Das Geschäftsjahr 2025 des bayerischen Maschinen- und Anlagenbaus war von zwei gegensätzlichen Entwicklungen geprägt, so Christian Lau, Vorstandsvorsitzender VDMA Bayern. Einerseits verzeichnete die Branche ein solides Umsatzwachstum, andererseits verschlechterten sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen im Jahresverlauf zunehmend. Der gestiegene Umsatz spiegelt dabei laut Lau vielfach noch die Abarbeitung bestehender Auftragsbestände wider.
Die Branche steigerte ihren Umsatz 2025 auf 70 Milliarden Euro und verzeichnete damit nominal ein Plus von rund 7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Davon wurden 46,7 Milliarden Euro (+ 11,2 Prozent) im Ausland erwirtschaftet, das entspricht 67,1 Prozent des Gesamtumsatzes. Damit bleibt der Maschinen- und Anlagenbau, so Lau, eine der internationalsten Branchen Bayerns.
Auch der Blick auf das laufende Jahr macht den VDMA-Vorstandsvorsitzenden vorsichtig optimistisch: Von Januar bis Mai 2026 stieg der Auftragseingang um 3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Treiber war vor allem das Auslandsgeschäft, das um 7 Prozent zulegte. Besonders stark entwickelten sich die Nicht-Euro-Länder mit einem Plus von 15 Prozent, während die Bestellungen aus den Euro-Ländern um 11 Prozent unter dem Vorjahreswert lagen. Sorgenkind ist auch das Inlandsgeschäft, denn dieses blieb mit einem Minus von 8 Prozent ebenfalls hinter den Erwartungen zurück.
Die Europäische Union bleibt der wichtigste Absatzmarkt für den bayerischen Maschinen- und Anlagenbau, betonte Lau. Während sich die Exporte in die EU-27 2025 bei 17,1 Milliarden Euro stabilisierten, gingen die Ausfuhren in die beiden wichtigsten Einzelmärkte USA und China zurück. Die Exporte in die USA sanken um 7,3 Prozent auf 5,5 Milliarden Euro, die Ausfuhren nach China um 12,1 Prozent auf knapp 3,3 Milliarden Euro. Trotz der rückläufigen Exportzahlen bleibt die Einschätzung des chinesischen Marktes der befragten Unternehmen der Branche überwiegend stabil.
„Die internationale Lage bleibt herausfordernd. Umso wichtiger sind offene Märkte, verlässliche Handelsbeziehungen und neue Freihandelsabkommen. Sie stärken die Resilienz unserer Unternehmen und eröffnen zusätzliche Wachstumschancen“, betonte Lau.
Mangel an Aufträgen
Trotz einiger positiver Impulse ist die Situation vieler Unternehmen weiterhin schwierig. Das aktuelle Geschäftsklima wird von den bayerischen Unternehmen überwiegend verhalten bewertet. Nur 22 Prozent der Befragten stufen ihre Situation als gut oder sehr gut ein. Die Mehrheit von 53 Prozent bewertet die Geschäftslage als befriedigend. Rund ein Viertel berichtet von einer schlechten oder sehr schlechten Geschäftslage.
Zugleich bleibt der Ausblick für die kommenden Monate gedämpft, so der VDMA-Vorsitzende. 74 Prozent der Unternehmen rechnen mit einer unveränderten Geschäftslage. Nur 15 Prozent erwarten eine Verbesserung, während rund jedes zehnte Unternehmen von einer weiteren Verschlechterung ausgeht.
Besonders deutlich wird die angespannte Situation laut Lau beim Blick auf die Produktionshindernisse: Knapp 60 Prozent der Betriebe berichten aktuell von einem Mangel an Aufträgen. Die Kapazitätsauslastung der Maschinen liegt im Schnitt bei weniger als 80 Prozent und damit auf dem niedrigsten Wert seit den Pandemiejahren 2020 und 2021. Auch die Beschäftigung entwickelte sich 2025 rückläufig: Mit rund 222 000 Mitarbeitenden bleibt der Maschinen- und Anlagenbau zwar größter industrieller Arbeitgeber Bayerns, die Zahl der Beschäftigten sank jedoch leicht (– 2,5 Prozent) gegenüber dem Vorjahr.
Vor diesem Hintergrund fordert der VDMA Bayern entschlossenes Handeln von Politik und Verwaltung. „Die jüngsten Beschlüsse des Koalitionsausschusses setzen mit dem geplanten Abbau von Berichtspflichten, der Ausweitung der sachgrundlosen Befristung und der Abschaffung der telefonischen Krankschreibung einzelne richtige Impulse. Jetzt kommt es darauf an, diese Maßnahmen schnell umzusetzen“, sagte Lau.
Gleichzeitig kritisierte der VDMA-Chef, dass entscheidende Reformen jedoch weiterhin ausbleiben. „Die Flexibilisierung des Arbeitszeitrechts wurde erneut vertagt, obwohl unsere Unternehmen dringend zeitgemäße Regelungen benötigen. Gleichzeitig belasten dauerhaft hohe Sozialversicherungsbeiträge den industriellen Mittelstand erheblich. Wer Investitionen und Beschäftigung in Deutschland sichern will, muss hier konsequent nachsteuern und den Unternehmen wieder mehr Freiräume verschaffen.“
Die Beschlüsse der Koalition würden zeigen, so Lau, dass es nicht an Problembewusstsein fehlt – vielmehr müssten die angekündigten Reformen nun konsequent umgesetzt und „an entscheidenden Stellen mutig“ ergänzt werden.
Große Chancen für mehr Wachstum sieht der Verband in der industriellen Nutzung von Künstlicher Intelligenz. „Der Einsatz von Industrial AI wird entscheidend dafür sein, wie erfolgreich unsere Industrie künftig im globalen Wettbewerb bestehen kann. Bayern verfügt über das Know-how, die Innovationskraft und die industrielle Basis, um hier eine führende Rolle einzunehmen“, sagte Lau.
Der VDMA Bayern blickt insgesamt mit Zuversicht nach vorne. Denn trotz der aktuellen Unsicherheiten gebe es gute Gründe für Zuversicht, betonte Lau. Entscheidend werde nun sein, dass Politik und Verwaltung die richtigen Voraussetzungen schaffen. „Reformen müssen nicht nur angekündigt, sondern konsequent, schnell und praxisnah umgesetzt werden. Denn: Innovation allein reicht nicht – sie braucht verlässliche und wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen.“ (Friedrich H. Hettler)
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