Wirtschaft

In Bayern fehlen derzeit 130 Fahrlehrer. (Foto: dpa/Swen Pförtner)

23.08.2019

Fahrlehrer dringend gesucht

Wer einen Führerschein erwerben will, könnte bald vor Problemen stehen

Ein eigenes Auto wollen zwar immer weniger Menschen. Den Führerschein erwerben aber immer noch genug. Was allerdings immer schwieriger wird – denn dem Freistaat gehen langsam die Fahrlehrer aus. Nach Angaben von Moving, der Interessenvereinigung europäischer Verkehrsverlage und Unternehmungen, fehlen bayernweit 130 Fahrlehrer.

Ein Problem, das auch dem von Hubert Aiwanger (FW) geführten bayerischen Wirtschaftsministerium bekannt ist: „Die Tatsache, dass es zu wenig Fahrlehrer gibt, wird sich in den nächsten Jahren noch stärker zeigen, wenn nicht gegengesteuert wird. Viele Fahrlehrer sind über 55 Jahre alt“, so eine Ministeriumssprecherin.

Um diesen Beruf zu ergreifen, müssen aber diverse Hürden überwunden werden. „Man braucht eine abgeschlossene Berufsausbildung, bevor man Fahrlehrer werden kann“, erklärt Wolfgang Brüske, Fahrlehrer in Nürnberg. Das Problem, klagt Brüske, sei „hausgemacht“. Längst hätten die entsprechenden Verbände für den Beruf des Fahrlehrers werben und sich dafür einsetzen müssen, dass er zum Ausbildungsberuf wird.

Man muss 21 sein

Klar: Wer bereits einen Job und ein gesichertes Einkommen hat, will nicht 8000 bis 15.000 Euro aufwenden, um die Ausbildung zum Fahrlehrer zu absolvieren. Eine weitere Hürde: Um Fahrlehrer werden zu können, muss man 21 Jahre alt sein. „Da haben viele potenzielle Aspiranten schon die Familienplanung im Kopf“, glaubt Brüske. Bis man als Fahrlehrer das erste Geld verdient, vergeht ungefähr ein Jahr – so lange dauert die Ausbildung.

Laut Wirtschaftsministerium wissen viele Jugendliche allerdings nicht, dass die Fahrlehrerausbildung staatlich gefördert werden kann. Dies müsse bekannter werden, so die Ministeriumssprecherin.
Möglich ist etwa, über die Agentur für Arbeit eine Umschulung zum Fahrlehrer zu beantragen, wenn man arbeitslos ist und im bisherigen Beruf keine Beschäftigungsmöglichkeit besteht. Daneben gibt es das sogenannte Aufstiegs-BAföG für den theoretischen Teil der Fahrlehrerausbildung. Beantragen kann man es bei den Landratsämtern. Manche Fahrschulen übernehmen sogar die Kosten für die Fahrlehrerausbildung. Das Wirtschaftsministerium plädiert außerdem dafür, dass arbeitslose Fahrlehrer – ja, die gibt es tatsächlich – alle Möglichkeiten nutzen, sich weiter zu qualifizieren, um wieder in ihrem Beruf arbeiten zu können.

Möglicherweise liegt das maue Interesse an dem Job ja auch an der mittelmäßigen Bezahlung und den nicht für alle Menschen attraktiven Arbeitszeiten: Der Bruttoverdienst beträgt zwischen 2500 und 3000 Euro im Monat – und oftmals müssen die Lehrer in den Abendstunden arbeiten. Was die Interessenvereinigung der Betroffenen, der Landesverband Bayerischer Fahrlehrer (LBF), zu der Misere sagt, bleibt übrigens im Dunkeln. LBF-Chef Jürgen Kopp ließ mehrere Anfragen der Staatszeitung unbeantwortet.
(Ralph Schweinfurth)

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