Wirtschaft

Das Hochhaus Uptown am Georg-Brauchle-Ring, welches die Zentrale der Telefonica Deutschland beheimatet. Bei O2 könnten in Deutschland mehr als 1.000 Arbeitsplätze wegfallen. (Foto: dpa/Heike Feiner)

13.07.2026

Jobabbau bei O2: Gewerkschaft wirft Firma Planlosigkeit vor

Der Mobilfunker O2 steht unter Druck, die Geschäftszahlen trüben sich ein. Nun setzt das Management den Rotstift an, etwa jede sechste Stelle soll wegfallen. Gewerkschafter sind empört

Der geplante Jobabbau beim Telekommunikationsanbieter O2 Telefónica stößt bei der Gewerkschaft Verdi auf scharfe Kritik. „Wir fürchten, dass es um ein reines Sparprogramm geht, das vom spanischen Mutterkonzern angeordnet ist – ohne dass es einen genauen Plan gibt, wie sich das Unternehmen in Deutschland positiv weiterentwickeln kann“, sagte Verdi-Gewerkschaftssekretär Christoph Heil der Deutschen Presse-Agentur in München.

Informierten Kreisen zufolge möchte die Firma mehr als 1.000 ihrer zuletzt 6.820 Jobs in Deutschland streichen. Damit würde etwa jede sechste Stelle wegfallen. Die Deutschlandtochter des spanischen Telekommunikationskonzerns Telefónica teilte nur mit, sie prüfe „verschiedene Maßnahmen“, um langfristig die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.

Verdi sieht kein Zukunftskonzept

Gewerkschafter Heil ist Mitglied des Aufsichtsrats von Telefónica Deutschland. „Noch immer liegt kein Zielbild des künftigen Unternehmens vor“, moniert er. Es seien auch keine Ziele kommuniziert worden, wie sich die einzelnen Sparten weiterentwickeln sollten. „Es soll alles auf den Kopf gestellt werden – aber was genau das für die Beschäftigten heißt, ist völlig unklar.“ Das schüre Unsicherheit in der Belegschaft. Der Jobabbau solle größtenteils noch in diesem Jahr erfolgen. „Das ist ein Wahnsinnstempo.“

O2 Telefónica hatte vor einiger Zeit seinen größten Kunden verloren: Jahrelang hatte Wettbewerber 1&1 das O2-Netz mitgenutzt und dafür Geld gezahlt. Doch 2024 wechselte 1&1 überraschend zu Vodafone, bis Ende 2025 wurden rund zwölf Millionen Handykunden vom O2-Netz auf das Vodafone-Netz umgebucht. Dadurch sackten die O2-Einnahmen und das operative Ergebnis ab.

Schwieriger Mobilfunkmarkt

Deutschlands Mobilfunkmarkt gilt als gesättigt. Die Menschen haben genug Handys und deutliche Preissteigerungen bei Tarifen sind kaum durchsetzbar. Den Mobilfunkanbietern fällt es immer schwerer, sich von den Konkurrenten zu unterscheiden. Denn ein gutes Netz ist für viele Kunden inzwischen kein Grund zur Freude, sondern selbstverständlich geworden. Der Ausbau samt Netzverbesserung kostete Milliarden, jetzt gestaltet sich die Monetarisierung der Investitionen als schwierig.

Laut Bundesnetzagentur erreichte O2 Telefónica im Dezember 88,6 Prozent der Fläche Deutschlands mit seinem 4G-Netz und 76,2 Prozent der Fläche mit 5G. Der Abstand zur Telekom hat sich damit deutlich verringert. Die Telekom kommt auf 92,5 Prozent Flächenabdeckung bei 4G und 87,9 Prozent bei 5G, Vodafone auf 91,7 Prozent bei 4G und 75,7 Prozent bei 5G. (dpa)

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