Wirtschaft

Rund 40 Industriekonzerne machen mit einem Brief an die EU-Spitze Druck vor der geplanten Neuregelung des europäischen Emissionshandels (Symbolfbild). (Foto: dpa/SZ Photo, Catherina Hess)

17.06.2026

Brief an die EU-Spitze: 40 Industriekonzerne fordern Kurswechsel bei Emissionshandel

Das zentrale Klimaschutzinstrument der EU soll auf den Prüfstand

Rund 40 Industriekonzerne machen mit einem Brief an die EU-Spitze Druck vor der geplanten Neuregelung des europäischen Emissionshandels. "Wir fordern ein entschlossenes Eingreifen, um die Kosten-Eskalation im Emissionshandelssystem (ETS) zu stoppen", heißt es in dem Schreiben an EU-Ratspräsident António Costa und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

Wenn das bestehende System fortgesetzt werde, werde es zu einer Verlagerung von Produktion und Werksschließungen kommen, schreiben die Unterzeichner, darunter die Chemiekonzerne BASF, Evonik und Covestro sowie die Stahlkonzerne Thyssenkrupp und ArcelorMittal. "Die Folgen - Arbeitsplatzverluste, rückläufige Investitionen und ein nachlassendes Wirtschaftswachstum - sind absehbar." Bei der Reform des Emissionshandelssystems müsse die Politik unverzüglich Maßnahmen ergreifen, um "weiteren Schaden für die industrielle Basis Europas zu vermeiden". 

EU-Klimaschutzinstrument auf dem Prüfstand

Der Emissionshandel ist das zentrale Klimaschutzinstrument der EU auf dem Weg zur Klimaneutralität 2050. Dabei müssen Firmen Rechte zum Ausstoß klimaschädlicher Gase wie Kohlendioxid (CO2) nachweisen. Sie können damit handeln, was in energieintensiven Branchen als Anreiz dient, Treibhausgase zu sparen. So entsteht ein Preis für jede ausgestoßene Tonne CO2. Über die Jahre sinkt die Zahl der verfügbaren Zertifikate - das soll effizient zu mehr Klimaschutz führen. 

Aus Industrie und Teilen der Politik wächst der Druck, den Emissionshandel aufzuweichen, um Belastungen für die Wirtschaft zu senken. Im Sommer steht eine grundlegende Revision des Emissionshandels an, die EU-Kommission will im Juli Vorschläge vorlegen. 

"Europa praktisch im Alleingang"

Der Emissionshandel spiegle die globale Realität nicht mehr wider, kritisieren die Konzerne in dem Brief, über den zuvor die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtete. Europa handele "praktisch im Alleingang", wenn es der Industrie, die ohnehin mit teurer Energie und Regulierung zu kämpfen habe, rasch steigende CO2-Kosten auferlege. "Diese Kombination untergräbt die Wettbewerbsfähigkeit in immer schnellerem Tempo." Derzeit diskutierte Auflagen für die kostenlose Zuteilung von Zertifikaten etwa müssten vermieden werden.

Die Konzerne kritisieren, dass die Voraussetzungen für den Umbau der Industrie nicht gegeben seien. So fehle eine funktionierende Infrastruktur für Wasserstoff und CO2, und Kunden wollten nicht für kohlenstoffarme Produkte bezahlen. 

Doch auch die Wirtschaft ist gespalten - etwa die Stahlindustrie: Während Thyssenkrupp und ArcelorMittal für eine Abschwächung des Emissionshandels plädieren, fürchten andere Unternehmen, die bereits in den Umbau ihrer Anlagen investiert haben, wie Saarstahl, am Ende als Verlierer dazustehen. 

Auch die IG Metall, die kürzlich Tausende Stahlarbeiter bei Protesten in Berlin und Völklingen mobilisierte, warnte davor, den Umbau zu einer klimaneutralen Produktion zurückzudrehen. Das gefährde "Zehntausende Jobs."
(Alexander Sturm, dpa)

Kommentare (0)

Es sind noch keine Kommentare vorhanden!
Die Frage der Woche

Soll man die sogenannte Rente mit 63 abschaffen?

Unser Pro und Contra jede Woche neu
Diskutieren Sie mit!

Die Frage der Woche – Archiv
X
Vergabeplattform
Vergabeplattform

Staatsanzeiger eServices
die Vergabeplattform für öffentliche
Ausschreibungen und Aufträge Ausschreiber Bewerber

Beilagen

> Das neue vbw Unternehmermagazin ist online

Prof. Dr. Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln, sagt über die Deutschen: "Unser Mindset hat sich nicht weiterentwickelt – es ist in einer Art Biedermeier-Modus stehen geblieben."

> Das einblicke-Magazin der Bundesgesellschaft für Endlagerung ist online

Die Suche nach dem sichersten Ort für unseren Atommüll ist eine staatliche Jahrhundertaufgabe. Das einblicke-Magazin der Bundesgesellschaft für Endlagerung stellt vier Menschen vor, die diese Mission bei der Bundesgesellschaft für Endlagerung mit ihre

> Änderung der Gemeindeordnung

Liebe Leserinnen und Leser des Kommunalen Taschenbuchs, die Gemeindeordnung des Freistaats Bayern hat sich am 23. Dezember 2025 nach Redaktionsschluss (14. November 2025) nochmals geändert. Die entsprechenden Seiten können Sie hier herunterladen.

Jahresbeilage 2025

Nächster Erscheinungstermin:
28. November 2026

Weitere Infos unter Tel. 089 / 29 01 42 54 /56
oder
per Mail an anzeigen@bsz.de

Download der aktuellen Ausgabe vom 28.11.2025 (PDF, 16,5 MB)

E-Paper
Unser Bayern

Das kunst- und kulturhistorische Online-Magazin der Bayerischen Staatszeitung

Abo Anmeldung

Passwort vergessen?

Geben Sie Ihren Benutzernamen oder Ihre E-Mail ein um Ihr Passwort zurückzusetzen. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an: vertrieb(at)bsz.de

Zurück zum Anmeldeformular 

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.

Abo Anmeldung

Passwort vergessen?

Geben Sie Ihren Benutzernamen oder Ihre E-Mail ein um Ihr Passwort zurückzusetzen. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an: vertrieb(at)bsz.de

Zurück zum Anmeldeformular 

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.

Unser Bayern - Nachbestellen

Aktuelle Einzelausgaben des Online-Magazins „Unser Bayern” können im ePaper der BSZ über den App-Store bzw. Google Play gekauft werden.