Wirtschaft

In der Raffinerie in Burghausen werden pro Jahr 3,8 Millionen Tonnen Rohöl verarbeitet. (Foto: Wirtschaftsförderung Burghausen GmbH)

29.05.2026

EU-Methanverordnung: Aiwanger wütet mal wieder über Brüssel

EU-Methanverordnung gefährdet Benzin-, Diesel- und Kerosinversorgung in Bayern, Deutschland und Europa

Die EU-Kommission hat mal wieder zugeschlagen und Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) echauffiert sich zu Recht. Er hat vor Kurzem bei seinem Besuch der OMV-Raffinerie in Burghausen (Landkreis Altötting) vor „EU-hausgemachten Problemen für die Energieversorgung Europas“ gewarnt.

Hintergrund ist die sogenannte EU-Methanverordnung, die ab 2027 Raffinerien innerhalb der EU wie beispielsweise Burghausen dazu zwingt, ihre Zulieferung an Rohöl unter dem Gesichtspunkt zu bewerten, ob bei der Ölförderung in den Herkunftsländern Methan entweicht. Dies ist laut Aiwanger praktisch nicht umsetzbar und würde in der Umsetzung zu massiven Lieferschwierigkeiten mit Auswirkungen auf die Versorgungssicherheit führen.

Hubert Aiwanger ist maximal verärgert

Groteskerweise würden aber Endprodukte wie Benzin, Diesel oder Kerosin, die in die EU geliefert werden, nicht diesen Vorgaben unterworfen. Das würde gezielt die heimischen Raffinerien kaputtmachen, sagt Wirtschaftsminister Aiwanger. Außerdem würde der ökologische Mehrwert gemindert, sagt eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums der Staatszeitung. Doch Methanemissionen zu minimieren, ist genau das Ziel der EU-Kommission. Also liegt in der EU-Methanverordnung ein kompletter Widerspruch vor.

Wirtschaftsminister Aiwanger ist jedenfalls „maximal verärgert“ über diese „ständigen Schüsse in den Rücken unserer Wirtschaft durch die EU“. Er bezeichnet es Treppenwitz, dass die internationalen Spannungen in der Straße von Hormus weniger bedrohlich für die Kerosinversorgung des Flughafens München oder die Sprit- und Heizölversorgung der Bevölkerung sind als vielmehr die EU-Energiepolitik mit der Methanverordnung.

Unsinn unverzüglich stoppen

„Die EU muss diesen Unsinn unverzüglich stoppen“, so Aiwanger. Es sei für die Mitgliedsländer der EU nicht mehr länger akzeptabel, dass quasi täglich eine neue Hiobsbotschaft aus Brüssel „bei uns eintrudelt was wir umsetzen sollen und die Wirtschaft dann mit Existenzängsten zu uns kommt und um Korrektur bittet“. Bayerns Wirtschaftsminister betont: „Wir haben aufgrund internationaler Krisen Probleme genug für unsere Wirtschaft, wir brauchen nicht noch ständig diese zusätzliche Selbstbeschädigung durch EU-Ideologen.“

Da die EU-Methanverordnung auf die fossile Rohöl-, Erdgas- und Kohleproduktion und deren Import zielt, ist die Produktion von Biomethan nicht betroffen. „Die Methanverordnung umfasst kein Biomethan und ist auch nicht konzipiert, heimisches Biomethan zu benachteiligen oder Importe zu bevorzugen“, erläutert die Ministeriumssprecherin. Die Verordnung könne sogar dafür sorgen, dass Biomethan im Gegensatz zu fossilem Erdgas attraktiver zu machen.

„Wir werden uns weiterhin auf allen Ebenen einsetzen und auf die möglichen Wettbewerbsnachteile und Versorgungsrisiken durch die EU-Methanverordnung hinweisen“, sagt Aiwanger der Staatszeitung. Mindestens eine vereinfachte und pragmatische Auslegung und Umsetzung der EU-Methanverordnung sollte durch die EU erfolgen.

Irrsinn: EU-Kommission unterrichtet über Schlupflöcher

Um der Angelegenheit noch die Krone aufzusetzen und den EU-Irrsinn zu verdeutlichen, erklärt die Ministeriumssprecherin der Staatszeitung, dass die EU-Kommission jüngst über Schlupflöcher bei europäischen Klimaschutzvorgaben für Fossilenergieimporte unterrichtet hat, um die Sicherheit der Energieversorgung wegen der global angespannten Lage nicht zu gefährden.

Wirtschaftsminister Aiwanger betonte aber auch, dass Bayern aktuell gut versorgt ist. „Die OMV-Raffinerie Burghausen versorgt den Flughafen München direkt über eine Pipeline mit Kerosin, 50 Prozent des Kerosinbedarfs des Flughafens München kommen von Burghausen. Das ist ein echter Standortvorteil und zeigt, warum wir unsere heimischen Raffinerien unbedingt erhalten müssen“, so der Minister. Innerhalb Europas sei Deutschland mit 16 Prozent der bedeutendste Raffineriestandort. Gut 100 Millionen Tonnen Rohöl würden bundesweit jährlich verarbeitet.

Aktuell ist Bayern gut versorgt

In der Raffinerie in Burghausen seien es jährlich rund 3,8 Millionen Tonnen Rohöl, aus denen unter anderem Diesel, Heizöl, Kerosin sowie petrochemische Grundstoffe für die Industrie hergestellt werden. Die Rohölversorgung erfolge über die Transalpine Ölleitung.

Angesichts der Brisanz des Themas EU-Methanvorordnung ist es umso unverständlicher, dass die beiden anderen Raffineriebetreiber im Freistaat offenbar auf Tauchstation sind. Weder die Bayernoil Raffineriegesellschaft mbH aus Vohburg an der Donau (Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm) noch die Gunvor Raffinerie Ingolstadt GmbH haben auf Anfragen der Staatszeitung reagiert.
(Ralph Schweinfurth)

Kommentare (0)

Es sind noch keine Kommentare vorhanden!
Die Frage der Woche

Soll die Schulpflicht abgeschafft werden?

Unser Pro und Contra jede Woche neu
Diskutieren Sie mit!

Die Frage der Woche – Archiv
X
Vergabeplattform
Vergabeplattform

Staatsanzeiger eServices
die Vergabeplattform für öffentliche
Ausschreibungen und Aufträge Ausschreiber Bewerber

Beilagen

> Das neue vbw Unternehmermagazin ist online

Ralf Wintergerst, CEO von Giesecke+Devrient, weist auf einen sehr wesentlichen Umstand der deutschen Politik hin: „Es gibt hierzulande sehr viele Veto-Punkte, wo der eine aus Eigeninteresse den Vorschlag des anderen blockieren kann."

> Das einblicke-Magazin der Bundesgesellschaft für Endlagerung ist online

Die Suche nach dem sichersten Ort für unseren Atommüll ist eine staatliche Jahrhundertaufgabe. Das einblicke-Magazin der Bundesgesellschaft für Endlagerung stellt vier Menschen vor, die diese Mission bei der Bundesgesellschaft für Endlagerung mit ihre

> Änderung der Gemeindeordnung

Liebe Leserinnen und Leser des Kommunalen Taschenbuchs, die Gemeindeordnung des Freistaats Bayern hat sich am 23. Dezember 2025 nach Redaktionsschluss (14. November 2025) nochmals geändert. Die entsprechenden Seiten können Sie hier herunterladen.

Jahresbeilage 2025

Nächster Erscheinungstermin:
28. November 2026

Weitere Infos unter Tel. 089 / 29 01 42 54 /56
oder
per Mail an anzeigen@bsz.de

Download der aktuellen Ausgabe vom 28.11.2025 (PDF, 16,5 MB)

E-Paper
Unser Bayern

Das kunst- und kulturhistorische Online-Magazin der Bayerischen Staatszeitung

Abo Anmeldung

Passwort vergessen?

Geben Sie Ihren Benutzernamen oder Ihre E-Mail ein um Ihr Passwort zurückzusetzen. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an: vertrieb(at)bsz.de

Zurück zum Anmeldeformular 

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.

Abo Anmeldung

Passwort vergessen?

Geben Sie Ihren Benutzernamen oder Ihre E-Mail ein um Ihr Passwort zurückzusetzen. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an: vertrieb(at)bsz.de

Zurück zum Anmeldeformular 

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.

Unser Bayern - Nachbestellen

Aktuelle Einzelausgaben des Online-Magazins „Unser Bayern” können im ePaper der BSZ über den App-Store bzw. Google Play gekauft werden.