Wirtschaft

Viele EU-Bürger arbeiten in Deutschland – doch nicht alle finden langfristig Perspektiven. (Foto: dpa/Florian Gaertner)

04.03.2026

Diskriminiert in Deutschland: Was EU-Bürger hier erleben

Im aktuellen Streit um Integrationskurse geht es auch um Millionen Menschen aus anderen EU-Staaten. Sie kommen zum Arbeiten – und landen hier oft in einer Sackgasse

Viele Menschen aus anderen EU-Staaten suchen in Deutschland eine Arbeits- und Lebensperspektive. Doch oft landen sie einer neuen Studie zufolge hier in einer Sackgasse. Erstmals seit 15 Jahren war der Wegzug aus Deutschland zuletzt größer als der Zuzug. Was steckt dahinter? Aufschluss gibt eine neue, großangelegte Untersuchung im Auftrag der Bundesregierung. Neuen Zündstoff liefert sie auch im aktuellen Streit um Kürzungspläne bei den Integrationskursen - ein Überblick:

Wie viele Ausländer aus anderen EU-Staaten leben in Deutschland? Zuletzt waren es etwa 5,1 Millionen Menschen (Stand Ende 2023) – das entspricht rund 37 Prozent aller Ausländerinnen und Ausländer in Deutschland. Während bis 2017 vor allem Menschen aus Südeuropa die größte Gruppe stellten, dominieren seit 2018 Zuwanderer aus Südosteuropa. Die größte einzelne Gruppe bilden Rumänen mit etwa 910.000 Personen, gefolgt von Polen mit rund 888.000. Danach kommen Italiener, Bulgaren und Kroaten.

Herausforderungen im Alltag und Beruf

Wie ist der aktuelle Trend? Über viele Jahre hinweg ist die Zahl der EU-Bürgerinnen und -Bürger in Deutschland insgesamt gewachsen. Dieser Trend hat sich jedoch umgekehrt: Seit 2024 gibt es erstmals wieder mehr Abwanderung als Zuwanderung. Der negative Saldo liegt bei etwa 34.000 Personen. Zudem denkt laut Studie etwa ein Drittel der Befragten darüber nach, Deutschland zu verlassen.

Was sind Gründe, Deutschland wieder zu verlassen? Die wichtigsten Gründe für die Abwanderung sind hohe Wohn- und Lebenshaltungskosten sowie ein mangelndes Zugehörigkeitsgefühl. Auch Diskriminierungserfahrungen und Arbeitslosigkeit spielen eine Rolle. Die Studie basiert unter anderem auf Befragungen über soziale Netzwerke, da klassische repräsentative Daten schwer zu erheben waren.

In welchen Bereichen stecken Menschen aus der EU oft fest? Von den rund 2,7 Millionen erwerbstätigen EU-Bürgern arbeiten viele in niedrig qualifizierten und schlecht bezahlten Jobs, etwa in der Reinigung oder im Transport. Besonders betroffen sind Menschen aus ost- und südosteuropäischen Ländern. Ohne ausreichende Deutschkenntnisse und Weiterbildung bleiben viele langfristig in diesen sogenannten Helfertätigkeiten.

Fühlen sich die Menschen in Deutschland willkommen? Viele berichten von Diskriminierungserfahrungen, die ihren Integrationsprozess prägen. Besonders betroffen sind Menschen aus Rumänien und Bulgarien sowie Sinti und Roma. Diskriminierung zeigt sich laut Studie in Behörden, bei der Wohnungssuche und im Alltag.

Perspektiven und politische Debatte

Mit welchen Zielen kommen die Menschen nach Deutschland? Rund 26 Prozent kommen wegen ihres Partners oder ihrer Partnerin nach Deutschland, 24 Prozent mit einem konkreten Jobangebot. Weitere Gründe sind Ausbildung oder Studium (17 Prozent), finanzielle Motive (14 Prozent) sowie die EU-Freizügigkeit (13 Prozent). Etwa 10 Prozent reisen ein, um Arbeit zu suchen. Bei Menschen aus Südosteuropa stehen finanzielle Gründe stärker im Vordergrund.

Wie steht es mit der Arbeitslosigkeit und den Perspektiven? Die Zahl der arbeitslosen EU-Bürger in Deutschland ist von 117.000 im Jahr 2011 auf 219.000 im Jahr 2023 gestiegen. Besonders betroffen sind Menschen aus südosteuropäischen Ländern. Gute Deutschkenntnisse gelten als entscheidend für beruflichen Aufstieg und gesellschaftliche Teilhabe.

Was hat die Studie mit Alexander Dobrindt zu tun? Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung kritisiert geplante Einschränkungen bei Integrations- und Sprachkursen, die auf Initiative des CSU-Innenministers zurückgehen sollen. Sie hält den Zulassungsstopp für freiwillige Teilnehmende für falsch, da Sprachkenntnisse entscheidend für Integration und bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt sind. Rund 37.000 EU-Bürger wären von den Kürzungen betroffen. (dpa)

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