Wirtschaft

Problemlos kam der Framo von Sachsen nach Franken. Demnächst will ein bayerisches Unternehmen den Framo einsetzen. Welches es ist, wollte Framo-Geschäftsführer Andy Illgen noch nicht verraten. Doch die Staatszeitung bleibt dran und wird berichten. (Foto: Schweinfurth)

07.04.2017

Es geht auch ohne blaue Plakette

Veranstaltung der nordbayerischen Industrie- und Handelskammern zeigte, was mit E-Mobilität bereits möglich ist und wie sie Innenstädte von Feinstaub befreit

So langsam scheint es mit der Elektromobilität hierzulande voranzugehen. So bietet zum Beispiel die Framo GmbH aus dem sächsischen Langenbernsdorf (Landkreis Zwickau) einen Lkw, der vollkommen elektrisch fährt. Die Reichweite des Lasters soll bis zu 270 Kilometer betragen. Vorgestellt wurde der „Framo“ bei der Veranstaltung „eNutzfahrzeuge mit elektrischen Nebenantrieben für Unternehmen & Kommunen“ des „IHK-Innovations- & AnwenderClubs eMobilität“ in Nürnberg.

Der Framo kann zwischen 12 und 26 Tonnen Nutzlast transportieren und hat aufgrund seines E-Antriebs rund 65 Prozent geringere Betriebskosten als ein vergleichbarer Lkw mit Dieselantrieb. Er emittiert keinen Feinstaub und ist nahezu geräuschlos unterwegs. Das Antriebsaggregat für den Framo liefert die in Nürnberg beheimatete Baumüller Anlagen-Systemtechnik GmbH & Co. KG, bei der die IHK-Veranstaltung (IHK Nürnberg für Mittelfranken, IHK für Oberfranken Bayreuth, IHK zu Coburg, IHK Regensburg Oberpfalz/Kehlheim, und IHK Würzburg-Schweinfurt Mainfranken) stattfand.

E-Mobilität am Flughafen


Norbert Scholz von der Baumüller-Geschäftsführung illustrierte, in welchen Bereichen Elektroantriebe in Fahrzeugen bereits Realität sind. So gibt es von Kässbohrer eine Pistenraupe, im August dieses Jahres soll ein Radlader kommen und für Flughäfen sind ebenfalls Anwendungen in der Umsetzung. So sollen die Flugzeugschleppfahrzeuge und die Ladebühnenfahrzeuge, die auf dem Vorfeld unterwegs sind, künftig alle elektrisch angetrieben sein. Baumüller mit seiner langjährigen Kompetenz in Sachen Elektromotoren für Industrieanlagen, könne sein Know-how leicht für den Fahrzeugsektor einsetzen. „Wir verkaufen Technologie in Drittländer, statt ins eigene Land“, bedauerte Scholz die Zurückhaltung der deutschen Autoindustrie in Sachen E-Mobilität. So lieferte Baumüller zum Beispiel für Busse in Brasilien 20 Elektromotoren mit einer Leistung von jeweils 80 Kilowatt. Auch nach China und Indien gehen laut Scholz entsprechende Komponenten.

„Das ist Fahrspaß wie im Porsche“, meinte der Baumüller-Geschäftsführer, als er über einen 34 Kilowatt-Elektromotor für Kleintransporter und dessen Beschleunigungswerte referierte. Er sieht eine breite Anwendungspalette für E-Mobilität: von Kehrmaschinen und Müllfahrzeugen in den Kommunen bis zur individuellen Mobilität.

Eine Fahrzeug, das schon seit Jahren elektrisch unterwegs ist, ist der Gabelstapler. „Weltweit wurden in den letzten Jahren rund 660.000 Stapler produziert. Und wir liefern für rund 110.000 davon die Umrichter“, sagte Produktmanager Lutz Görgens von der Semikron Elektronik GmbH & Co. KG aus Nürnberg. Er plädierte für 48-Volt für alle E-Fahrzeuge, weil dann keinerlei Gefahr für die Anwender ausgehe. „Das ist eine ungefährliche Spannung und als Unternehmer muss man keine Angst haben, dass der Mitarbeiter beim Reparieren irgendwo an eine Hochspannung fasst“, so Görgens. Er sieht aus der Stapler-Erfahrung, dass E-Antriebe sehr langlebig sind. Denn so ein Stapler habe im Durchschnitt 20.000 Betriebsstunden, ein E-Auto lediglich 8000. Fahrantriebe, Hydraulik, Landmaschinen mit Anbaugeräten, Klimaanlagen für Busse, Start-Stop-Automatiken und vieles mehr seien mit den Semikron-Umrichtern leicht zu realisieren.

Um umweltfreundlichen öffentlichen Personennahverkehr zu gewährleisten, hat die niederländische Stadt Eindhoven im letzten Jahr ihr Busssystem komplett auf E-Busse umgestellt. 43 Stück davon sind täglich im Einsatz und gewährleisten zuverlässig den Linienbetrieb. „Das ist das bisher größte E-Busprojekt in Europa“, sagte Koen van Haperen, Manager Business Development bei Heliox. Das Unternehmen, das eine Technologieausgründung von Phillips ist, hat die komplette Stromversorgung für das Eindhovener E-Busprojekt geliefert. Die Busse werden in der Nacht geladen und holen sich via Stromabnehmer an jeder Endhaltestelle wieder eine Nachladung ab. Denn nur dort stehen die Busse für einige Minuten, sodass eine Nachladung Sinn macht.

Hohe Strommengen nötig


„Die Herausforderung bei so einem Projekt ist es, die hohen Strommengen bereitzustellen, die man für das nächtliche Laden der Busflotte benötigt“, so van Haperen. Sein Unternehmen hat auch Linien im niederländischen Limburg, in Köln, Helsinki, Kopenhagen und in Luxemburg auf E-Busse umgestellt. „Batterien auf das Dach der Busse zu packen, finden wir nicht so smart, weil dann die wegen des Gewichts der Batterien weniger Fahrgäste mitfahren können“, erläuterte van Haperen die von Heliox favorisierte Technologie. Trolleybusssysteme mit Stromleitungen wie bei Straßenbahnen zu realisieren, sei wesentlich teurer und damit für die meisten Kommunen unattraktiver.

„Unsere Autos sind leise, komfortabel und sportlich“, sagte Sandra Kraus von der Geschäftsführung der Auto-Kraus GmbH & Co. KG aus Fürth. Der Renault-Händler aus der Kleeblattstadt könne darum bei den verkauften E-Autos 95 Prozent Kundenzufriedenheit verzeichnen. Neben dem Twizzy, der eigentlich ein Quad ist, würden vor allem der ZOE verkauft. „Der ist jetzt noch besser, da er bis zu 400 Kilometer Reichweite hat“, so Kraus. Sie kündigte an, dass auch alle Händler sich freuen können, denn gegen Ende des Jahres wird Renault seinen Master mit E-Antrieb auf den Markt bringen. Der Transporter mit einer Reichweite von 200 Kilometern sei dann ideal für den innstädtischen Lieferverkehr.

5000 Euro geschenkt


„Renault ist derzeit der einzige Hersteller, der praxistaugliche E-Fahrzeuge anbietet“, betonte Kraus. Das zeige sich zum Beispiel daran, dass die italienische Stadt Florenz 53 Twizzys und 17 Kangoos rein elektrisch im Einsatz hat. Auch die Feuerwehr in Wuppertal hat einen Twizzy als Erkundungsfahrzeug und die Polizei in Bonn habe zwei davon. Der Tiergarten Nürnberg hat einen Twizzy mit einer Mülltonne hinten dran und nutzt ihn als Reinigungsfahrzeug im Zoo. „Und weil Renault bei der Elektromobilität so weit ist, hat jetzt Mercedes den Antriebsstrang des ZOE gekauft, um selbst auch E-Fahrzeuge anbieten zu können“, so Kraus. Sie betonte zum Abschluss noch, dass die Reichweite eines E-Autos genauso vom individuellen Fahrstil und den Außentemperaturen abhängt wie bei Benzin- oder Dieselfahrzeugen auch. Insgesamt 5000 Euro bekomme man „geschenkt“, wenn man einen E-Renault kauft: 2000 Euro vom Staat, 2000 Euro vom Hersteller und noch einmal 1000 Euro von Renault. Und mit der Batteriemiete von Renault sei man immer auf der sicheren Seite. Denn sie gewährleiste, dass man nicht irgendwann den teuren Batterietausch auf einmal berappen muss. Außerdem sei ein kostenloser Abschleppservice inkludiert, falls man einmal versäumt hat, genügend Strom zu laden und liegenbleibt
Insgesamt zeigte die Veranstaltung der nordbayerischen Industrie- und Handelskammern, dass Kommunen keine blaue Plakette brauchen, um die Feinstaubproblematik in den Griff zu kriegen. Die E-Mobilität bietet unzählige Möglichkeiten, auch für den kommunalen Fuhrpark, um emissionsfrei in den Städten unterwegs sein zu können.
(Ralph Schweinfurth)

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