Es hat schon Hopfenrundfahrten durch die Hallertau gegeben, bei denen die Stimmung deutlich gelöster war als in diesem Jahr: Die Veranstaltung, mit der traditionell die Erntesaison im größten Hopfenanbaugebiet der Welt eröffnet wird, stand heuer ganz unter dem Eindruck von drei handfesten Problemen, die die Hopfenwirtschaft unter Druck setzen – es sind der Wassermangel im diesjährigen Dürre-Sommer, der den Ertrag der Hopfenernte stark einbrechen lässt, der weiter sinkende Bierabsatz und ein seit Jahren übersättigter Markt, auf dem die Preise für das „grüne Gold“ teilweise in den Keller gerauscht sind.
Über 150 Teilnehmer zählte heuer die vom Verband Deutscher Hopfenpflanzer ausgerichtete Rundfahrt – Hopfenbauern, Vertreter des Handels, der Brauwirtschaft, von Ministerien und Fachbehörden sowie Landes- und Kommunalpolitiker, voran die Schirmherrin der Veranstaltung, Bayerns Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) sowie Wirtschaftsminister und stellvertretender Ministerpräsident Hubert Aiwanger (Freie Wähler). Vom Pressegespräch am Deutschen Hopfenmuseum in Wolnzach, das jeweils Ausgangs- und Endpunkt ist, führte die Fahrt zu dem hochmodernen, in vierter Generation geführten Hopfenbaubetrieb Gerhard Kreitmair in Notzenhausen bei Rudelzhausen (Landkreis Freising) und zum Hopfenforschungszentrum Hüll (Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm).
Hitzetage führen zu Ernteausfällen von rund einem Fünftel
In der von einer gemeinnützigen Gesellschaft und dem Freistaat Bayern gemeinsam getragenen Forschungsanstalt wird derzeit intensiv daran gearbeitet, die heimischen Hopfensorten resistent zu machen gegen Hitze- und Trockenperioden. Diese Perioden, je nach Anbaugebiet 45 bis 47 Hitzetage in diesem Jahr, führen zu Ernteausfällen von wohl rund einem Fünftel, prognostiziert sind 22 Prozent, wie Adolf Schapfl erläuterte, der Präsident des Hopfenpflanzerverbands.
Schapfl, der vor Kurzem in der Nachfolge eines US-Amerikaners an die Spitze des Internationalen Hopfenbaubüros (IHGC) gewählt worden ist, nannte auch konkrete Zahlen: Gegenüber der – durchschnittlichen – deutschlandweiten Hopfenernte des Jahres 2025 mit 43.141 Tonnen rechne man für 2026 nur noch mit rund 33.800 Tonnen.
Ein Teil dieses Minus entfalle nach seinen Worten auf gezielte Flächenstilllegungen. Das Bild sei in allen deutschen Hopfenanbau-Gebieten, die in Wolnzach durch ihre Hopfenköniginnen vertreten waren, dasselbe, legten Präsident Schapfl und Verbands-Geschäftsführer Erich Lehmair dar: auch in den Anbaugebieten Tettnang (Oberschwaben), Elbe-Saale (Thüringen/Sachsen-Anhalt/Sachsen), Spalt (Mittelfranken) und Bitburg (Rhein-land-Pfalz). Von den üblicherweise zu erwartenden 300 Millionen Euro Gesamteinnahmen werden den deutschen Hopfenpflanzern in dieser Saison schätzungsweise 80 bis 100 Millionen Euro fehlen.
Nun lehrt die Lebenserfahrung, dass es schon ungewöhnlich wäre, würde bei einem Treffen, bei dem es um Agrarerzeugnisse geht, nicht über die schlechten Zeiten geklagt und über ebensolche Preise. Aber die Probleme, mit denen die Hopfenpflanzer zu kämpfen haben, weiten den Blick auf eine viel schwerwiegendere Entwicklung: Der Klimawandel gefährdet den naturgegebenen Reichtum Europas. Dessen Grundlage bilden seit Jahrtausenden die fruchtbaren Böden, das milde Klima, garantiert durch die ozeanische Wärmepumpe des Golfstroms, sowie die Westwinde, die diesen gesegneten Erdteil zuverlässig und ausreichend bewässern.
Die vielerorts zu beobachtenden dürren, abgestorbenen Spitzen der Hopfenpflanzen zeigen deutlich, wie Schapfl betonte, dass die Pflanzen ver-schiedener Sorten „das verbliebene Wasser einfach nicht mehr hochbringen“. Es gehe kein Weg daran vorbei – der Aufbau eines großflächigen Bewässerungssystem für die Hopfenkulturen sei „absolut alternativlos“. Dafür seien Investitionen in Höhe von vielen Millionen notwendig, die die Hopfenbetriebe nicht alleine stemmen könnten. Die Wasserversorgung werde zur Existenzfrage für die Betriebe.
Wasser ist die Überlebensfrage für den Hopfen
Das sehen auch die Landwirtschaftsministerin Kaniber und Wirtschaftsminister Aiwanger so, wie sie in Statements deutlich machten. „Wasser ist die Überlebensfrage für den Hopfen“, unterstrich Kaniber. Sie versicherte den Hopfenbauern die entschlossene Unterstützung durch den Freistaat: „Unser bayerischer Hopfen genießt weltweit einen hervorragenden Ruf“, sagte sie. „Dahinter stehen unsere Hopfenpflanzer, die mit viel Können, Leidenschaft und unternehmerischem Mut ein einzigartiges Qualitätsprodukt erzeugen. Diese Leistung verdient höchste Anerkennung.“
Die Ministerin hob besonders eine Initiative von 461 Betrieben hervor, die sich zum neuen „Bewässerungsverband Hallertau“ zusammengeschlossen haben. Bayern unterstütze dieses „gewaltige Gemeinschaftsprojekt“, mit dem eine zukunftsfähige Bewässerungs-Infrastruktur geschaffen werde, mit 9,5 Millionen Euro. Ein Pilotprojekt in Niederulrain (Stadt Neustadt an der Donau) stehe bereits unmittelbar vor Baubeginn, lobte Kaniber und stellte weitere Hilfen des Freistaats in Aussicht.
(Elmar Stöttner)
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