Wirtschaft

Schon vor Putins Einmarsch in die Ukraine war Luftfracht eine knappe und daher teure Dienstleistung. (Foto: dpa/Boris Roessler)

28.02.2022

Krieg in der Ukraine macht Luftfracht noch teurer

Wegen der EU-Luftraumsperre verschwinden russische Anbieter vom Markt

Der russische Angriffskrieg in der Ukraine und die damit verbundenen Einschränkungen des Luftverkehrs haben unmittelbare Folgen auf die Lieferketten. In der Luftfracht fallen die aus dem EU-Luftraum verbannten russischen Gesellschaften aus, während die westlichen Airlines den Luftraum über dem größten Staat der Erde nicht mehr nutzen können. Flüge aus Mitteleuropa nach Japan, Korea und China verlängern sich teils um mehrere Stunden und können bis zu 20 Prozent weniger Fracht mitnehmen, wie die Lufthansa Cargo berichtet hat.

"Die Wege nach Asien werden länger, die Kerosinkosten steigen und die Kapazitäten sinken", sagt der Frankfurter Fracht-Experte Joachim von Winning - zumal die Zulademöglichkeiten in Passagierjets trotz abflauender Corona-Krise absehbar nicht so schnell ausgeweitet werden wie es zu Friedenszeiten zu erwarten gewesen wäre. Die direkte Folge ist klar: Die ohnehin schon sehr hohen Frachtraten werden auch angesichts der weiterhin bestehenden Probleme bei der Seefracht noch weiter steigen. Profitieren werden vor allem Gesellschaften, die Vollfrachter anbieten können.

An den wichtigsten deutschen Fracht-Drehkreuzen Frankfurt und Leipzig ist bereits einige Ladung liegen geblieben, die eigentlich von Frachtern der russischen Volga-Dnepr-Group geflogen werden sollte. In Frankfurt war deren Tochter AirBridgeCargo (ABC) bislang hinter Platzhirsch Lufthansa die Nummer zwei und hat dort im vergangenen Jahr 110 000 Tonnen Fracht zwischen Russland, Europa und den USA umgeschlagen. Die Gesellschaft war unter anderem auf den Transport von Pharmazeutika und weiterem Medizinbedarf spezialisiert. Unruhe herrscht seit dem Flugstopp beim unabhängigen Abfertiger Frankfurt Cargo Services, der seinen wichtigen Kunden vorerst verloren hat.

Am Flughafen Leipzig/Halle sind gleich drei Riesenfrachter vom Typ Antonov 124 der russischen Volga-Dnepr-Gruppe gestrandet. Für sie gelte wie für alle anderen russischen Maschinen nun das Flugverbot im Luftraum, sagte ein Sprecher der Mitteldeutschen Flughafen AG am Montag. Zwei weitere Maschinen gleichen Typs dürfen hingegen aus Leipzig abheben, weil sie der ukrainischen Antonov Airlines gehören. Sie seien im Rahmen des Salis-Abkommens für Nato-Mitgliedstaaten im Einsatz, erklärte der Sprecher.

Sicherheitskreise schätzten gegenüber der Deutschen Verkehrszeitung die Chancen der Volga-Dnepr-Group gering ein, die Flugverbote zu umgehen, indem Flugzeuge auf ihre britische oder die deutsche Tochtergesellschaft umgemeldet würden. Auch Luftfahrtexperte Gerald Wissel von der Beratungsgesellschaft Airborne ist überzeugt: "Die unterliegen klar den Sanktionen." Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hatte klargemacht, dass die EU-Luftraumsperre für alle Flugzeuge gilt, die Russen gehören, von ihnen kontrolliert werden oder die in Russland registriert sind.

Wer übernimmt also das Geschäft der Russen-Frachter? Die Lufthansa Cargo fliegt bereits seit Beginn der Corona-Pandemie an der Grenze ihrer Kapazitäten und wird für das Geschäftsjahr 2021 einen Rekordgewinn in Milliardenhöhe beim coronageschädigten Lufthansa-Konzern abliefern. Vor wenigen Jahren noch undenkbar, betreibt sie seit kurzem sogar zwei Mittelstreckenjets vom Typ A 321 als Frachtflugzeuge.

Luftfahrtexperte Wissel sieht große geschäftliche Chancen für die großen arabischen Gesellschaften wie Emirates und Qatar, die bislang wie die Chinesen weiterhin den russischen Luftraum nutzen. Wegen der geografischen Lage ihrer Drehkreuze müssen sie auch die Verbindungen nach Fernost nicht ändern, während die US-Gesellschaften stärker auf die Pazifik-Routen umsteigen dürften. Wissel warnt auch vor steigenden Kerosin-Preisen und weniger Geschäftsreisen angesichts der Invasion Putins. "Die Auswirkungen des Krieges auf den Luftverkehr sind gewaltig. Es wird sehr darauf ankommen, wie lange der Konflikt anhält."
(dpa)

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