Wirtschaft

Während des Eröffnungsrundgangs von Bundeskanzlerin Merkel (CDU) auf der IAA stehen Aktivisten von Greenpeace am Stand von Volkswagen mit Transparenten auf Autodächern. (Foto: dpa/Boris Roessler)

12.09.2019

Merkel will schnellen Ausbau der Infrastruktur für neue Mobilität

Inmitten von Konjunktursorgen und Kritik von Klimaschützern sucht die Auto-Industrie den Weg in die Mobilität der Zukunft

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich zur Eröffnung der Internationalen Automobilausstellung IAA für einen schnellen Ausbau der Infrastruktur ausgesprochen. Der Umbruch in der Mobilität sei eine "Herkulesaufgabe" für Staat und Industrie gleichermaßen, bei der eng zusammengearbeitet werden müsse, sagte sie am Donnerstag in Frankfurt. Die Verlässlichkeit der Ladeinfrastruktur sei für den Erfolg der Elektromobilität von größter Bedeutung. 20.000 Ladepunkte seien noch lange nicht ausreichend.

"Wir können das schaffen als Deutschland vorne mit dabei zu sein", sagte Merkel. Die Kanzlerin kündigte an, dass bis 2022 entlang aller Autobahnen der neue Mobilfunkstandard 5G zur Verfügung stehen werde, und zwei Jahre später auch entlang der Bundesstraßen. Die Technologie ist wichtig für neue digitale Funktionen in den Autos.

Bernhard Mattes, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie, wandte sich gegen eine Verschärfung der bereits geltenden Klimaziele. Zunächst müsse das erledigt werden, was vereinbart worden sei. Während die Industrie Technologien zur Verfügung stelle, halte die notwendige Infrastruktur für alternative Antriebe nicht mit. Mattes nannte den Ausbau der erneuerbaren Energien, die Lade-Infrastruktur und den Netzausbau als Beispiele.

Interessen ausgleichen


"Pseudoreligiöse Heilsgewissheiten" brächten die Diskussion um Mobilität nicht weiter, meinte Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU). Er betonte die Weiterentwicklung der IAA, die zu einem Ort geworden sei, an dem über verschiedene Mobilitätskonzepte gesprochen werden könne. Es komme auf den Ausgleich der Interessen an. "In der Fläche wird individuelle Mobilität ohne Auto nach meiner Auffassung eine Illusion bleiben."

Inmitten wachsender Konjunktursorgen bei Herstellern und Zulieferern steht die Internationale Automobilausstellung zunehmend in der Kritik. Klimaschützer werfen der Autoindustrie vor, den Wandel zu emissionsfreier Elektromobilität nicht entschlossen genug voranzutreiben und weiter auf klimaschädliche Stadtgeländewagen (SUVs) zu setzen. Am Ausstellungsstand von Volkswagen kletterten am Donnerstag zwei Aktivistinnen auf Autos und hielten Plakate mit der Aufschrift "Klimakiller" hoch. Während Merkel den BMW-Stand besuchte, wurde zudem ein herannahender Protestler vom Sicherheitsdienst abgefangen und abgeführt. Für das Wochenende sind große Demonstrationen angekündigt.

Zudem ist die Fortsetzung der IAA am Messestandort Frankfurt fraglich. Der veranstaltende VDA will mit seinen Mitgliedern an diesem Donnerstag über mögliche Alternativen oder auch eine Fortführung in Frankfurt in veränderter Form sprechen. Mit Ergebnissen sei noch nicht zu rechnen. Der VDA hat bereits versucht, dem Ereignis mit zusätzlichen Kongressformaten mehr inhaltliche Tiefe zu geben.

Großer Reinfall


Nach einem Messebesuch urteilte Ex-Opel-Chef Karl-Thomas Neumann: "Die IAA 2019 ist ein großer Reinfall. Sie ist ein trauriger Schatten ihrer selbst. Eine IAA 2021 wird es nicht geben." Die Messe zeige zu viele Autos und bilde nicht die gesamte Branche ab, begründete er seine Enttäuschung.

Im Vorfeld der Eröffnungsfeier hatte es Ärger um den Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) gegeben, der anders als in den Vorjahren nicht sprechen sollte. Feldmann habe nie auf der Rednerliste gestanden, erklärte ein Sprecher des VDA. Der Kommunalpolitiker sei daher auch nicht ausgeladen worden, schon gar nicht wegen möglicher kritischer Inhalte in seiner Rede.

Am Nachmittag wird Grünen-Chef Robert Habeck auf der IAA erwartet. Er soll dort an einer Diskussion mit Daimler-Chef Ola Källenius teilnehmen. Im Vorfeld hat Habeck ein grundlegendes Umsteuern in der Politik verlangt.

Es ist der erste von zwei Fachbesuchertagen, am Samstag kann dann auch das breite Publikum die Neuheiten auf der größten Automesse der Welt sehen.
(dpa)

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