Wirtschaft

Wärmepumpen sind ein wesentlicher Teil der Chillventa. (Foto: NürnbergMesse, Thomas Geiger)

16.10.2026

Internationale Fachmesse in Nürnberg: Auch bei Wärmepumpen ist China im Kommen

Die Konkurrenz aus Fernost wächst

95 Prozent der Hauseigentümer, die zuletzt auf eine Wärmepumpe umgestellt haben, sind „mindestens zufrieden bis sehr zufrieden mit der Heiztechnologie“. Das hat dieser Tage eine unter anderem von der unabhängigen Energieberatungsorganisation co2online verantwortete Umfrage ergeben. Kein Wunder, wenn die Gänge auf der Chillventa 2026 in Nürnberg „sehr, sehr voll“ sind, wie die Messeleitung erfreut feststellt. 

Die offiziell „Weltleitmesse der Kältetechnik“ genannte Veranstaltung hat sich in den vergangenen fast zwei Jahrzehnten immer mehr auch zum Schaufenster für klimaschonende Wärmetechnologien entwickelt. Und speziell Wärmepumpen (WP) spielen hierbei inzwischen eine ganz wichtige Rolle.

In einer „WP-Lounge“ genannten Sonderpräsentation zeigt das AIT Austrian Institute of Technology „aktuelle Entwicklungen und Forschungsergebnisse aus diesem Bereich“. Die wird ergänzt um eine „Start-up Area“ und eine „Innovation Corner“. Sie merken schon, Internationalität ist hier uTrumpf. Denn die deutschen Anbieter sind mit 266 heuer in der Minderheit auf der Messe: 1160 Stände gibt es, Aussteller aus über 50 Ländern sind vertreten.

China greift nach Deutschland

Der Zuwachs derer aus Indien und China betrug gegenüber 2024 jeweils 38 Prozent, berichtet Messemitarbeiter Mario Bethke. Ein Zeichen, dass die Einschätzung von Kai Schiefelbein zutrifft. Der stellvertretende Vorstandschef des Bundesverbands Wärmepumpe (BWP) hatte letzte Woche in einem Interview drastische Worte verwendet: „China greift nach Deutschlands Wärmepumpenmarkt.“ Auf dem Messestand des Bundesverbands ist trotzdem zu hören: „Es läuft“, also auch bei den hiesigen Herstellern. 

Denn nicht nur wegen mehr China-Ständen hat „die Chillventa ein anderes Level als die Jahre zuvor“, wie Bertold Brackemeier erklärt, der Marketing-Leiter der Schau. Und nicht nur „WP werden immer wichtiger. Auch die Klimatisierung von Rechenzentren steht immer mehr im Blick“, stellt Brackemeier heraus.

Dieses Thema habe man in Nürnberg vor fast zwei Jahrzehnten erstmals auf der parallel zur Messe laufenden Tagung bearbeitet. „In den vergangenen zwei Jahren hat es sich verdoppelt“, berichtet Rainer Jakobs, der die Begleitveranstaltungen mit organisiert: „Rechenzentren sind inzwischen auch in der Politik an einer Topstelle angekommen.“ Wichtig ist übrigens auch die IT-Sicherheit von Klimatechnik: Der Cyberangriff auf die Anlagen eines französischen Einkaufszentrums hat da wohl die Augen endlich geöffnet. Von Anfang an und auch auf der 10. Chillventa weiterhin stark im Blick ist die Diskussion um möglichst klimaneutrale Kältemittel für Klimaanlagen jeder Form. Inzwischen gibt es sogar Firmen, die „Kühlung ohne Kältemittel“ anbieten – aber beileibe nicht alle. 

Kältemittel wiederverwenden

Deshalb beschäftigt sich auch die IEA, die Internationale Energieagentur, damit, die Kreislaufwirtschaft und sogar die Wiederverwendung von Kältemitteln voranzutreiben. Karl-Anders Weiß arbeitet beim Fraunhofer-Solarinstitut ISE in Freiburg. Er ist der deutsche Koordinator einer IEA-Gruppe, die das dafür passende Grundlagenpapier mit Namen „IEA HPT Annex 65“ erarbeitet. 

„Der Markt, der Materialbedarf, die Verantwortung bei den Rohstoffen wächst“, sagt Weiß und nennt Gründe, warum gerade bei der Kreislaufwirtschaft die internationale Zusammenarbeit wichtig sei: „Sonst regelt der Preis den Markt.“ Soll wohl heißen: Wenn das Material für WP teurer wird, geht’s mit den Verkaufszahlen wieder bergab. 

Das aber wäre fatal, wenn man den Worten von Sarah Maston folgt. Die Präsidentin des internationalen Branchenverbands Ashrae stellt nämlich klar: „Das Klimagas CO2 bis 2050 auf null bringen bedeutet: Das gilt auch für bestehende Gebäude.“ Und (nicht nur) dort ist nach überwiegender Meinung von Fachwelt und Politik die Wärmepumpe die optimale Ersatzlösung für Kohle-, Öl- oder Gasheizungen. (Heinz Wraneschitz)
 

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