Egal ob im Handwerk, im Handel oder in der Industrie: In vielen Branchen werden Auszubildende gesucht. Als Folge der demografischen Entwicklung sind die Unternehmen zunehmend auf Bewerber aus dem Ausland angewiesen, die Zahl deutscher Bewerber sinkt kontinuierlich.
Nach einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) haben inzwischen bundesweit 16,3 Prozent der gut 1,3 Millionen Azubis zwischen 15 und 34 Jahren eine ausländische Staatsangehörigkeit. 1999 lag der Anteil bei nur 5,3 Prozent. In Bayern ist er vermutlich noch höher, wenn man auf die Daten der Handwerkskammern und IHKs blickt.
„Azubis aus dem Ausland haben sich zu einer tragenden Säule in der Ausbildung von Fachkräftenachwuchs für die bayerische Wirtschaft entwickelt“, stellte kürzlich der Hauptgeschäftsführer des Bayerischen Industrie- und Handelskammertags (BIHK), Manfred Gößl, fest.
Selbst die AfD spricht von der Bedeutung ausländischer Kräfte
Das spiegeln auch die aktuellen Zahlen wider. Derzeit haben 15,8 Prozent der Azubis in IHK-Betrieben keinen deutschen Pass, bei den 2025 abgeschlossenen Verträgen waren es sogar 19,8 Prozent. Im bayerischen Handwerk liegt der Ausländeranteil unter den Azubis bei insgesamt 19,1 Prozent und damit mehr als doppelt so hoch wie 2015.
Die meisten ausländischen Azubis kommen derzeit aus Vietnam. In IHK-Betrieben sind es 2952, im Handwerk 1419. Im Handwerk folgen zahlenmäßig Azubis aus Syrien, der Ukraine, dem Kosovo und Afghanistan, also überwiegend den Hauptherkunftsländern von Geflüchteten und Asylbewerbern. Auch in IHK-Betrieben gehören diese Staaten zu den Top Ten, allerdings in etwas anderer Reihenfolge. Nach den Vietnamesen kommen hier die Ukrainer, dann Marokkaner und Rumänen.
Warum ausländische Azubis wichtiger werden
Laut IW-Studie liegen die Ursachen für die steigende Zahl ausländischer Azubis nicht nur in der wachsenden Zuwanderung nach Deutschland, sondern auch in der gezielten Anwerbung ausländischer Lehrlinge seit der Jahrtausendwende. Ab 2015 kamen laut IW „zusätzliche Impulse“ durch die Fluchtmigration und die „Westbalkanregelung“ hinzu, die es Bewerbern aus Albanien oder dem Kosovo erleichterte, in Deutschland zu arbeiten. Unter Verweis auf die hohe Zahl an Azubis aus Syrien, Afghanistan sowie der Ukraine schreibt das IW, „dass auch die Fluchtmigration seit 2015 einen Beitrag zur Stabilisierung des deutschen Ausbildungsmarktes geleistet hat“.
Die Formulierung ist bewusst gewählt, denn auch der Anstieg bei der Zahl der ausländischen Azubis hat bislang nicht ausgereicht, das demografisch bedingte Fehlen deutscher Bewerber zu kompensieren. Das IW rät deshalb dazu, die gezielte Anwerbung im Ausland zu intensivieren und zugleich das im Inland vorhandene Potenzial unter jungen Migranten noch besser zu erschließen. Dazu müsse die „gesamte Prozesskette“ bis zum Abschluss eines Ausbildungsvertrags optimiert werden. Für das IW heißt das unter anderem: Sprachförderung, klare Aufenthalts- und Verwaltungsverfahren, Unterstützung bei der Lehrstellensuche, Begleitung zu einem erfolgreichen Abschluss der Ausbildung und nicht zuletzt die Förderung des anschließenden Verbleibs im deutschen Arbeitsmarkt.
Mehr Unterstützung bei Sprache, Wohnen und Mobilität
Nach Angaben des bayerischen Wirtschaftsministeriums ist der Anteil ausländischer Azubis im Gesundheits- und Pflegebereich sowie im Gastgewerbe und im Lebensmittelhandwerk besonders hoch. Aktuell ist das Ministerium Partner eines Projekts, das Auszubildende aus Tadschikistan nach Bayern vermittelt und hier betreut. Die Wirtschaftssprecherin der Grünen, Barbara Fuchs, sieht gerade bei der Betreuung der Azubis noch Verbesserungsbedarf. So müssten die Berufsschulen fachlich und personell besser ausgestattet werden, um ausländische Lehrlinge beim Erlernen von branchenspezifischen Fachbegriffen und bei der Vorbereitung der deutschsprachigen Prüfungen zu unterstützen. Zudem hält Fuchs Hilfen bei der Wohnungssuche und den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs gerade im ländlichen Raum für erforderlich.
Auch der AfD-Wirtschaftspolitiker Johannes Meier begrüßt die Ausbildungsbereitschaft ausländischer Jugendlicher. Dies sei für die Fachkräftesicherung von großer Bedeutung. Er fordert aber die Konzentration auf Bewerber aus der EU und aus Asien, weil er die Integration von Menschen aus dem arabischen Kulturkreis für schwierig hält. Einen Widerspruch zu den Remigrationsplänen der AfD sieht Meier nicht. Diese beträfen nach seinem Verständnis nur illegal Eingewanderte ohne Aufenthaltsrecht „und niemals die, die hier arbeiten und integriert sind“.
Für den CSU-Sozialpolitiker Thomas Huber ist die hohe Zahl ausländischer Azubis Beweis für den guten Ruf der dualen Berufsausbildung in Bayern und ein „Zeichen gelungener Integration“. Er verweist auf zahlreiche Unterstützungsprogramme in Bayern wie die Berufseinstiegsbegleitung für benachteiligte Jugendliche oder die Berufsorientierungs- und Praxisklassen an den Mittelschulen. Es sei ein Schlüssel zum Erfolg, Jugendliche mit erhöhtem Unterstützungsbedarf „an die Hand zu nehmen“. (Jürgen Umlauft)
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