Die bayerischen Sparkassen blicken auch 2025 auf ein Wachstumsjahr zurück, in dem ihre Bilanzsumme von gut 260 Milliarden Euro auf knapp 268 Milliarden Euro ausgeweitet werden konnte und ihre Erträge sich weiter stabilisierten. Damit, so Matthias Dießl, Präsident des Sparkassenverbands Bayern, können sie ihre Rolle als Finanzierungspartner Nr. 1 in den bayerischen Regionen weiterhin zuverlässig ausfüllen.
Das Kreditvolumen der bayerischen Sparkassen wuchs 2025 nach verhaltener Entwicklung in den beiden Vorjahren wieder deutlich an und erreichte 175,1 Milliarden Euro (2024: 171,8 Milliarden Euro). Mit einer Wachstumsrate von 1,9 Prozent im Bestand knüpft der Kreditbestand gut an das hohe Niveau der Vorjahre an.
Das Kreditneugeschäft erholte sich 2025 weiter, so Dießl: Nach einem Einbruch um knapp ein Drittel in 2023 und nur leichtem Anstieg in 2024 (+ 7,3 Prozent) konnten 2025 um 21,6 Prozent mehr Neukredite zugesagt werden. Die Darlehenszusagen an Unternehmen und Selbständige, die über die Hälfte der Neukredite ausmachen nahmen dabei um 17 Prozent zu (2024: + 0,2 Prozent), sie betrugen 16,4 Milliarden Euro. Im Neugeschäft mit privaten Kunden konnte ein Zuwachs von 26,2 Prozent erzielt werden (2024: + 20,7 Prozent; 2023: – 41,6 Prozent). Mehr als 90 Prozent daraus kommen aus dem wieder angelaufenen Geschäft mit Wohnungsbaudarlehen.
Das Immobiliengeschäft der bayerischen Sparkassen hat in 2025 insgesamt die Trendwende von 2024 fortgesetzt. Im abgelaufenen Geschäftsjahr wurden insgesamt 27,2 Prozent mehr Wohnungsbaufinanzierungen abgeschlossen als 2024. Der größte Teil davon floss allerdings erneut nicht in den Neubau, sondern in den Erwerb und die Sanierung von Immobilien.
Das Einlagevolumen bei den bayerischen Sparkassen wuchs 2025 um 6,2 Milliarden Euro (+ 3,0 Prozent) auf 209,6 Milliarden Euro. Vor allem die Sichteinlagen nahmen mit einer Steigerung um 8,4 Milli-arden Euro deutlich zu (+ 6 Prozent; 2024: + 1,9 Prozent). Spareinlagen hingegen wurden laut Dießl auch 2025 wieder reduziert (– 1,6 Milliarden Euro), allerdings nicht mehr im selben Ausmaß wie in den Vorjahren.
Das Wachstum des Wertpapiergeschäfts setzte sich 2025 auch fort. Der Umsatz nahm nochmals deutlich zu (+ 18,9 Prozent auf 43,5 Milliarden Euro). Gehandelt wurden vornehmlich Aktien, Options-scheine und Investmentfonds (Nettoabsatz insgesamt + 40,7 Prozent).
Steigende Zinserträge
Insgesamt konnten die Kunden der bayerischen Sparkassen im Geschäftsjahr 2025 trotz hoher Lebenshaltungskosten wieder 9,5 Milliarden Euro an neuem Geldvermögen bilden, davon 7,4 Milliarden bei privaten Kunden. Der Einlagenüberhang der bayerischen Sparkassen stieg auf 34,5 Milliarden Euro. Damit konnten die Sparkassen auch im vierten Jahr nach der Zinswende wieder steigende Zinserträge erzielen.
Erfreut zeigte sich Dießl auch darüber, dass sich der Zinsüberschuss nach einem Jahrzehnt der Null- bis Negativzinsen auf einem auskömmlichen Niveau (+ 2,5 Prozent) stabilisierte. Das deutliche Wachstum im Provisionsüberschuss von 5,5 Prozent wurde schon durch die Zunahme des Verwaltungsaufwands überkompensiert. Die Cost-Income-Ratio stieg leicht auf 54,7 Prozent (2024: 53,0 Prozent). Im laufenden Jahr 2026 erwarten die bayerischen Sparkassen ein stabiles operatives Geschäft, so Dießl. Vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Entwick-lung, insbesondere des Anstiegs der Firmeninsolvenzen in Deutschland (höchster Wert seit 20 Jahren), dürften allerdings steigende Risikovorsorgen erforderlich werden.
Zu Beginn der Vorstellung der Geschäftsentwicklung und der Ertragslage 2025 erklärte der Präsident des Sparkassenverbands Bayern, dass er die europäische Souveränität als Generalziel sieht, nach dem sich derzeit auch die Kreditwirtschaft ausrichtet: „Wir leben in einer Zeit geopolitischer Umbrüche. Die Stärkung der europäischen Souveränität ist für uns das Gebot der Stunde. In diesem unruhigen Umfeld sind die Sparkassen ein Fels in der Brandung. Wir leisten täglich überall im Freistaat vor Ort Grundlagenarbeit als Finanzdienstleister, damit das Fundament unseres Landes in Europa trotz globaler Stürme stabil bleibt. Und wir schaffen Infrastruktur im digitalen Zahlungsverkehr, leisten unseren Beitrag für den gemeinsamen Weg zur europäischen Souveränität.“
In einer zunehmend vernetzten Welt sei die durchgehende Digitalisierung und Datenmobilität zur Notwendigkeit, gleichzeitig aber auch zur Schwachstelle geworden, erklärte Dießl. Europa sei bei Betriebssystemen, Cloud-Infrastruktur und KI-Modellen massiv von nicht-europäischen Anbietern abhängig. Der Digitale Euro stehe für 2029 auf der Tagesordnung, der europäische Zahlungsverkehr sei aber bereits heute von nicht-europäischen Big Tech-Anbietern dominiert. Der Sparkassenpräsident fordert daher: „Entscheidend für die europäische Souveränität ist jetzt Tempo. Europa darf nicht länger abwarten.“
In diesem Zusammenhang brachen Dießl und Vizepräsident Stefan Proßer eine Lanze für den Bezahldienst Wero. Wero sei als kontobasierte, datensichere und schnelle Alternative für europäische Bankkunden entwickelt worden, ist bereits seit 2024 im Einsatz und werde schrittweise erweitert. Er stärke die digitale Souverä-nität und halte die Kontrolle sowie Wertschöpfung in Europa. Das System zeichne sich durch höchste Sicherheit, DSGVO-Konformität und eine faire Preisstruktur aus, betonten beide Sparkassenmanager.
Mittlerweile würden in Deutschland 6,7 Millionen Menschen diesen Bezahldienst nutzen. In ganz Europa gebe es 51,6 Millionen registrierte Wero-Nutzer. Stefan Proßer bekräftigte: „Die Zahl der Nutzer entwickelt sich schnell. Mit der Möglichkeit zum Einsatz bei immer mehr Händlern dürfte die Bewegung jetzt rasch weiter an Fahrt aufnehmen. Denn wir haben mit Wero eine echte europäische Alternative – sicher, transparent und zu fairen Konditionen.“
Der erste rein europäische Bezahldienst Wero ist laut Dießl eine offene Initiative und bringt den europäischen Kerngedanken „Einheit in Vielfalt“ ins Payment: Zuletzt hätten sich Payment-Services aus Italien, Spanien, Portugal und Länder Skandinaviens angeschlossen, perspektivisch können so über 70 Prozent der Europäer auf Wero zurückgreifen. „Wero ist die richtige Antwort auf außereuropäische Zahlungsdienste und ‚schon da‘. Wichtig ist jetzt“, so der Sparkassenpräsident, „dass viele Banken, der Handel und die Europäer einsteigen – wann, wenn nicht jetzt wäre der richtige Zeitpunkt?“
Mit Blick auf die beabsichtigte Einführung des Digitalen Euro 2029 erklärte Dießl, „der Aufbau einer parallelen Zahlungsinfrastruktur erübrige sich daher“, da die europäische Alternative in Form des Wero ja bereits Realität ist. (Friedrich H. Hettler)
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