Wirtschaft

VBEW-Vorsitzender Klaus Steiner und Bayerns Energieminister Hubert Aiwanger diskutieren die Energiewende. (Foto: VBEW)

10.07.2026

Europa soll den Notstand ausrufen

Energie- und Wassertagung in Regensburg zeigt die Fallstricke der Energiewende und fordert vom Bund Planungssicherheit

sein. Bei den Bayerischen Energie- und Wassertagen in Regensburg, bei denen die Staatszeitung Medienpartner war, fordert Klaus Steiner, Vorsitzender des Verbands der Bayerischen Energie- und Wasserwirtschaft (VBEW), Verlässlichkeit von der Politik und Bayerns Wirtschafts- und Energieminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) bittet um Verständnis, dass die bayerische Politik wegen der Unklarheiten auf Bundesebene derzeit „nur auf Sicht fahren kann“. Angesichts der Herausforderungen Photovoltaik- und Windenergieausbau, Netzausbau, Stromspeicherbau sowie Stromversorgung von neu zu errichtenden Rechenzentren eine ziemlich schwierige Ausgangslage.

Zumindest beim Thema Resilienz, sprich dem Schutz der kritischen Infrastruktur vor Anschlägen, herrschte Einigkeit. Energieminister Aiwanger und VBEW-Vorsitzender Steiner bekräftigen, dass sowohl Energieversorger als auch Sicherheitsbehörden und die Rettungsdienste viel mehr kooperieren und vor allem üben müssen als bisher.

Biogas wird vom Bund zu wenig ernst genommen

Besonders wurmt es Aiwanger, dass auf Bundesebene das Biogas viel zu wenig ernst genommen wird. „Pro Jahr überweisen wir aus Deutschland 80 Milliarden Euro für fossile Energieträger, also für Öl und Gas, ins Ausland“, moniert der Energieminister. Das seien 1000 Euro pro Einwohner. Es sei absurd, dass Biogas nicht genutzt werde. „Hier könnte man den heimischen Kreislauf stützen und das Geld bleibt im Land“, so Aiwanger. Das wäre viel sinnvoller, als das „Geld in komische Staaten“ zu transferieren.

Ähnlich sehe es bei der Holzenergie aus. „Ein Drittel Bayerns ist mit Wald bedeckt und ein Ster Holz, also etwa ein Kubikmeter gestapeltes Holz, ersetzt 200 Kubikmeter Erdgas“, verdeutlicht der Energieminister. Doch im Bundeswirtschaftsministerium setze man immer noch auf die Kaskadennutzung von Holz. „Ja soll man erst den dürren Fichtenwipfel in ein Stuhlbein verarbeiten, bevor man ihn verheizen darf“, fragt Aiwanger kopfschüttelnd. Immerhin würden auch die anderen Bundesländer ein Umdenken in Berlin fordern, um heimisches Holz als Energieholz nutzen zu können, erkärt Aiwanger am Rand der Tagung der Staatszeitung. Man müsse sehr aufpassen, da immer noch zu viele grün geprägte Menschen im Bundeswirtschaftsministerium arbeiteten. „Deshalb gibt es immer wieder Referentenentwürfe, die man schnell einfangen muss“, so Aiwanger.

Die Wasserkraft hat es in Berlin schwer

Mit der Nutzung der Wasserkraft zum Beispiel könne man in Berlin „geistig nicht viel anfangen“. Denn dort gebe es kein Gefälle. Dabei würden gerade die vielen kleinen Wasserkraftanlagen im Fall eines großflächigen Stromausfalls helfen können, lokal eine Notversorgung aufrechtzuerhalten. „Ich bin selber Fischer und kenn die Bedenken der Fischerei. Aber wenn bei Sommerhitze nur noch 40 Zentimeter Wasser im Bach ist, überlebt die Forelle zumindest im Mühlenschuss“, sagt der Minister. Dort gebe es wenigstens 1,5 Meter Wassertiefe. Und dass der Fisch von dort aus nicht in die Mühlräder gelangt, dafür gebe es bauliche Maßnahmen.

Aiwanger betont, dass Bayern 75 Prozent des Stroms, den es verbraucht, inzwischen selbst in Form von Ökostrom erzeugt. „Aber das ist nur ein Fünftel des Energiekuchens.“ Den Rest würden Mineralöl und Gas für Wärme, Mobilität und Industrie ausmachen.

Damit Photovoltaik- und Windkraftanlagen nicht abgeregelt werden müssen, um das Stromnetz vor Überlastung zu schützen, plädiert Aiwanger für Speicher. Dabei hat er nicht nur Batteriespeicher im Sinn, sondern Pumpspeicherkraftwerke. Bei Riedl würde jetzt endlich gebaut werden können. „Aber es gibt noch 16 bis 18 weitere mögliche Standorte für Pumpspeicherkraftwerke. Dafür muss man Akzeptanz schaffen“, so der bayerische Energieminister.

Weil Energie in Europa so teuer ist, hat die EU-Kommission die Mitgliedstaaten aufgerufen, die Energiesteuern zu senken. Doch das sei abgelehnt worden, sagt Bereichsleiter Jan Van Elst vom Rat der Europäischen Union. Er plädiert dafür, dass die EU den Klima-, Energie- und Wettbewerbsnotstand ausruft. „Denn die EU leistet ihr Bestes, wenn sie mit dem Rücken zur Wand steht“, so Van Elst. Das habe man bei der Energiekriese 2022 gesehen, als Russland seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine gestartet hat. Plötzlich konnte Europa ganz schnell Flüssiggasterminals realisieren. „Aber damit ist man von einer Abhängigkeit in die andere geraten.“

Wettbewerbsfähigkeit sichern

Nur über den Notstand könne Europa die aktuell widersprüchlichen Prioritäten zwischen Green Deal und internationaler Wettbewerbsfähigkeit überwinden, meint Van Elst. Hoffentlich hat er damit recht.

Denn ansonsten könnte Klaus Steiners Untergangsszenario wahr werden. Der VBEW-Vorsitzende richtet zum Tagungsauftakt mahnende Worte vor allem an die Politik. Wenn es nicht gelingt, die Energie- und Wasserversorgung langfristig abzusichern, könnte die europäische Kultur wie einst die der Maya im heutigen Mexiko untergehen. Ökologische Übernutzung, ausbleibender Regen, erschöpfte Böden, soziale Spannungen, eine überforderte Elite und am Ende versiegende Wasserquellen hätten die einstige Hochkultur dahingerafft.

Das will Steiner zumindest für Bayern und Deutschland verhindern. Er setzt auf Versorgungssicherheit, Bezahlbarkeit, Umweltverträglichkeit und Akzeptanz. Damit sollte die Energie- und Wasserversorgung gesichert sein. Hierfür weiß er Energieminister Aiwanger an seiner Seite. Dieser glaubt an das „Land der Dichter und Denker“, auch wenn er den Eindruck habe, dass vor allem die „Undichten und Verrückten“ immer mehr werden.
(Ralph Schweinfurth)

Hier kann man die Rede von VBEW-Vorsitzendem Klaus Steiner nachlesen.
 

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