Wirtschaft

Lindaus Oberbürgermeister Gerhard Ecker hat ein umfangreiches Programm zum Abarbeiten aufgestauter Projekte in Gang gebracht. Seit seinem Amtsantritt vor sechs Jahren sind viele Vorhaben, die sich nur im Entwurfs- oder Planungsstatus befanden, umgesetzt worden. Einige sind kurz vor der Fertigstellung. (Foto: Schweinfurth)

24.11.2017

Eine Agenda zum Wohl von Bürgern und Wirtschaft

Lindaus Oberbürgermeister Gerhard Ecker (SPD) kämpft unermüdlich für besser Standortbedingungen seiner Stadt

Lindau mit seiner berühmten Hafeneinfahrt präsentiert sich seit mehreren Monaten eher als Dauerbaustelle denn als Touristenziel. Grund: Der jahrzehntelange Projektstau wird abgearbeitet. Dabei geht es um eine Eisenbahnunterführung, die endlich die schöne Stadt am Bodensee vom Dauerstau befreien soll, um die Sanierung der Inselhalle, in der immer die Nobelpreisträger tagen, um ein neues Parkdeck mit integrierter neuer Feuerwache direkt neben dieser Halle und um diverse Flächenarrondierungen für Wohnen und Dienstleistung.

„Schuld“ an dieser emsigen Betriebsamkeit ist Lindaus Oberbürgermeister Gerhard Ecker (SPD). Als er vor sechs Jahren zum Stadtoberhaupt gewählt wurde, versprach er, sämtliche Maßnahmen, die seine Vorgänger nie angepackt hatten, endlich umzusetzen. Dementsprechend hat er vieles auf den Weg gebracht. Als „Auswärtiger“ – Ecker stammt aus Augsburg – konnte er leichter die verkrusteten Strukturen aufbrechen.

Stadtverwaltung schafft Platz für neue Entwicklung


Damit steigt die Attraktivität der kleinen Stadt nicht nur für die Einwohner, sondern auch für die Wirtschaft. Denn durch diverse Firmenverlagerungen aus dem innerstädtischen Bereich ins Gewerbegebiet an der Autobahn schafft die Stadtverwaltung Platz für neue Entwicklung. So kann sich zum Beispiel das 20 Jahre alte Einkaufzentrum „Lindaupark“, das auch von den benachbarten Österreichern und Schweizern gerne zum Shoppen genutzt wird, erweitern.

„Eines unserer großen Projekte wird die Landesgartenschau ,Natur in Lindau 2021’ sein“, sagt Ecker der Staatszeitung. Auf einem bisherigen Parkplatzgelände westlich des sogenannten Inselbahnhofs wird diese stattfinden. Wenn die Blütenpracht beendet ist, sollen dort Erholungsflächen, Wohngebäude und Büros entstehen.

Es mangelt an bezahlbarem Wohnraum


„Es fehlt in Lindau bezahlbarer Wohnraum für Menschen mit niedrigen Einkommen, weil jahrzehntelang kaum Wohnraum geschaffen wurde“, erklärt Ecker. Trotz Zuzugsdrucks habe unter anderem die „Bunte Liste“ im Stadtrat immer erfolgreich sämtliche Bauprojekte verhindert. Diese aus Alt-68ern bestehende Gruppierung habe es Ecker zufolge nie realisiert, dass sie mit dieser Haltung auch jegliche Entwicklung der Stadt blockiert hat. 2012 und 2013 konnte die Stadt verstärkt Grundstücke erwerben, sodass seit 2014 die städtische Wohnbaugesellschaft GWG im Schnitt 50 und ab kommendem Jahr 100 neue Wohnungen pro Jahr errichtet. „Vergleicht man dieses Bauvolumen mit der Landeshauptstadt, wären das jährlich 5000 neue Wohnungen für München“, verdeutlicht Ecker die rege Wohnbautätigkeit.

Ebenso schwierig wie das Thema Wohnen gestaltete sich das Thema Deutsche Bahn in Lindau über Jahrzehnte. Dank des langsam von Ecker geschaffenen gegenseitigen Vertrauens zwischen Bahn und Stadt sind jetzt 15 Projekte mit einem Gesamtinvestitionsvolumen von 120 Millionen Euro auf den Weg gebracht worden. Dazu gehört die eingangs beschriebene Bahnunterführung, die den Verkehr zu und von der Insel staufrei fließen lässt. Ein zweiter Bahnübergang werde 2019 umgebaut und ebenfalls in eine Unterführung verwandelt – allerdings nur für Fußgänger, Radfahrer und bei Notfällen als zweiter Zufahrtsweg für Rettungskräfte auf die Insel.

Ebenfalls zur Zufriedenheit aller wurde die Frage gelöst, ob der Inselbahnhof weiter bestehen soll oder nicht. „Mit der Bahn sind wir übereingekommen, dass künftig alle Regionalzüge bis auf die Insel fahren, damit man bequem in die dort startenden Bodenseeschiffe umsteigen kann. Der Fernverkehr wird allerdings nur auf dem Festland stoppen“, so OB Ecker. Mit diesem Kompromiss könne sowohl die Bahn ihren Anspruch, eine schnelle Verbindung München-Zürich realisieren, als auch die Stadt ihr Petitum, die Touristen optimal auf die Insel bringen. Schließlich ist Lindau ein sehr attraktives Reiseziel und bildet mit dem nur wenige Kilometer entfernten Bregenz einen besonderen Mikrokosmos. „Lindau und Bregenz sollen nach dem Willen des Freistaats auch das erste staatenübergreifende Oberzentrum werden“, erläutert der OB. Damit werde die Attraktivität zusätzlich erhöht.

Kongressstandort Lindau wird gestärkt


Gestärkt wird auch die Funktion Lindaus als Kongressstandort. Durch die bis April 2018 abgeschlossene Sanierung und Erweiterung der Inselhalle können nicht nur Nobelpreisträger und Psychotherapeuten optimal tagen. Die rund 50 Millionen Euro umfassende Maßnahme inklusive neuem Parkhaus sorgt dafür, dass Kongressgäste sich in einem modernen Ambiente vor pittoresker Kulisse (Alpen und Bodensee) wohlfühlen werden.

Zum Relaxen von den anstrengenden Vorträgen fehlt dann eigentlich nur noch eine Wellness-Badelandschaft. Die versucht Ecker gerade mit einem privaten Investor gegen einigen Widerstand aus der Bevölkerung zu realisieren. Allerdings haben sich rund zwei Drittel der Lindauer in einem Bürgerentscheid und auch rund zwei Drittel des Stadtrats für das Thermenprojekt ausgesprochen. „Der Unternehmer hat gezeigt, dass er Bäder, die ja als defizitär gelten, wirtschaftlich betreiben kann. Denn in Basel und Tuttlingen laufen seine Thermen bestens“, erläutert Ecker. Mit dem jetzt vorliegenden Konzept könne das in die Jahre gekommene Spaßbad Limare geschlossen und eine moderne Thermenlandschaft geschaffen werden. Dabei würde ein Hallen- und Freibad für die Bevölkerung herausspringen, das weiterhin mit geringen Eintrittspreisen punkten kann. „Es wird für die Lindauer nicht teurer, ins Bad zum Schwimmen zu gehen“, versichert der OB. Wer jedoch ausgiebig in der neuen Thermenlandschaft planschen und relaxen will, müsse tiefer in die Tasche greifen. Durch die dort zu erwirtschaftenden Überschüsse werde der Bäderbereich für die Bevölkerung unter Beisteuerung eines kommunalen Betrags quersubventioniert.

All das sorgt dafür, dass sich auch Unternehmen in Lindau wohlfühlen. So sind zum Beispiel die Engie Refrigeration GmbH, eine Tocher der Engie Deutschland GmbH aus Köln (ehemals Cofely Deutschland GmbH), die Lindauer Dornier GmbH, die Liebherr-Elektronik GmbH und der Autozulieferer Continental vertreten. Der Kältespezialist projektiert, fertigt, betreibt und betreut Kälteanlagen, Rückkühlwerke und Systemlösungen. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Lindau erwirtschaftete 2016 mit 285 Mitarbeitern rund 80 Millionen Euro. Es gehört zum international tätigen Energieversorgungskonzern Engie aus Paris.

Systeme für assistiertes und automatisiertes Fahren


Die Continental – ADC Automotive Distance Control Systems GmbH, die zur Continental AG aus Hannover gehört, entwickelt und produziert in Lindau Sensoren, Steuergeräte sowie dazugehörige Fahrfunktionen für das assistierte und automatisierte Fahren.

Bei der Liebherr-Elektronik GmbH in Lindau entwickeln und fertigen derzeit mehr als 600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kundenspezifische Hardware- und Softwarelösungen. Rund ein Viertel der Belegschaft ist im Bereich Forschung und Entwicklung tätig. Die hochwertigen Elektronik-Baugruppen und Komponenten aus Lindau kommen in zahlreichen Maschinen der Liebherr-Firmengruppe zum Einsatz. Auch externe Kunden verlassen sich auf die durchdachten, langlebigen Lösungen und die robuste Bauweise.

Die Lindauer Dornier GmbH war einst Teil des Dornier-Konzerns, ist heute aber ein eigenständiges Unternehmen. Es stellt Webmaschinen, Textilausrüstungsmaschinen, Folienreckanlagen und Trockner her.

Die Saint-Gobain Performance Plastics MG Silikon GmbH produziert in Lindau Dichtungen für Elektrogeräte und Haushaltstechnik sowie Komposite-Teile für die Luftfahrt.

Da die Unternehmen in Lindau sehr stark technikgetrieben sind, ist der Bedarf an Ingenieuren sehr hoch. Laut OB Ecker wurde darum ein Boardinghaus gebaut, damit die neuen Ingenieure erst einmal ein Dach über dem Kopf haben. Danach können sie sich in Ruhe eine Bleibe in der Region suchen. Wegen der hohen Nachfrage der Firmen nach neuen Mitarbeitern werde jetzt sogar ein zweites Boardinghaus errichtet. „Eigentlich bräuchten wir noch eine technische Hochschule, um Nachwuchs für die Unternehmen ausbilden zu können“, so der OB.

Doch dieser Aufgabe kann er sich in seiner zweiten Amtszeit stellen. Denn im Januar 2018 ist Kommunalwahl in Lindau.
(Ralph Schweinfurth)

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Kommentare (2)

  1. Düdele am 26.11.2017
    Da könnte sich so Manche(r) in der "großen" Politik ein Beispiel nehmen: Halten, was man/frau versprochen hat! Weiter so!
  2. Michael am 02.12.2017
    Gerhard Ecker liegt positive Politik im Interesse der Bürger im Blut. Weiterhin viel Engagement und Erfolg ist ihm zu wünschen.

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