Wirtschaft

In Co-Location-Speichern kann man Ökostrom „parken“. (Foto: EnBW)

28.08.2026

Auch Banken sehen dieses Konzept positiv

Batteriespeicher, die sich am Standort einer Öko-Erzeugungsanlage befinden und sich mit ihr den Netzanschluss teilen: Was Co-Location-Speicher bringen

Was Jan Bauer sagt, müsste all jene erschrecken, die sich aktuell Gedanken machen, ob und wo sie größere Stromspeicher auf die Grüne Wiese oder in die Nähe von Wind- oder Solarkraftwerken aufzustellen planen. „Seit drei Jahren reden wir von einer Batteriewelle, aber die Projekte kommen nicht. Wer jetzt ans Netz geht, hat noch gute Chancen. Aber irgendwann werden sich die Batterien kannibalisieren“, erklärt er voller Überzeugung. Dabei ist Bauer Sales Manager beim „Virtuellen Kraftwerk“ vom auch in Bayern aktiven Stromhändler EnBW. Dieser Energiekonzern hat sich inzwischen zum zweitgrößten Direktvermarkter in Deutschland entwickelt, nicht nur für Ökostrom.

Im Virtuellen Kraftwerk können Betreiber auch Stromspeicher vermarkten lassen. Im zuletzt im Juli angebotenen Webinar „Weniger abregeln, mehr Sicherheit – Fixpreis-Lösungen für Ihre Co-Location-Speicher auch“ war zu erfahren, wie und was dabei möglich ist. Und eben auch, was nicht.

Strom ins Netz bringen

Vielen Betreibern von Ökostromkraftwerken geht es darum, den erzeugbaren Strom auch tatsächlich ins Netz zu bringen. Heute ist Abregelung durch den Netzbetreiber an sonnigen Mittagszeiten vielerorts die Normalität. Denn vor allem wegen der altbekannten Probleme des ungenügenden Verteilnetzausbaus kann in dieser Zeit die theoretisch verfügbare Strommenge oft nicht ins Netz eingespeist werden. Dazu kommen noch Abregelungen durch die Direktvermarkter. Das passiert, wenn die Börsenstrompreise am Spotmarkt ins Negative fallen. Und diese Zeiträume nehmen seit Jahren zu. 

Dagegen könnten sogenannte Co-Location-Speicher helfen. Das sind Batterien, die im Zusammenwirken mit den Erzeugungsanlagen den nicht ins Netz abzugebenden Strom aufnehmen. Dieser wird dann wieder abgegeben, wenn Bedarf herrscht – also gerade in Hochpreiszeiten an der Börse. 

Co-Location-Speicher könnten auch einem durch §§ 51 und 51a im EEG 2025 aufkommendem Problem entgegenwirken. Diese Gesetzesregelung stellt Zeitgrenzen für Negativ-Börsenpreise auf. Werden die Zeiträume überschritten, wird für den abgeregelten Strom nicht mehr die durch das EEG eigentlich zustehende Vergütung bezahlt. Zwar tritt diese Regelung bei Anlagen mit Inbetriebnahmezeitpunkt bis 2014 erst nach 6 Negativstunden ein, doch diese Stundenzahl schmilzt je nach späterem Inbetriebnahmejahr ab. So gibt es bei Anlagen, die vor 2027 ans Netz gehen, schon bei mehr als 60 Minuten Börsen-Negativpreis keine EEG-Vergütung für abgeregelten Strom mehr. 

„Und bei Inbetriebnahme ab 2027 trifft diese Regelung sofort ab Eintritt des Negativpreises zu“, nennt Jan Bauer den wohl wichtigsten Grund, warum er für echte Grünstrombatterien in Co-Location wirbt. Denn: „Auch Grünstrom aus Speichern ist EEG-förderfähig.“ Und selbst bei Anlagen, die nicht durch das EEG gefördert sind, könnten ebenfalls Abschaltzeiten reduziert und der Strom zu Hochpreiszeiten vermarktet werden, ergänzt er. 

In beiden Fällen müsse darauf geachtet werden, dass nicht nur die Erzeugung gemessen werde, sondern auch die Einspeisemenge am Netzanschlusspunkt. Dafür sei ein klarer Netzanschlussvertrag mit dem örtlichen Verteilnetzbetreiber (VNB) unbedingt notwendig. 

„Diesen Netzanschlusspunkt haben wir (EnBW, wie alle anderen Direktvermarkter, d. Red.) nicht in der Hand“, stellte der EnBW-Mann ausdrücklich klar; „das Messkonzept macht der VNB“. Doch wenn das geklärt sei, stünden einer Direktvermarktung von Speicherstrom höchstens noch „Fallstricke wie Restriktionen der VNB entgegen“, ergänzte Bauer. Damit meinte er vorgegebene „Ausschlussstunden für die Einspeisung oder lange Hochlauframpen“. Es sei natürlich schlecht, wenn die Batterieleistung erst nach einer halben Stunde Hochlauf abgegeben werden könne, während die Börsenwerte in 15-Minuten-Takten wechseln. Zudem sei unbedingt eine individuelle Dimensionierung von Co-Location-Batterien zu empfehlen: Dabei würden die Direktvermarkter dank der bei ihnen bekannten Zeit-Szenarien helfen.

Jede Menge Speicher

Und auch zur anfangs erwähnten Batteriewelle äußerte er sich nochmals. Es seien zwar vielerorts jede Menge Speicher beantragt, doch gebaut wurden bislang davon recht wenige. Da Co-Location-Speicher nicht nur die Netzanschlussprobleme reduzieren könnten, seien sie aktuell sehr interessant. Auch die Banken würden dank der kalkulierbaren Mehrerlöse das Modell positiv sehen, so Bauer.

Doch auf eine Voraussetzung ging er nicht ein: Wann lässt das Baurecht eine Errichtung auf oder neben dem Kraftwerksgelände zu? (Heinz Wraneschitz)
 

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