Wirtschaft

Dominik Brokelmann glaubt an die Zukunft des stationären Handels. (Foto: Greiner)

02.09.2016

Dem Online-Handel Paroli bieten

Mit dem „vernetzten Laden“ rüstet der Baiersdorfer Dominik Brokelmann den stationären Einzelhandel auf

Online gewinnt, Offline verliert – diese Formel prägte in den vergangenen zehn Jahren die Diskussion über die Zukunft des Handels. Bei einer Umfrage gaben jüngst 73 Prozent der Bundesbürger an, im Jahr 2015 online geshoppt zu haben. Und eine GfK-Studie geht davon aus, dass sich der Online-Anteil am gesamten Einzelhandelsumsatz bis zum Jahr 2025 nahezu verdoppeln wird. Vertreter von Handelsverbänden und Vermieter von Innenstadtlagen schlagen deshalb Alarm. Im traditionellen Handel macht sich Perspektivlosigkeit breit, zumal die Existenzen vieler tausend Unternehmer und ihrer Mitarbeiter davon abhängen, dass der Einzelhandel einen Weg findet, wie er letztlich mit der Konkurrenz aus dem Internet umgehen kann.

Vorteile des Internets nutzen


Dominik Brokelmann (Jahrgang 1967), der Vorstandsvorsitzende und Eigner der Brodos AG in Baiersdorf, zeigt mit seinem „vernetzten Laden“ den Weg, wie der traditionelle Händler die Vorteile, die das Internet dem Kunden bietet, in den stationären Einzelhandel integrieren kann. Brokelmann: „E-Commerce muss den stationären Händler nicht überflüssig machen. Die Lösung liegt in der Kombination aus beidem.“

Der studierte Maschinenbauingenieur hatte schon parallel zum Studium schnurlose Telefone aus China verkauft und dieses Hobby dann zu seiner Profession gemacht. 1991 in Nürnberg mit vier Mitarbeitern als Telekommunikationshändler begonnen, entwickelte Brokelmann die 1999 begründete Aktiengesellschaft vom Distributor bis zum Ausrüster des Einzelhandels. Inzwischen verfügt Brodos über drei Standorte und zählt 475 Mitarbeiter (neben der Mehrheit in den 1995 bezogenen vier Immobilien in Baiersdorf auch 27 in Berlin und 24 in Indien), beliefert 5000 Fachhändler und erwirtschaftete im letzten Geschäftsjahr einen Umsatz von zirka 500 Millionen Euro. In dem im Februar 2009 eröffneten, 2500 Quadratmeter großen Logistikzentrum können bis zu 3000 Pakete am Tag abgewickelt werden. Brodos war unter den Ausgezeichneten bei „Bayerns Best 50“, holte sich den Titel „Distributor des Jahres“ und erhielt den „Jobstar“ der Metropolregion Nürnberg.

„Wer Handys verkauft, kennt uns“, verweist Brokelmann auf Kunden wie die relevanten Elektromärkte Media Markt, Saturn und Euronics, oder Großdiscounter wie Aldi. Das Handels-Produktportfolio umfasst unter anderem Mobiltelefonie, Festnetz, Navigation und Prepaidkarten. Im Mittelpunkt steht das Smartphone. Neben der Distribution weist Brodos drei selbstständig tätige Geschäftsbereiche auf: my-eXtra, ContentCard und brodos.net.

Bundesweit einheitlich gestaltet


Die my-eXtra-Shops sind bundesweit einheitlich gestaltet, werden von über 100 Franchise-Partnern geführt und bieten Originalverträge der vier deutschen Netzbetreiber T-Mobile, Vodafone, E-Plus und O2 an. Mit Apple, Sony, Samsung, Motorola, LG, T-Com, Gigaset und Siswoo/China sind die Geräte aller Markenhersteller vertreten. Bei ContentCard handelt es sich um ein System, das die Möglichkeit bietet, digitale Produkte im stationären Einzelhandel zu verkaufen – mit sofortiger Verfügbarkeit aller gängigen Prepaid- und Voucherkarten unter anderem für Software, Navigation, Spiele und Musik, zu jedem Wert, rund um die Uhr. ContentCard ist über Lizenzen mittlerweile auch in Großbritannien, Polen, Italien und Russland vertreten.

Brodos.net schließlich ist ein Cloud-basiertes Warenwirtschaftssystem für stationäre Einzelhändler, das vom Bezug bis zum Abverkauf der Produkte alle Vorgänge kontrollieren und dokumentieren kann. Brokelmann hat es für seine mittelständischen Kunden seit 15 Jahren „massiv weiterentwickelt“.

Ausgehend von der Tatsache, dass der stationäre Handel nur einen Bruchteil der Produkte vermarkten kann, die online zum Kauf angeboten werden, schuf Brokelmann sein Kiosk-System. Es stellt sicher, dass der Händler in seinem solcherart „vernetzten Laden“ sämtliche von ihm verkaufbaren Waren in allen Details sichtbar darstellen kann, er also damit dem Wettbewerbsvorteil des Online-Handels mit dessen riesigem Sortiment erfolgreich Paroli bietet. Ein Tablet zwischen 13,3 und 27 Zoll, auf einem Standfuß, einem Tisch aufgestellt oder an der Wand angebracht, präsentiert sich wie ein aufgeschlagener DIN-A-4-Katalog. In diesem kann der Kunde nach einer Unzahl von Produkten stöbern und sich per Texte, Bilder und Videos über jeden Artikel informieren. Der Händler stellt die umfassende Beratung sicher, beantwortet Fragen oder verweist auf weitere ähnliche Artikel – ein Gespräch, das so im Internet nicht möglich ist und die eigentliche Stärke des stationären Handels herausstreicht. Brokelmann: „Mal ehrlich – warum sollte denn etwas, das im Internet bestellbar ist, im Sortiment des stationären Handels fehlen?“ Der Händler hat – auch per App – so neben einer repräsentativen Auswahl an Produkten, die sofort mitgenommen werden können, Hunderte weiterer Varianten, insgesamt über 200 000 Artikel, zur schnellen Lieferung am nächsten Tag verfügbar. Über die einfache Touch-Bedienung sind Produktoptionen, Designs oder Farbvarianten abrufbar. Brokelmann: „Nur wenn der Kunde sich in der gewünschten Kategorie richtig satt suchen kann, wird er das Gefühl haben, einen guten Marktüberblick zu erhalten.

Kunden gehen in Läden mit Sortimentskompetenz


In der Zukunft werden Kunden nur in jene Läden gehen, die die absolute Sortimentskompetenz haben. Damit gehören auf die physische Präsenz eingeschränkte Sortimente der Vergangenheit an. Wer am Kiosk nichts findet, dem kann auch zu Hause das Internet nicht helfen.“ Seine Strategie lässt sich übrigens in dem Buch „Der vernetzte Laden“ (Eigenverlag, 250 Seiten, 24,95 Euro) nachlesen.
Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hat Brokelmann als „leuchtendes Beispiel für engagiertes Unternehmertum“ bezeichnet – auch deshalb, weil der Baiersdorfer einen schweren Schicksalsschlag professionell wegstecken konnte. So war im Juli 2007 über dem Betriebsgelände ein Unwetter mit Starkregen niedergegangen, 70 bis 80 Liter pro Quadratmeter. Die benachbarte A 73 wurde ein reißender Strom, das Wasser überflutete das Baiersdorfer Gewerbegebiet. Bei der Brodos AG versanken 15.000 Geräte im Schlamm, es entstand ein Schaden von 4,5 Millionen Euro. Die Versicherung zahlte nur 600.000 Euro, da angesichts der geringen Windstärke das Unwetter nicht als Sturm gewertet wurde. Brokelmann: „Wir standen vor dem Nichts.“ Zinsbegünstigte Darlehen, vom Freistaat unbürokratisch zur Verfügung gestellt, halfen – mussten jedoch zurückbezahlt werden. Brodos überstand die schwere Zeit – und steht heute blendender da als vor dem Tag, als der Regen kam.
(Udo B. Greiner)

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