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Der Handel mit Kunst ist ein Milliardengeschäft. Auch in Bayern mischen da einige Akteure mit. (Foto: dpa, Frank May)

05.11.2026

Milliardengeschäft mit der Kunst: Zum Ersten, zum Zweiten und ...

Fast 60 Milliarden Euro werden jedes Jahr am internationalen Kunstmarkt umgesetzt. Auch Auktionshäuser aus Bayern mischen da mit

Wissen Sie, was sich hinter dem Begriff Petersburger Hängung verbirgt? Hierbei handelt es sich nicht um eine grausame Form mittelalterlicher Bestrafung, sondern vielmehr um eine spezielle Art der Präsentation von Kunstwerken: Dicht an dicht werden an den Wänden Gemälde arrangiert, oftmals vom Boden bis zur Decke. Früher nutzte der Adel diese opulente Wandgestaltung in seinen Salons, um die Betrachter von seinem Reichtum, seiner Macht mittels einer Vielfalt an Kunst in den Prunkräumen zu überwältigen. Seinen Ursprung hat dieser Ausdruck in der Präsentation im ehemaligen Zarenpalast und heutigen Museum, der Eremitage in Sankt Petersburg. Noch heute kann man sich von der auch Salonhängung genannten Praxis in manchen Schlössern ein Bild machen.
 

Kunstobjekte dicht an dicht

Vor allem aber nutzen heute Auktionshäuser die Petersburger Hängung – aus rein praktischen Gründen. Bei der Vorbesichtigung all der Objekte – und das sind meist Hunderte –, die einige Tage später zur Versteigerung kommen, wird die Fülle des Angebots dicht an dicht arrangiert. Jedes Werk in den Ausstellungsräumen wird mit einer Nummerierung gekennzeichnet, anhand derer man im Katalog zusätzliche Fakten nachlesen kann – eine große logistische Leistung, die von Auktion zu Auktion immer wieder aufs Neue erbracht werden muss. Doch der Aufwand lohnt sich, denn nur auf diese Weise können Interessenten alle begehrten Stücke persönlich vor Ort in Augenschein nehmen. Anders als bei den ästhetisch ansprechenden, oftmals minimalistisch gestalteten Schauen in Kunstgalerien wird die Aufmerksamkeit der Betrachter hier auf ganz andere Weise gefordert, wenn ganze Wände hinter Gemälden verschwinden.

Der Kunstmarkt ist vielgestaltig. Wer sich in solchen Räumen umschaut, die geradezu überborden vor Gemälden und Grafiken, zwischen Skulpturen in Schaukästen, oftmals aus unterschiedlichsten Epochen, dazu im Hunderte Positionen umfassenden Auktionskatalog blättert, bei dem scheint eine Ahnung davon auf, welche Fülle an Objekten der Kunstmarkt seit jeher hervorbringt. Galerien, Händler, Auktionshäuser, Kunstmessen – vielerlei Akteure konkurrieren auf diesem Sektor, profitieren aber bisweilen auch voneinander durch Kooperationen. So schließen sich beispielsweise zahlreiche Galerien für Ausstellungswochenenden zusammen wie in München die Kunstinitiative Various Others, so wird erst aus einer Vielzahl von Ständen eine Messe zum Schaufenster für ein größeres Publikum. All diese Akteure im Kunstmarkt agieren, anders als die meisten Museen, gewinnorientiert. Kunsthändler und Auktionshäuser müssen wie jedes andere marktwirtschaftlich orientierte Unternehmen Geld verdienen; Miete, Nebenkosten, Löhne, Drucksachen, Renovierungen, Marketing wollen erwirtschaftet werden.

Die immaterielle Triebkraft bei den meisten Unternehmern und Unternehmerinnen in Sachen Kunst ist jedoch die Leidenschaft für Kunst.
Der globale Kunstmarkt setzt Milliarden um. Der globale Kunstmarkt wird in seiner wirtschaftlichen Bedeutung oft unterschätzt: Weltweit 59,6 Milliarden US-Dollar setzten die Akteure hier zusammen im Jahr 2025 laut „Art Basel & UBS Global Art Market Report“ um, wobei die USA, Großbritannien und China 76 Prozent zum weltweiten Umsatz beitrugen. Das jährlich veröffentlichte Branchenbarometer konstatiert damit zugleich einen Anstieg um 4 Prozent im Vergleich zu den schwächelnden Vorjahren und erteilt damit Unkenrufen auf den ersten Blick eine Absage, die den Kunstmarkt insgesamt als dauerhaft rückläufig bezeichnen. Was jedoch zugleich relativiert werden muss, denn dieser Aufschwung ist vor allem dem Verkauf von Toplosen über 10 Millionen Dollar auf Auktionen zu verdanken.

So erfreulich der enorme Anstieg der Preise für Topwerke insbesondere von namhaften Künstlern für Händler, Künstler sowie ihre Erben ist: Museen und deren Freundeskreise können da kaum mithalten und sich immer seltener entsprechende Zukäufe leisten. Damit werden gerade hochwertige Werke dem öffentlichen Zugang entzogen – und der Kunstwelt bleibt zu hoffen, dass sie irgendwann als Zustiftungen oder Schenkungen den Weg ins Museum finden. 

Wichtige Player: Bayerische Kunstauktionshäuser

Auf den deutschen Kunstmarkt entfallen laut Art Basel & UBS Global Art Market Report rund 2 Prozent vom globalen Kuchen. Der hiesige Markt musste einen Rückgang von 10 Prozent verbuchen – trotzdem bleibt Deutschland weiterhin weltweit die Nummer sechs. Auktionshäuser steuern rund ein Drittel zum Umsatz des gesamten deutschen Kunstmarkts bei, der inklusive Galerien, Kunsthandel und Direktverkäufen von Künstlern auf rund 1,5 bis 2 Milliarden Euro geschätzt wird.
Vor allem ein Versteigerer aus Bayern spielt ganz vorne mit: Ketterer Kunst ist das umsatzstärkste Auktionshaus nicht nur in Bayern, sondern in ganz Deutschland. (Marion Vorbeck)

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