Wirtschaft

In den Integrationskursen wird Deutsch gelernt. (Foto: dpa/Sven Hoppe)

23.02.2026

Integrationskurse eingeschränkt: Das schadet der örtlichen Wirtschaft

Bundesinnenminister Dobrindt fordert, nur mehr Menschen mit bereits gesicherter Bleibeperspektive sollen Integrationskurse auf staatliche Kosten besuchen können. Doch das schadet laut Verbänden und Experten der Wirtschaft vor Ort

Für die Wirtschaft sind Migranten ein wichtiges Personalreservoir. Doch damit sie am Arbeitsleben teilnehmen können, müssen sie Deutsch können.

Da kommt der Vorstoß von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) zur Unzeit. Er hat den kostenfreien Zugang zu Integrationskursen, in denen es vorrangig um das Erlernen der deutschen Sprache geht, stark reduziert. Bundesweit sind nach Angaben des Bundesinnenministeriums im Jahr 2026 rund 130.000 Menschen betroffen. Nur noch Menschen mit bereits gesicherter Bleibeperspektive sollen die Kurse auf staatliche Kosten besuchen können.

Der Bayerische Handwerkstag (BHT) und der Bayerische Industrie- und Handelskammertag (BIHK) plädieren für praxisnahe Lösungen. Ein generelles Ende der Kursfinanzierung für viele Flüchtlingsgruppen verschlechtere deren Aussichten am Arbeitsmarkt und führe zu längeren Transferbezügen der Betroffenen. Insbesondere der Stopp der Integrationskurse für Ukrainer und für EU-Ausländer mit Aufenthaltsrecht in Deutschland stößt bei der Wirtschaft auf Unverständnis.

Zentraler Baustein für Beschäftigung

Sprachkompetenz sei ein zentraler Baustein für Beschäftigung und eigenständige Existenzsicherung, betonen die Wirtschaftsorganisationen. Verzögerte Sprachförderung führe erfahrungsgemäß zu längeren Leistungsbezügen und erschwere die Integration in Arbeit. Damit Unternehmen die Qualifikationen Geflüchteter – auch aus der Ukraine – gezielt nutzen können, müsse der Zugang zu Sprachangeboten gesichert bleiben. Nach BIHK-Einschätzung wären in Bayern jährlich über 20.000 Personen vom Ende der Integrationskurse betroffen.

„Sprache ist der Schlüssel zu Arbeit, Bildung und gesellschaftlicher Teilhabe. Wer Menschen den Zugang zu Integrationskursen verwehrt, nimmt ihnen faire Chancen, belastet das Bildungssystem, schadet der örtlichen Wirtschaft – und verschiebt die Folgen auf die Kommunen“, sagt Nürnbergs Sozialrefentin Elisabeth Ries. Die Bereitschaft vieler Menschen, schnellstmöglich Deutsch zu lernen und sich dem Arbeitsmarkt zur Verfügung zu stellen, werde damit erheblich ausgebremst.

Asylverfahren beschleunigen

Stattdessen sollte die Politik laut BHT und BIHK die strukturellen Voraussetzungen schaffen, Asylverfahren zu beschleunigen und Aufenthalte von Flüchtlingen ohne dauerhafte Bleibeperspektive in Deutschland zu vermeiden. Beide Wirtschaftsorganisationen unterstreichen in diesem Zusammenhang die Möglichkeiten des Fachkräfteeinwanderungsgesetzes, das Zuwanderern aus Nicht-EU-Staaten den legalen Aufenthalt in Deutschland für eine Berufsausbildung oder eine qualifizierte Tätigkeit seit Inkrafttreten deutlich erleichtert hat.

Die Wirtschaftsorganisationen begrüßen den aktuellen Vorstoß des Bundesinnenministeriums, Asylbewerbern eine schnellere Arbeitsaufnahme zu ermöglichen. 
(rs)

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