Wirtschaft

Klimaschutz und Wirtschaftswachstum werden zunehmend als unvereinbar dargestellt. (Foto: dpa/Annette Riedl)

16.10.2020

Ökologische Innovationen müssen finanziert werden

Positionspapier der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft wendet sich gegen zunehmende Wachstumsmüdigkeit und Wachstumskritik

Spätestens mit der Fridays-for-Future-Bewegung kam die Nachhaltigkeitsdebatte wieder ganz nach oben auf die politische und gesellschaftliche Tagesordnung. Die Debatte hat allerdings vielfach eine seltsame Richtung eingeschlagen. „Klimaschutz und Wirtschaftswachstum werden als miteinander unvereinbar dargestellt. Dazu gesellt sich eine zunehmende Wachstumsmüdigkeit“, konstatiert Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft.

Die Notwendigkeit von wirtschaftlichem Wachstum werde infrage gestellt. Außerdem sehe man Wachstumsverzicht nicht nur als Voraussetzung für eine geringere Umweltverschmutzung und einen niedrigeren Ressourcenverbrauch, sondern werde auch unter moralischen Aspekten gefordert. „Damit wird Wachstumskritik mit Konsumkritik gleichgesetzt“, so der Hauptgeschäftsführer.

Innovative Wege

Eine solche Argumentation verkennt laut Brossardt zwei Tatsachen. Erstens sei wirtschaftliches Wachstum die Basis für Fortschritt. Fortschritt umfasse sowohl sozialen Fortschritt als auch technologischen Fortschritt, der gerade auch neue, innovative Wege der Ressourcenschonung und des Klimaschutzes ermögliche. Ökonomisches Wachstum sei die Grundvoraussetzung für ökologische und soziale Nachhaltigkeit.

„Zweitens wird verkannt, dass dieser Zusammenhang nicht nur Theorie, sondern längst Realität ist“, betont Brossardt. Die deutsche Wirtschaft wachse seit Jahren nachhaltig. Investitionen und Innovationen ermöglichten einen effizienteren Umgang mit Energie und Rohstoffen, sodass sich das Wirtschaftswachstum vom Ressourcenverbrauch entkoppelt habe. Gleichzeitig ginge das Wachstum mit einer Verbesserung der sozialen Lage einher.

Nachhaltig Wirtschaften

Brossardt zufolge bekennt sich die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft zu einem nachhaltigen Wirtschaften, das an den drei Zielen der Ökonomie, Ökologie und Sozialem ausgerichtet ist. „Ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum ist die Basis für die Verfolgung von umwelt- und sozialpolitischen Zielen“, so der Hauptgeschäftsführer. Nur eine stabile und leistungsfähige Wirtschaft generiere die dafür erforderlichen finanziellen Mittel und führt zu den technologischen Innovationen für sozialen und ökologischen Fortschritt. „Unsere Soziale Marktwirtschaft vereint diese drei Aspekte der Nachhaltigkeit gleichberechtigt in sich und ist somit auch in Zukunft der beste Träger unseres gesellschaftlichen Wohlstands“, sagt Brossardt.

Die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft betont in einem entsprechenden Positionspapier die ökologische Nachhaltigkeit des deutschen Wirtschaftswachstums und wendet sich gegen zunehmende Wachstumsmüdigkeit und -kritik: „Dank eines seit Jahrzehnten kontinuierlichen Wirtschaftswachstums waren in Deutschland Investitionen und Innovationen möglich, die einen spürbar effizienteren Umgang mit Energie und Rohstoffen ermöglichten. Im Ergebnis stieg die Energieproduktivität von 1991 bis 2018 um ganze 63 Prozent. Der Energieverbrauch ging seit Mitte der 2000er-Jahre bis 2018 um mehr als zehn Prozent zurück. Durch eine effiziente Energienutzung sanken die durch Industrieprozesse verursachten CO2-Emissionen seit 1991 um 25 Prozent.“

Auch in Sachen Forschung und Entwicklung lässt sich laut dem Positionspapier ablesen, wie Wirtschaftswachstum Innovationen voranbringt. So stieg die F+E-Quote, das ist der Anteil der öffentlichen und privaten Ausgaben für Forschung und Entwicklung am Bruttoinlandsprodukt, seit Mitte der 1990er-Jahre relativ stetig von 2,13 auf 3,13 Prozent im Jahr 2018 an.

Beschäftigungsrekord

Doch auch gerade die soziale Bedeutung eines nachhaltigen Wirtschaftswachstums ist der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft zufolge elementar. „Der wirtschaftliche Erfolg Deutschlands kam in der Breite der Bevölkerung an. Mit 45,3 Millionen Erwerbstätigen wurde 2019 ein Beschäftigungsrekord erreicht. Die Arbeitslosenquote war mit fünf Prozent so niedrig wie zuletzt Ende der 1970er-Jahre. Zugleich machte die florierende Wirtschaft eine stetige Ausweitung der Sozialausgaben auf über eine Billion Euro im Jahr 2019 möglich. „Hierbei müssen wir aufpassen, dass die überdurchschnittlich gestiegene Sozialausgabenquote trotz der Corona-Krise langfristig nicht noch weiter steigt und die finanziellen Spielräume für öffentliche Investitionen ausbremst“, betont Brossardt.
(Ralph Schweinfurth)

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