Wirtschaft

Die Prognose ist düster: Führende Ökonomen erwarten mit schrumpfender Wirtschaftleistung auch herbe Einbußen vor allem für private Haushalte - und das nicht nur vorübergehend. (Foto: dpa/Sina Schuldt)

29.09.2022

Langfristige Wohlstandsverluste

Deutschland steuert in Rezession

Deutschland steuert nach Einschätzung führender Wirtschaftsforschungsinstitute direkt in eine Rezession - mit herben Wohlstandsverlusten über längere Zeit. "Die Hauptbelastung findet derzeit bei den privaten Haushalten statt, die einen massiven Kaufkraftverlust hinnehmen müssen. Und der wird sich im Laufe des nächsten Jahres noch verstärken", sagte Torsten Schmidt vom Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung am Donnerstag in Berlin bei der Vorlage des Herbstgutachtens führender Wirtschaftsforscher. Die meisten Unternehmen dagegen könnten die Energiepreisschocks noch recht gut verkraften.

Auch für das kommende Jahr zeichnen die Experten ein düsteres Bild: "Der Wohlstandsverlust durch den Abfluss von Einkommen durch die höheren Energiepreise wird auch längerfristig Bestand haben. Das ist kein vorübergehendes Phänomen, das wird uns länger beschäftigen", sagte Schmidt. Die Industrie dagegen zeige sich noch relativ robust, weil Auftragsbücher gut gefüllt seien.
Insgesamt sagen die Wirtschaftsforscher in ihrem Herbstgutachten eine Rezession für Deutschland voraus: Drei Quartale hintereinander werde die Wirtschaft schrumpfen, im zu Ende gehenden Sommerquartal, im Herbst und Anfang 2023. Für das Gesamtjahr 2022 rechnen die Experten wegen des besseren ersten Halbjahrs noch mit einem kleinen Wirtschaftswachstum von 1,4 Prozent, für 2023 sagen sie dann einen Rückgang der Wirtschaftsleistung um 0,4 Prozent voraus.

Damit bewerten die Forscher die wirtschaftliche Lage deutlich schlechter als noch im Frühjahr. Erst für 2024 erwarten sie eine nachlassende Spannung auf den Energiemärkten und damit auch eine wirtschaftliche Erholung.

Gaspreise sind entscheidend

Die Gaspreise seien der entscheidende Faktor, der die deutsche Wirtschaft in die Rezession treiben werde. Und die Spitze sei hier noch nicht erreicht, hieß es. Die höchsten Energiepreise für Verbraucher würden Mitte des kommenden Jahres erwartet. "Das heißt, dieser Schock, der derzeit die Wirtschaft getroffen hat, der wird noch sehr lange fortwirken", sagte Schmidt.

Mit einem Gasmangel rechnen die Institute dagegen derzeit nicht. "Im Mittel ist keine Gasknappheit in Deutschland zu erwarten im kommenden Winter", sagte Schmidt. Die Versorgungslage bleibe aber äußerst angespannt, was die Preise in die Höhe treibe.

Damit wird sich auch die Inflation der Prognose zufolge weiter verstärken. Für das aktuelle Jahr rechnen die Institute mit einer Teuerungsrate von durchschnittlich 8,4 Prozent, für 2023 mit 8,8 Prozent. Für 2024 gehen sie von sinkenden Energie- und Rohstoffpreisen und damit einer Inflation von 2,2 Prozent aus.

Staat kan Wohlstandsverlust nicht ausgleichen

Durch staatliche Hilfspakete kann der Wohlstandsverlust der Bevölkerung aus Sicht der Wissenschaftler nicht ausgeglichen werden. "Das kann man wirtschaftspolitisch begleiten, aber sicher nicht ausgleichen", sagte Schmidt. Wichtig sei mehr Angebot an Strom und Gas, etwa durch Flüssiggas und einen Weiterbetrieb der Atomkraftwerke "nicht nur jetzt über den Winter, sondern bis wirklich alternative Stromerzeugungskapazitäten in Deutschland geschaffen wurden".

Die Experten warnen zudem vor einer allzu expansiven Finanzpolitik, um die Inflation nicht zusätzlich anzuheizen. "Man kann diesem Kostenschock eben durch eine Nachfragestimulierung nicht adäquat entgegenwirken." Deshalb müsse man staatliche Unterstützungen gezielt ausrichten - nicht mit dem Ziel, die Nachfrage zu stimulieren, sondern so, dass die Bürger ihre Strom- und Gasrechnungen bezahlen könnten. "Darüber sollte man auch nicht hinausgehen."
(Theresa Münch, dpa)

Kommentare (0)

Es sind noch keine Kommentare vorhanden!
Die Frage der Woche

Sollen Minijobs abgeschafft werden?

Unser Pro und Contra jede Woche neu
Diskutieren Sie mit!

Die Frage der Woche – Archiv
X
Vergabeplattform
Vergabeplattform

Staatsanzeiger eServices
die Vergabeplattform für öffentliche
Ausschreibungen und Aufträge Ausschreiber Bewerber

Beilagen

> Das neue vbw Unternehmermagazin ist online

Bundesforschungsministerin Dorothea Bär will mit ihrer Hightech-Agenda Deutschland technologisch auf ein neues Level bringen. Im Gespräch mit dem vbw Unternehmermagazin spricht sie über die Herausforderungen.

> Das einblicke-Magazin der Bundesgesellschaft für Endlagerung ist online

Die Suche nach dem sichersten Ort für unseren Atommüll ist eine staatliche Jahrhundertaufgabe. Das einblicke-Magazin der Bundesgesellschaft für Endlagerung stellt vier Menschen vor, die diese Mission bei der Bundesgesellschaft für Endlagerung mit ihre

Jahresbeilage 2025

Nächster Erscheinungstermin:
28. November 2026

Weitere Infos unter Tel. 089 / 29 01 42 54 /56
oder
per Mail an anzeigen@bsz.de

Download der aktuellen Ausgabe vom 28.11.2025 (PDF, 16,5 MB)

E-Paper
Unser Bayern

Das kunst- und kulturhistorische Online-Magazin der Bayerischen Staatszeitung

Abo Anmeldung

Passwort vergessen?

Geben Sie Ihren Benutzernamen oder Ihre E-Mail ein um Ihr Passwort zurückzusetzen. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an: vertrieb(at)bsz.de

Zurück zum Anmeldeformular 

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.

Abo Anmeldung

Passwort vergessen?

Geben Sie Ihren Benutzernamen oder Ihre E-Mail ein um Ihr Passwort zurückzusetzen. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an: vertrieb(at)bsz.de

Zurück zum Anmeldeformular 

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.

Unser Bayern - Nachbestellen

Aktuelle Einzelausgaben des Online-Magazins „Unser Bayern” können im ePaper der BSZ über den App-Store bzw. Google Play gekauft werden.