Unser Bayern

Der Wettstreit zwischen München und Bayreuth als Opern-Festspielstädte bot auch für Karikaturisten einiges an Stoff, wie diese Karikatur von 1901 zeigt. Abgebildet sind Siegfried und Cosima Wagner sowie der Generalintendant Ernst von Possart. (Foto: dpa/akg-images)

07.05.2026

München gegen Bayreuth: Kampf um die Wagner-Vorherrschaft

Vor 125 Jahren wurde das Münchner Prinzregententheater eröffnet. Gedacht war es zunächst als Konkurrenz zum Bayreuther Festspielhaus

Richard Wagner hätte wahrscheinlich eine helle Freude verspürt! Seine Musik erlebte einen Boom, seine Bühnenwerke waren beliebt, die Städte wetteiferten darum, wer die attraktivste „Wagner-Stadt“ sein würde. Besonders zwischen München in Oberbayern und Bayreuth in Oberfranken flogen mit Beginn der 1890er-Jahre die Fetzen, was die Presse natürlich genüsslich in die Haushalte trug, von den Monarchen bis in die kleinste Werkstatt – und heißt es nicht ohnehin: Nur keine Werbung ist schlechte Werbung? Über mangelnde Schlagzeilen und Skandalisierung diesbezüglich konnte sich um 1900 niemand beklagen. 

Konkurrenz um die Interpretationshoheit gab es ausreichend: Leipzig als Wagners Geburtsstadt, Dresden mit der Hofoper (der „Meister“ als Kapellmeister und Komponist), das Weimar von Franz Liszt (seinem späteren Schwiegervater), Zürich (durch die Wesendoncks) und Luzern mit dem Vierwaldstätter See mit der Halbinsel Tribschen während der Phasen seiner nunmehr freiwilligen „Emigration“. Schließlich von Wagner bevorzugt das kaiserliche Wien und nach der Einladung von Ludwig II. favorisiert die Bayern-Metropole. Dann eher „notgedrungen“ nach Bayreuth und „zum Sterben“ schließlich nach Venedig. 

Zwei große Jubiläen

München weist insgesamt vier Uraufführungen auf (mit Wagner und Hans von Bülow als dessen  Dirigent für Tristan und Isolde und Die Meistersinger von Nürnberg sowie ohne Wagners Zustimmung Das Rheingold und Die Walküre).  Bayreuth verzeichnet drei mit Siegfried und Götterdämmerung sowie mit Parsifal – wobei nach Wagners Ideal die Krone seinem Festspielhügel gebührte, da dort der komplette Ring des Nibelungen verwirklicht werden konnte. Dieser „Zyklus“ feiert 150. Geburtstag, das Münchner Prinzregententheater (siehe Foto, Foto: dpa, Johanna Hölzl) sein 125-jähriges Bestehen.

Dass es zwischen den Bewohnern der Wittelsbacher Residenzstadt München und dem Herrscherhaus selbst nicht immer harmonisch verlief, ist hinlänglich bekannt. Doch auch zwischen den Landesteilen herrschte mitunter ein Gefühl von Zurücksetzung. Was die ehemalige Markgrafen-Residenz Bayreuth betrifft, ist festzuhalten, dass trotz des Namens (Rodung durch Bayern) eine Prägung durch die Hohenzollern stattfand, die von Nürnberg bis Hof/Saale das fränkische Land dominierten. Bayreuth zeigt wenig mittelalterliches Flair, vielmehr herrscht nüchternes Preußentum vor – es sind groß angelegte Straßen und Plätze, weshalb es wenig anheimelnd „Enges“ gibt. Einzig im Bereich Oper zeigt sich die Stadt der Markgräfin Wilhelmine (Schwester des Preußenkönigs Friedrich des Großen) „verspielt“. 

Oberbayern und Oberfranken im Zwist

Das Markgräfliche Opernhaus, eine original erhaltene Perle des Rokoko – heute Weltkulturerbe – zog Richard Wagner letztlich an den Roten Main. Es gehörte inzwischen den Wittelsbachern. Erst durch Napoleon kam die ehemalige Markgrafschaft Ansbach-Bayreuth von Preußen zurück zu Bayern, das war 1810. Dadurch blieb König Ludwig II. als Mäzen Wagners für dessen künstlerische Zukunft maßgeblich – nicht zu leugnen ist, dass es Oberbayern und Oberfranken schwer miteinander hatten und haben. 

Cosima Wagner, Wagners Ehefrau, die sowohl in Berlin als auch in München gelebt hatte und über Kontakte verfügte, bat um Unterstützung sowohl da wie dort und suchte taktierend ständig ihren Vorteil. Wenn sich Kaiser Wilhelm II. für die Festspiele engagierte, konnte sich der Prinzregent Luitpold als „Ersatz“ für die Brüder Ludwig und Otto nicht verweigern. In diesem Spannungsfeld findet sich der Bau des Prinzregententheaters, der natürlich kein Zufall war.  (Claus Frankl)

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