Der Kaiser ist im bayerisch-tirolerischen Inntal eine feste Größe. Das Gebirgsmassiv, das genau genommen aus dem Zahmen Kaiser im Norden und dem Wilden Kaiser dahinter besteht, ist Namenspatron für allerhand Einrichtungen vom Hotel über den Skilift bis zur Radltour. So war es auch naheliegend, dass das Kaiserreich einen entsprechenden Namen bekam. Dafür spricht auch die Lage des architektonisch recht auffälligen Gewerbegebiets direkt an der Autobahn kurz vor der Grenze nach Kufstein.
Bereits vor mehr als 15 Jahren begannen die Planungen zu diesem Projekt, das verkehrstechnisch ausgesprochen günstig direkt an der Autobahnausfahrt nach Kiefersfelden und neben der relativ neuen Autobahnraststätte liegt. Die Tiroler Unterberger Gruppe, ein Familienunternehmen, das auch in Bayern mit zahlreichen Autohäusern vertreten ist, wollte hier auf rund 40.000 Quadratmeter Fläche, einem ehemals landwirtschaftlichen Areal, ein Handelszentrum schaffen. Dabei sollte damals auch die Kufsteiner Skimarke Kneissl eine wichtige Rolle spielen, an der Unterberger damals beteiligt war. Bald wechselte Kneissl den Besitzer und verschwand dann ganz von der Bildfläche.
Behördliche Bedenken
Auch bei der Unterberger Gruppe wechselte man die Strategie, da es vermehrt behördliche Bedenken gegen das Handelszentrum gab, man Nachteile für benachbarte Gemeinden fürchtete. So wurde ab 2019 aus dem Handelszentrum ein Genuss- und Kompetenzpark, der Gastronomie, Entertainment, Handel und Gewerbe miteinander verbinden sollte.
„Wir starteten zuerst mit dem Hotel, dann kam die McDonalds Filiale und die Tankstelle,“ erinnert sich Florian Unterberger. Eine feste Größe scheint auch der fünfeckige Bau des Best Western Hotels direkt neben dem Genusszentrum. Dort werden nicht nur Zimmer an Reisende vermietet. Im Hotel ist auch die Bundespolizei, die für die Kontrollen an der nahen Autobahngrenze zuständig ist, ein fester Mieter. Damit dürfte das Best Western Hotel die wahrscheinlich sicherste Unterkunft weit und breit sein.
Eine Konkurrenz zur Raststätte sollte es dabei nicht werden, so Unterberger. Dennoch beschert die A 93 dem Kaiserreich vor allem in den Sommermonaten einen deutlichen Zulauf. Dass das Kaiserreich auch eine Zufahrt von der Autobahn bekam, erforderte lange Diskussionen mit der zuständigen bayerischen Autobahndirektion. Die ersten Jahre waren dann auch nicht einfach. Vor allem die Corona-Krise machte es schwierig, Geschäftspartner zu finden. Andere mussten wieder abspringen, weil die Rahmenbedingungen nicht ausreichend waren. 2023 erfolgte schließlich der Spatenstich für das zentral gelegene Genusszentrum, das 2024 eröffnet wurde.
Heute ist man mit dem Konzept und mit der Mischung zufrieden. „Wir brauchen eine gute Gastronomie, die auch für eine Aufenthaltsqualität sorgt und damit die Attraktivität des Standorts stützt,“ sagt Unterberger. Dabei will man vor allem auch Besucher aus der Region gewinnen. Vor allem im Bereich Handel hat sich das Kaiserreich gut entwickelt. Die Nachfrage sei sehr gut, die Erdgeschossflächen alle vergeben. Man würde gerne mehr Fläche dafür genehmigt bekommen. Doch das gestaltet sich schwierig, weil auch Nachbargemeinden ein Mitspracherecht haben.
Abwechslungsreiches Angebot
Mittlerweile hat sich ein recht abwechslungsreiches Angebot etabliert von der Apotheke über Fitnessstudio, Feinkostanbietern und Modeoutlet bis zum Zahnarzt und Tattoo- und Piercingstudio. Demnächst soll auch noch eine Boulderhalle dazu kommen. Leer steht noch die geplante Gastronomie. Außerdem stehen noch etwa 9000 Quadratmeter Grundstücksfläche zur Disposition. „Da wäre auch ein Verkauf von Flächen denkbar,“ so Florian Unterberger.
Verstärkung für das Kaiserreich kam auch aus Südtirol. Nebenan baute und eröffnete die Oberalp Firmengruppe aus Bozen die Deutschlandzentrale der Sportmarke Dynafit. 2024 wurde der kantige und recht futuristisch wirkende Bau, der den Beinamen „Speed-Factory“ trägt, in Betrieb genommen. Eine Kombination aus Verwaltung und Sporterlebniswelt, die für das Kaiserreich ein recht wirksamer Eyecatcher ist. „Unsere Athletenmarke Dynafit näher an die Berge heranbringen, der Marke eine architektonische Form zu geben und unseren Kunden aus dem Norden Europas auf dem Weg in die Berge einen Anlass für eine Rast zu geben, dafür haben wir uns in Kiefersfelden mit einem architektonischen Landmark und einer Investition von 30 Millionen Euro aufgestellt“, sagt Christoph Engl, der CEO der Oberalp-Gruppe.
Befürworter gefunden
Deshalb habe man den ehemaligen Standort Aschheim im Umfeld von München zugunsten des neuen Standorts verlassen. „Mit der Gemeindeverwaltung fanden wir zudem sehr schnell einen Befürworter für unsere Idee“, unterstreicht Engl, „kein Nutzgebäude zu bauen, sondern mit einem internationalen Architekturwettbewerb die beste Gebäudeidee für Dynafit zu finden“. Das Gebäude gewann vor einigen Monaten zwei bedeutende Architekturpreise in New York und Paris.
Zufrieden scheint man auch im Kiefersfeldener Rathaus. Vor wenigen Wochen präsentierte der Bürgermeister Hajo Gruber dem Gemeinderat ein Neubauprojekt am Kaiserreich. Demnach soll ein metallverarbeitendes Unternehmen aus der Tiroler Nachbarschaft im kleinen Dorf Rettenschöss am Kaiserreich eine Produktionshalle auf einer Fläche von knapp 1900 Quadratmetern und einer Höhe von 18 Metern errichten. Dafür wurden die Genehmigungsverfahren relativ schnell durchgezogen. Zufahrtswege sollen angepasst werden. Und die Untere Naturschutzbehörde ersetzt geplante Grünflächen durch Strauchpflanzungen.
(Georg Weindl)
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