Verhaftungen seien auch lediglich vorübergehend. Esser rechtfertigte zudem die gewaltsame Besetzung des Gewerkschaftshauses. Man habe dort Waffen und Munition gefunden. Die sonstigen Gewaltakte verschwieg er.

Am Abend des 10. März waren in Anwesenheit von Epp, Röhm, Wagner und Esser die Regierungspräsidenten versammelt. Esser schob die Verantwortung für nationalsozialistische Übergriffe den Versäumnissen der Verwaltung zu. Beschwichtigend erklärte er aber, die Gauleiter hätten keine Kompetenzen, dieser gegenüber Anordnungen zu treffen.

Am Abend des 16. März 1933 gab er im Baye­rischen Rundfunk bekannt, dass Ministerpräsident Held aus Gesundheitsgründen die Amtsgeschäfte niedergelegt habe. Daher sei es unumgänglich gewesen, sofort das gesamte alte Kabinett durch kommissarische Minister zu ersetzen: „Das Volk hat es satt, daß Maßnahmen zu seiner Rettung dauernd hinausgeschoben, durch politische Manöver und bürokratische Ausreden dauernd zurückgestellt werden. Es ist deshalb nötig, daß nunmehr in ganz Deutschland, auch in Bayern, gehandelt wird.“

Esser selbst blieb einstweilen Staatskommissar zur besonderen Verwendung ohne Ministerrang. Er leitete wichtige Angelegenheiten, die Epp nicht direkt zugingen, diesem nach Überprüfung weiter. Zusätzlich war er noch kommissarischer Staatssekretär der Abteilung für Arbeit im Minis­terium des Äußern.

Pochen auf die „ehrliche Gesinnung“

Am 19. März 1933 hielt er dort eine Einführungsrede, in der er nach dem Bericht des Völkischen Beobachters vom nächsten Tag unter anderem sagte:  „Die neue Regierung achte die wohl erworbenen Rechte der Beamtenschaft und achte auf die ehrliche Gesinnung. Sie verlange aber auch […] Verständnis für die neue Lage und den inneren Umschwung im gesamten Deutschen Reich – er bitte daher die Beamtenschaft, sich darüber klar zu werden, daß sie auch ihrerseits Stellung nehmen müsse zu der geistigen Umschichtung, die im Volke vorgegangen ist.“ Dies war, wenn auch noch zurückhaltend, die Forderung nach einer Hinwendung zum Nationalsozialismus.

Von der Bildung einer Koalitionsregierung von Nationalsozialisten, Deutschnationalen und katholisch ausgerichteter Bayerischer Volkspartei, für die Esser sich angeblich noch gegenüber Hitler bei dessen Besuch in München am 12. März in seiner Wohnung am Prinzregentenplatz verwendet und seine Zustimmung erhalten hatte, war längst nicht mehr die Rede.

Auf der Basis des ersten Reichsstatthaltergesetzes vom 8. April 1933 konnte dem nur kommissarischen Zustand der bayerischen Staatsregierung ein Ende bereitet werden. Am 12. April wurde Ludwig Siebert Ministerpräsident und Finanzminister. An die Stelle der bisherigen politischen Abteilung des Ministeriums des Äußern trat als neue Einrichtung die Bayerische Staatskanzlei. Esser wurde im Rang eines Staatsministers ohne Geschäftsbereich deren Chef. Die bisherige Wirtschaftliche Abteilung wurde am 24. April in ein eigenes Ministerium umgewandelt, das auch die Abteilung für Arbeit und die vorher beim Ministerium des Innern angesiedelte Abteilung für Landwirtschaft umfasste. Esser behauptete später: „Die Errichtung einer Bayer. Staatskanzlei – deren erster Chef ich bis zum Sommer 1934 war – geht ausschließlich auf meine Anregung zurück.“

Wer war Hermann Esser? Geboren wurde er am 29. Juli 1900 in Röhrmoos bei Dachau, einer Gemeinde mit einem Bahnhof an der Strecke München–Ingolstadt. Sein Vater war dort Stationsvorsteher. Nach dessen Versetzung nach Kempten besuchte Esser seit 1910 das dortige Humanis­tische Gymnasium. 1911 urteilte sein Klassenlehrer, er sei „überaus leichtsinnig und unzuverlässig“. Ein anderer Lehrer meinte vier Jahre später, der Schüler sei ein „Schwätzer und Wichtigmacher“. Am 1. August 1917 rückte Esser im fortgeschrittenen Ersten Weltkrieg als Freiwilliger zum bayerischen Heer ein. In den ersten Novembertagen 1918 erlebte er noch die Abwehrschlacht in Flandern. Am 22. Dezember 1918 wurde er in Kempten aus dem Heer entlassen. Ab Mitte Januar 1919 besuchte er dort die Sonderklasse des Gymnasiums für Kriegsteilnehmer, brach diese aber nach drei Monaten ab. Er trat der SPD bei und war als Randfigur an der in Kempten vom 7. bis zum 14. April 1919 bestehenden Räterepublik beteiligt. Außerdem war er Volontär der linksgerichteten sozialdemokratischen Zeitung Allgäuer Volkswacht. Bereits seit dem 22. April war er zum Kommandostab des gegenrevolutionären Freikorps Schwaben in Memmingen gewechselt. Bei der Werbung für dieses zeigten sich erstmals seine rednerischen Fähigkeiten. Dann ging er nach München, wo der Leiter der Nachrichtenabteilung des Reichswehrgruppenkommandos 4, Hauptmann Karl Mayr, vom Juni bis einschließlich August 1919 Propagandakurse mit nationaler und antisozialistischer Tendenz abhalten ließ. Esser war Teilnehmer eines der Kurse, in einem anderen saß Hitler. Nach Essers Erinnerung machte Mayr sie im August 1919 in seinem Büro miteinander bekannt.
Aggressive Presseartikel. Wie Hitler betätig-te sich auch Esser bald in der rechtsextremen Deutschen Arbeiterpartei, aus der am 24. Februar 1920 die NSDAP hervorging. Schon ab Mitte 1920 schrieb er auch für den als Plattform antisemitisch-völkischer Gruppierungen dienenden Völkischen Beobachter. Beim Kauf dieses Blattes durch die NSDAP im Dezember 1920 wirkte er als deren Beauftragter mit. Er wurde fester Redakteur und war für die Berichterstattung über die Partei und über München zuständig. Sehr bald kam er wegen seiner aggressiven Artikel mit der Polizeibehörde und der Justiz in Konflikt.

Schon seit den Anfängen der NSDAP tat er sich sehr intensiv als Redner hervor, wohl als der eifrigste nach Hitler selbst. Trotz seiner Jugend hatte Esser keine Hemmungen, sich vor gro­ßen Menschenmassen zu produzieren. Auch an Saalschlachten war er aktiv beteiligt, so am 14. September 1921, als Nationalsozialisten eine Versammlung im Löwenbräukeller mit dem als Separatisten geltenden Otto Ballerstedt sprengten. Esser und auch Hitler erhielten Gefängnisstrafen; einen Teil davon mussten sie absitzen.

Als sich Hitler im Juni 1921 in Berlin aufhielt, holte Anton Drexler, damals noch Vorsitzender der NSDAP, den Anführer der konkurrierenden Deutschen Werkgemeinschaft, Otto Dickel aus Augsburg, als Redner nach München. Hitler forderte am 10. Juli 1921 ultimativ, jedes Bündnis mit Dickel müsse unterbleiben. Da er sich nicht durchsetzen konnte, trat er demonstrativ aus der Partei aus. Drexler, der nicht riskieren wollte, das propagandistische Zugpferd der NSDAP zu verlieren, kapitulierte vor Hitler, der am 15. Juli Parteivorsitzender mit diktatorischen Befugnissen wurde. Esser hatte ihn in dieser Krise rückhaltlos unterstützt. Auch Hitler hielt an ihm fest, obwohl er angeblich schon einmal erklärt hatte: „Ich weiß, daß Esser ein Lump ist, aber ich behalte ihn nur so lange, als ich ihn brauchen kann!“
Wichtiger Initiator des Führerkults. Esser war neben Dietrich Eckart, der für die Finanzierung des Völkischen Beobachters eine zentrale Rolle gespielt hatte und das Blatt auch zeitweise leitete, wohl der wichtigste Initiator des Führerkults um Hitler. Am 13. Oktober 1922 forderte er im Bürgerbräukeller „Kampf der Demokratie, welche die Politik der Rücksichten ist, und deren Vertreter, die Parlamentarier, Pioniere des Judentums sind. Wir fordern die Diktatur eines Mannes, der anstelle der Politik der Gewissenlosigkeit eine Politik der Verantwortlichkeit vor sich und seinem Volke treibt.“

Gewalt- und Mordphantasien

Die beiden Hauptstränge von Essers Agitation zeichneten sich von Anfang an klar ab: gegen den Versailler Vertrag als Ursache von Deutschlands Schwäche nach außen und die Demokratie als Ursache der Misere im Innern. Verantwortlich für beides wären die Juden. Sie beherrschten das internationale Großkapital und damit die Weltpolitik. Die demokratischen Parteien und die Presse stünden ihnen als Instrumente zur Verfügung. Am 9. März 1923 ließ Esser seinen Gewalt- und Mordphantasien nach Darstellung des katholischen Bayerischen Kuriers vom 10. März im Löwenbräukeller freien Lauf: „Da erklärt eines Tages die Regierung, binnen 24 Stunden hätten sich alle Juden […] in dem Lager zu melden. […] Sei dann die Gesellschaft beisammen, so solle man durch Funkspruch […] mitteilen, wenn die Franzosen nicht binnen einer gewissen Zeit über den Rhein zögen, wären wir gezwungen, 50 000 Geiseln einer höheren Macht zuzuführen.“ Schon 1921 hatte er den Juden im Völkischen Beobachter das Lebensrecht abgesprochen. 1927 erschien erstmals sein mit bösartigen Verzerrungen ge­spicktes Buch Die jüdische Weltpest, das 1939 erweitert aufgelegt wurde. Noch 1940 behauptete er, ohne eine Lösung der „Judenfrage“ könne es kein friedliches Zusammenleben freier Völker geben. Neben Hitler selbst und dem Herausgeber des antisemitischen Wochenblatts Der Stürmer, Julius Streicher, war Esser vor 1933 der schlimms­te Judenhetzer der Partei.

Bereit zum „Absprung“

Seit 29. Oktober 1923 war er nach seiner eigenen Aussage wegen starker Gallenbeschwerden bettlägerig. Am 8. November tauchte Hitler gegen 16 Uhr bei ihm auf und teilte ihm unter dem Siegel strengster Verschwiegenheit mit, dass er bei der abends von Generalstaatskommissar Gustav von Kahr geplanten Versammlung im Bürgerbräukeller „den Absprung wagen“ werde. Esser solle im Löwenbräukeller, wo die Nationalsozialisten eine eigene Versammlung angesetzt hatten, das Publikum bis 20.45 Uhr durch eine Ansprache hinhalten und dann bekannt geben, dass eine nationale Regierung ausgerufen worden sei. Esser handelte trotz Krankheit wie vereinbart. Nach dem Scheitern des Putsches hielt er sich versteckt. Am 25. November nahm ihn Hitlers Fotograf Hoffmann im Auto mit bis nahe Berchtes­gaden, von wo aus er in der Nacht heimlich die Grenze nach Österreich überquerte.
Erst am 26. März 1924 kehrte er von dort nach München zurück. Am 8. April wollte er Hitler in der Festungshaft in Landsberg besuchen, wurde aber in der Stadt verhaftet und nach München gebracht. Er kam aber sehr schnell frei und konnte den Besuch bei Hitler am 15. April nachholen.

Unter den verschiedenen rivalisierenden und sich laufend oft erbittert bekämpfenden Gruppierungen, die sich in der Nachfolge der verbotenen NSDAP bildeten, war Esser zusammen mit Julius Streicher in der extremsten maßgebend: der Großdeutschen Volksgemeinschaft. Bei der Neugründung der NSDAP am 26. Februar 1925 reichten sich Vertreter der verschiedenen Richtungen, darunter auch er, auf dem Rednerpodium demonstrativ die Hand, ohne dass die Gegensätze wirklich verschwunden wären.
1926 gründete der Parteiverlag Franz Eher Nachf. GmbH, angeblich auf direkte Anregung Hitlers, den Illustrierten Beobachter. Esser erhielt die redaktionelle Leitung, die er bis zum Frühjahr 1932 innehatte.

Während Esser bis 1926 der führende Propagandist der NSDAP gewesen war, wurde er in diesem Bereich immer mehr durch Joseph Goebbels verdrängt, der sich zunehmend Hitler annäherte.

Wenig Sinn für Fleiß und Disziplin

Kurze Zeit hatte Esser ein wichtiges Amt in der Parteiorganisation: Seit 16. September 1926 war er Bezirksleiter für die Kreise Oberbayern und Schwaben, was der späteren Stellung eines Gauleiters entsprach. Doch schon Ende Mai 1927 gab er das Amt wieder auf. Regelmäßige, mit Fleiß und Disziplin verbundene bürokratische Arbeit, wie sie eine solche Aufgabe erforderte, lag ihm nicht, worin er ja seinem großen Vorbild ähnelte. So konnte er sich aber in der Partei nie eine starke Stellung aufbauen. Er bleib weiter für sie als Redner aktiv, hatte aber auch hier nicht mehr die frühere Bedeutung.

1928 wurde er in den Kreistag von Oberbayern gewählt, ein überlokales Kommunalparlament, dem er bis 1932 angehörte. 1929 kam er überdies in den Münchner Stadtrat, 1932 auch in den Bayerischen Landtag. In diesen Gremien war er mit verschiedenen Fragen von Sachpolitik konfrontiert, tat sich aber meist nur durch Krawall und Obstruktion hervor.

Die von Esser geleitete Staatskanzlei diente als Behörde des Ministerpräsidenten für dessen laufende Aufgaben und sollte bei allen politischen Angelegenheiten eingeschaltet werden. Des Weiteren war sie für die Vertretung Bayerns beim Reich zuständig und in stark eingeschränktem Maß Ansprechpartner für Gesandtschaften und Konsularbehörden. In ihren Kompetenzbereich fielen auch der Fremdenverkehr, das Luftverkehrswesen und das bayerische Kriegsarchiv. Der scheinbar machtpolitisch bedeutsamste Bereich war das Gebiet der Medien, das heißt des Rundfunks, des Theater- und Filmwesens, sowie insbesondere der amtliche Pressedienst und die Überwachung der Presse.

Esser hatte nun erstmals ein ansehnliches Gehalt, außerdem standen ihm ein Dienstwagen mit Fahrer und das Führen einer Pistole zu.

Schon am 12. Mai 1933 war im Nürnberger Fränkischen Kurier ein Interview mit ihm zu lesen, das seine Leistungen besonders herausstrich. Er schaffe allein eine Arbeit, für die früher sechs Leute gebraucht worden seien. Das stand in krassem Widerspruch zur Wirklichkeit.

Esser als Münchner OB?

Ministerpräsident Siebert war von der Berufung Essers, dessen unsoliden Charakter er wohl schnell durchschaut hatte, nicht begeistert: In einem Gespräch in Berlin am 23. Juni 1933 bezog er sich auf eine Unterredung mit Hitler am Vortag. Dieser habe gesagt: „Warum haben Sie den überhaupt zum Minister gemacht? Ich hätte das nicht getan.“ Nach Essers eigener Erinnerung hatte Hitler von Anfang an nicht gewollt, „[…] daß ich dann endgültig in das Ministerium eintrete, weil er gemeint hat, es wäre besser, ich würde Oberbürgermeister von München werden. […] Hitler hat aber dann, wie ihm die Ministerliste vorgelegt worden ist, und ich da drauf war als Staatsminister ohne Geschäftsbereich, anstandslos und auch ohne Bemerkung unterschrieben.“

Sehr bald erwies sich Adolf Wagner, der bayerische Staatsminister des Innern und Gauleiter von München und Oberbayern und damals wohl mächtigste Mann in Bayern, als Gegner Essers ... (Paul Hoser)

Lesen Sie den vollständigen, reich bebilderten Beitrag in der Ausgabe November/Dezember 2023 des BSZ-Online-Magazins UNSER BAYERN. Sie können die komplette, 40-seitige Ausgabe downloaden unter www.bayerische-staatszeitung.de Für BSZ-Abonnenten ist dieser Service kostenlos, sonst 3 Euro pro Ausgabe

Abbildungen:
1917, kurz nach seinem 17. Geburtstag, meldete sich Esser als Freiwilliger zum bayerischen Heer. (Foto: BSB  Bildarchiv)

In der Bayerischen Gesandtschaft in Berlin, März 1933: Der bay­erische Gesandte und spätere Widerstandskämpfer Franz Sperr, Reichsstatthalter Franz Epp und Hermann Esser. (Foto: BSB Bildarchiv)

Hermann Esser im Internierungslager in Eichstätt um 1949. In Händen hält er die Zeitschrift Quick mit der Schlagzeile „Die Muttergottes ist da!“ Von den amerikanischen Strafverfolgungsbehörden war er als Mitläufer eingestuft worden, die Münchner Entnazifizierungskammer verurteilte ihn als Hauptschuldigen zu fünf Jahren Arbeitslager. (Foto: BSB Bildarchiv)

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