Wirtschaft

Die AfD darf durch das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) vorerst nicht als "gesichert rechtsextremistisch" eingestuft und behandelt werden. Das hat das Verwaltungsgericht Köln Ende Februar in einem Eilbeschluss entschieden. (Foto: dpa/CHROMORANGE,Michael Bihlmayer)

11.03.2026

Anti-AfD-Statements von Firmenchefs lösen gegenteiligen Effekt aus

Neue Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft und der Technischen Universität Dresden

Wer aktuell nicht abseits stehen will in Deutschland, der reiht sich ein in den Chor derjenigen, die vor der AfD warnen - woran die Tatsache, dass die Partei, gerichtlich bestätigt, momentan nicht „gesichert rechtsextrem“ ist, erst mal nichts ändern dürfte. Da wollten sich auch zahlreiche hochrangige Vertreter der deutschen Wirtschaft beteiligen.

Zu den prominentesten Namen in diesem Zusammenhang - teilweise mit sehr scharfen Worten („AfD wählen gefährdet unseren Wohlstand“) - gehören Ex-Siemenschef Joe Kaeser oder Reinhold Würth, Ehrenvorsitzender des Stiftungsaufsichtsrats
der Würth-Gruppe des gleichnamigen schwäbischen Schraubenfabrikanten. Das ist insofern ungewöhnlich, weil Firmenchefs in der Vergangenheit politische Positionierungen gegen bestimmte Parteien eher vermieden haben. Zwar war klar, dass ihnen CDU/CSU und FDP inhaltlich näher stehen als SPD und Grüne - mehr aber auch nicht. Statements erfolgten daraus nicht.

Doch eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Dresden unter dem Namen „CEO-Aktivismus zum Schutz der liberalen Demokratie. Eine empirische Vermessung von Wahrnehmung und Wirkung“ (5000 repräsentativ Befragte im Sommer letzten Jahres) kommt jetzt zu dem Ergebnis, dass der Schuss wohl nach hinten losgehen könnte, die Warnrufe das Gegenteil bewirken und statt dessen bei den meisten Menschen vielmehr eine Solidarisierung mit den Verfemten eintritt - der sogenannte „Backlash-Effekt“.

Die Leute sind wütend

„Das wundert mich nicht“, sagt der Chef eines metallverarbeitenden Betriebs aus dem nördlichen Oberbayern. „Ich bekomme doch die Stimmung unter meinen Leuten mit. Die sind wütend darüber, dass sie - einige mit über 60 Jahren - jeden Morgen aufstehen, zur Arbeit gehen, Steuern zahlen. Und gleichzeitig sitzen da haufenweise junge Flüchtlinge rum, die nicht arbeiten und von sozialen Transferleistungen leben.“ Besonders die Ukrainer würden kritisch gesehen. „In Polen geht eine deutlich höhere Zahl von denen arbeiten als bei uns.“ Und die einzige Partei, die das „knallhart“ thematisiere, sei eben die AfD.

Er werde sich jedoch hüten, dies mal öffentlich anzuprangern, so der Unternehmer. „Denn das ist leider der beste Weg, um sich gesellschaftlich unmöglich zu machen. Ich befürchte, dann gibt es vor meinem Werkstor sofort Demos aus linken Kreisen bis hin zu Boykottaufrufen gegen meine Firma und meine Produkte. Hat man beim Eigner von Müller-Milch ja gesehen.“ Es sei „traurig, aber wahr“, dass man sich „in der aktuellen deutschen Demokratie nur zu bestimmten Parteien positiv bekennen“ darf.

„Das wundert mich nicht“, sagt bezüglich des Solidarisierungseffekts auch Bertram Brossardt, der Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft (vbw). Er glaube aber auch nicht, so Brossardt weiter, dass „das die Motivation der Führungskräfte ist, die sich öffentlich gegen rechte Kräfte in unserer Gesellschaft stellen. Nach meinen Erfahrungen tun sie dies, weil es ihnen ein dringendes Bedürfnis ist, sich aus vollster Überzeugung für die Demokratie stark zu machen und angesichts des Erstarkens extremer Strömungen klar Haltung zu zeigen“.

Etwas Kurioses

Das Kuriose daran, worauf die Studie explizit hinweist: Dabei hätten die Firmenchefs bei keiner der im Bundestag vertretenen Parteien eine solch breite Unterstützung für ihre Kernanliegen wie seitens der AfD. Über 70 Prozent von deren Wählern befürworten niedrigere Unternehmenssteuern, eine stärkere Rückkehr zu fossilen Brennstoffen zur Verbilligung der hohen Energiepreise, ein Zurückdrängen von Brüssel aufgrund der überbordenden Bürokratie und eine Lockerung des Kündigungsschutzes. Auch generell wird seitens der AfD-Anhänger Unternehmern, so ein weiteres Ergebnis der Studie, mehr Vertrauen entgegen gebracht als von jenen Leuten, die Parteien links der Mitte präferieren.

„Also laden wir auch die AfD mal ein“, sagte sich deshalb Ende letzten Jahres der Verband der Familienunternehmen. „Ich habe es zwar grundsätzlich begrüßt, weil ich - auch wenn ich persönlich anders wähle - finde, dass man mit allen politischen Parteien im Parlament reden sollte“, so der Chef eines Transport-und Logistikunternehmens aus dem Chiemgau, selbst ein Familienbetrieb. „Aber ich habe mir gedacht, dass das mächtig Ärger geben dürfte“.

Er hat sich bekanntlich nicht geirrt, ein gewaltiger medialer Shitstorm von links ergoss sich über den Verband. Der gelobte eingeschüchtert, fortan keine Einladung mehr an die AfD auszusprechen.

Demonstrative Distanzierung

Ebenfalls bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang jedoch: Laut den Autoren der Studie machen die Bosse mit ihren Anti-AfD-Statements und ihren demonstrativen Distanzierungen bei Anhängern der Parteien links der Mitte nicht mal sonderlich an Boden gut. Das generelle Misstrauen, das man in diesen Kreisen gegenüber Wirtschaftslenkern hegt, werde damit nicht signifikant gemindert, so der Inhalt der wissenschaftlichen Untersuchung.

Trotzdem begrüßt es vbw-Chef Brossardt, wenn sich Unternehmer „mit ihrer gewichtigen Stimme … gegen demokratiebedrohende Kräfte aussprechen. Empfehlungen zu geben, ob und wie sie das tun, steht uns aber nicht zu. Das muss jede und jeder für sich selbst entscheiden“. Andererseits erwartete die Belegschaft in schwierigen Zeiten, dass der Chef „klare Kante“ zeige - nicht nur zu Firmenbelangen.

Abschließend hat Bertram Brossardt allerdings eine ernüchternde Botschaft für alle AfD-ler, die vielleicht auf eine Annäherung gehofft haben: „Wir setzen uns mit niemandem an den Tisch, der rechte Parolen propagiert und vom Verfassungsschutz beobachtet wird. Das widerspricht der Wertekultur unseres Verbandes. Daher lehnen wir jedweden fachlichen und persönlichen Austausch mit Vertretern der AfD ab. Diese Haltung ist in den Gremien der vbw einstimmig verabschiedet worden. An dieser Linie halten wir ohne ‚Wenn und Aber‘ fest.“

Die Forscher des Instituts der deutschen Wirtschaft und der Technischen Universität Dresden raten den Firmenchefs zu einer neuen  Strategie im Zusammenhang mit der AfD. Schluss mit den „abgehobenen Fensterreden von oben“, die vielfach als belehrend empfunden werden. Statt dessen empfehlen sie eine „nüchterne, ernsthafte Auseinandersetzung“ mit den Argumenten und Positionen der AfD. Gut sei, statt pauschaler Aussagen - egal ob pro oder kontra - konkret mit den Bedürfnissen des eigenen Unternehmens zu argumentieren.
(André Paul)

Kommentare (1)

  1. Joachim Datko vor 5 Stunden
    Die AfD hat an der Parteispitze eine hervorragende Wirtschaftskompetenz:
    1) Chrupalla ist Handwerksmeister. Vor seiner Karriere in der Politik hatte er einen eigenen Handwerksbetrieb.
    2) Die Asienkennerin Dr. Weidel (Japan, Singapur, China) ist Volks- und Betriebswirtin. Sie hat als Angestellte in Konzernen gearbeitet und war später selbständig tätig.
    Da kann keine andere deutsche Partei auch nur annähernd mithalten. Wenn Dr. Weidel den Bundeskanzler Merz im Bundestag kritisiert, sitzt er wie ein begossener Pudel da oder sucht gar das Weite.
    +++ J. Datko – Ingenieur, Physiker – Regensburg – AfD-Stammwähler +++
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