Wirtschaft

Bayern will seine führende Rolle im Zukunftsfeld Batterietechnologie weiter ausbauen. (Foto: picture alliance/Zoonar, Boris Zerwann)

16.01.2026

Batterien sind ein Schlüssel für Energiewende

Der Freistaat will mit dem jetzt ins Leben gerufenen TechHUB Batterie die Innovationskraft in der Branche stärken

Das bayerische Wirtschaftsministerium hat vor Kurzem den TechHUB Batterie ins Leben gerufen. „Ziel ist es, die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen sowie zwischen Unternehmen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen zu fördern. Dadurch soll der Technologietransfer gestärkt und die Innovationskraft im Freistaat nachhaltig gesteigert werden“, erklärt eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums der Staatszeitung.

Außerdem solle eine bayerische Batteriestrategie entwickelt werden, um das Profil der bayerischen Batteriebranche zu schärfen und langfristig wettbewerbsfähig zu sein. Angesiedelt werde der TechHUB Batterie bei der in Nürnberg ansässigen Bayern Innovativ GmbH. Die entsprechende Website solle demnächst online gehen. Von 2026 bis 2029 seien pro Jahr 300.000 Euro für die Finanzierung des TechHUB Batterie vorgesehen.

Kräfte bündeln

„Batterien sind ein Schlüssel für Energiewende, Mobilität und industrielle Wertschöpfung. Bayern hat entlang der gesamten Wertschöpfungskette starke Unternehmen und exzellente Forschung. Der TechHUB Batterie bündelt diese Kräfte und macht aus Know-how wirtschaftlichen Erfolg“, sagt Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (FW). Der Hub richte sich an Anwenderbranchen vom Maschinen- und Anlagenbau über Chemie und Elektronik bis hin zu Energieversorgung, Mobilität, Sicherheits- und Verteidigungsanwendungen.

Insbesondere kleine und mittlere Unternehmen sollen dem Minister zufolge von Orientierung, Kooperationsvermittlung und Förderberatung in einem dynamisch wachsenden internationalen Markt profitieren. „Wir wollen, dass bayerische Firmen bei Batterietechnologien vorne mitspielen, nicht irgendwann, sondern jetzt“, so Aiwanger. „Der TechHUB hilft unseren Unternehmen, Partner zu finden, Innovationen schneller umzusetzen und neue Geschäftsfelder zu erschließen. Davon können insbesondere kleine und mittlere Unternehmen profitieren.“

Für Versorgungssicherheit sorgen

Ein besonderer Fokus liegt laut Aiwanger auf dem Beitrag von Batterien zur Versorgungssicherheit. Batteriespeicher sind dabei ein zentrales Element für ein stabiles, resilientes Energiesystem. „Die jüngsten mutmaßlichen Anschläge auf Strommasten in Berlin zeigen, wie wichtig ein sicheres Stromnetz ist. In Bayern investieren wir daher in die Resilienz unserer Energieversorgung in allen Bereichen – Forschung, Anwendung und Ausbau des Netzes“, erklärt der Minister.

Chinas Exportkontrollen bringen jetzt schon die bayerische Industrie in die Bredouille und begrenzen den Zugang zu den dringend benötigten Seltenen Erden. Darum sind alternative Batterietechnologien nötig. Diese würden im Rahmen europäischer und bundesweiter Förderprogramme adressiert. Denn der TechHUB Batterie ist nach Auskunft der Ministeriumssprecherin nicht selbst forschend tätig. Der TechHUB Batterie fungiere dabei als Vernetzungs- und Transferplattform, indem er relevante Förderinitiativen im Ökosystem sichtbar macht und die Bildung von Förderkonsortien sowie deren Bewerbung um entsprechende Fördermittel unterstützt.

Da passt es perfekt, dass das bayerische Wirtschaftsministerium auch den Aufbau einer Produktion für Natrium-Ionen-Batterien in Lichtenfels unterstützt. Das Projekt der Moll Batterien GmbH aus Bad Staffelstein (Landkreis Lichtenfels) wird mit mehr als 22 Millionen Euro gefördert. Insgesamt beläuft sich das Investitionsvolumen auf über 93 Millionen Euro.

Innovative Produktion von Natrium-Ionen-Batterien aufbauen

„Was die Firma Moll Batterien GmbH mit der innovativen Produktion von Natrium-Ionen-Batterien aufbaut, ist ein echter Meilenstein für Bayern und stärkt das Batterieökosystem in ganz Europa – sauber, sicher, zukunftsorientiert. Genau solche Technologien brauchen wir, um unsere Energieversorgung stabiler zu machen, das Stromnetz zu entlasten und unabhängiger zu werden“, betonte Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (FW) bei der Übergabe des Förderbescheids kurz vor Weihnachten 2025.

Die Batterieproduktion sei von zentraler Bedeutung für die bayerische Industrie und habe ein hohes Wachstumspotenzial von über 30 Prozent im Jahr. Das Vorhaben der Moll Batterien leiste einen bedeutenden Beitrag zur Verfügbarkeit von grünen Transformationstechnologien in Bayern. Die Batteriespeicher seien umweltfreundlich und nachhaltig. „Hier entsteht gerade ein echter Wachstumsmarkt: Natrium statt knapper Rohstoffe – das ist grüne Innovation aus Bayern für Bayern und weit darüber hinaus. So schaut gelungene Energiewende aus, die Arbeitsplätze schafft und unseren Standort stärkt“, so Aiwanger.

Der TechHUB Batterie soll der Ministeriumssprecherin zufolge auch dabei unterstützen, die bayerische Batterie-Wertschöpfungskette im Sinne der Kreislaufwirtschaft zu stärken. Das solle durch Identifizieren von Akteuren und Synergien sowie gezielte Vernetzungsveranstaltungen wie fachbezogene Workshops erfolgen.
Für die meisten Schritte der Batterie-Wertschöpfpungskette gibt es in Bayern dem Wirtschaftsministerium zufolge namhafte Unternehmen:
– Materialherstellung: zum Beispiel Wacker Chemie AG, Schlenk SE;
– Komponenten: zum Beispiel Siemens AG, Stercom Power Solutions GmbH;
– Batteriezellfertigung: zum Beispiel Moll Batterien GmbH, Varta AG;
– Modul- und Systemmontage: zum Beispiel MAN Truck & Bus SE;
– Produktintegration: zum Beispiel Audi, BMW;
– Batterierecycling: zum Beispiel Cellcircle, Umicore AG & Co. KG.

Pumpspeicher nötig

Wenn jetzt verstärkt Batterien zur Stromspeicherung genutzt werden sollen, stellt sich die Frage, ob Pumpspeicherwerke überflüssig werden. Dies verneint die Sprecherin. Immerhin soll bei Riedl im Landkreis Passau ein neues Pumpspeicherwerk errichtet und das bestehende bei Happurg (Landkreis Nürnberger Land) generalsaniert werden.

„Abgesehen davon, dass der künftige Flexibilitäts- und Speicherbedarf ohnehin enorm groß ist und alle Arten von Speichern gebraucht werden, haben die verschiedenen Stromspeicherformen unterschiedliche Charakteristika und erfüllen damit unterschiedliche Funktionen im Stromsystem“, erläutert die Sprecherin. Batterien würden sich vorwiegend zum kurzfristigen Ausgleich von Erzeugungs- und Lastschwankungen eignen und könnten ihre maximale Leistung aber nur 1 bis 2 Stunden zur Verfügung stellen.

Pumpspeicher hingegen könnten bis zu 12 Stunden mit voller Leistung be- und entladen werden, betont die Sprecherin des Wirtschaftsministeriums. Die Energie könne über mehrere Tage gespeichert werden. Damit sei gesicherte Leistung über einen längeren Zeitraum verfügbar. Darüber hinaus könnten Pumpspeicher weitgehend mit einheimischen Ressourcen hergestellt werden und hätten eine praktisch unbegrenzte Lebensdauer.
(Ralph Schweinfurth)

INFO Moll Batterien GmbH

Die Moll Batterien GmbH plant, im Gewerbegebiet in Lichtenfels/Schney eine neue innovative Batterieproduktion mit einer Kapazität von zunächst jährlich einer Gigawattstunde (GWh) aufzubauen. Zusätzlich zu den 220 Arbeitsplätzen am Standort in Bad Staffelstein werden in Schney 126 neue Arbeits- und Ausbildungsplätze entstehen. Die Initiative von Moll sei ein allererster Schritt und Beitrag, die Batterieindustrie in Deutschland gegenüber asiatischen Herstellern wettbewerbsfähig zu positionieren, betonte Peter Urban. Der Professor ist Bevollmächtigter der Geschäftsführung der Moll Batterien GmbH.

Das oberfränkische Unternehmen wird Ende 2026 das erste in Europa sein, das Natrium-Ionen-Batterien (auch NIB oder Post-Lithium genannt) industriell produziert. Im Werk in Bad Staffelstein produziert Moll jährlich bis zu 1,2 Millionen Starterbatterien, vor allem für Kraftfahrzeuge. Hauptkunden sind der VW-Konzern mit den Marken VW, Skoda und Audi, aber auch der Ersatzmarkt und der Export. „Moll hat Potenzial und Zukunft, was bei mittelständischen Unternehmen oftmals nicht gesehen wird. Der Mittelstand ist das Rückgrat der Deutschen Wirtschaft!“, sagt Urban mit Stolz auf die Moll-Mitarbeiter. 

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