Wirtschaft

Der Batteriehersteller Varta schließt zum Herbst seine Fabrik im bayrischen Nördlingen. (Foto:, dpa/CHROMORANGE, Michael Bihlmayer)

19.05.2026

Rund 350 Jobs in Nördlingen weg

Beim Batteriehersteller Varta springt ein Großkunde ab

Der Batteriehersteller Varta schließt zum Herbst seine Fabrik im bayrischen Nördlingen. Ein großer Kunde, der für fast 100-prozentige Auslastung des Standortes gesorgt habe, kaufe künftig keine Knopfbatterien von Varta mehr, sagte ein Unternehmenssprecher. Damit sei dem Werk die Existenzgrundlage entzogen. Rund 350 Menschen verlieren damit ihren Arbeitsplatz. Zuvor hatten mehrere Medien berichtet.

Die Entscheidung zur Schließung sei Beschäftigten und Betriebsrat am Morgen mitgeteilt worden. Man bemühe sich nun um "sozialverträgliche Lösungen" und auch darum, einzelne Mitarbeiter an anderen Standort zu übernehmen. Die Gespräche seien aber noch ganz am Anfang. Man habe zwar in den vergangenen Monaten neue Kunden gewinnen können. "Doch damit lässt sich die Produktion in Nördlingen nicht ansatzweise auslasten", sagte Unternehmenschef Michael Ostermann der "Wirtschaftswoche".

Dem Vernehmen nach will der Großkunde, der sich nun zurückzieht, seine Batterien der neuen Generation künftig aus China beziehen. Dass es sich bei dem Kunden laut "FAZ" und der "Augsburger Allgemeinen" um Apple handelt, wollte der Varta-Sprecher nicht kommentieren. Laut "FAZ", die sich auf das Umfeld von Varta bezieht, sei der Preis für die Entscheidung ausschlaggebend gewesen, "in der Qualität sei das schwäbische Unternehmen auf Augenhöhe und besser gewesen".

"Die Schließung der Mikrobatterie-Sparte der VARTA AG in Nördlingen ist ein harter Schlag für Schwaben und ein weiteres Alarmzeichen für den Industriestandort Deutschland. Wir haben alles versucht, um den Standort in seiner bisherigen Größe zu sichern, etwa durch die Unterstützung eines großen internationalen Batterieprojekts. Jetzt müssen wir sehen, wie es gemeinsam weitergehen kann. Menschen, die ihre Arbeitsplätze verlieren, müssen wir schnellstmöglich eine neue Perspektive geben. Wir sind mit VARTA in Kontakt, werden nicht aufgeben und stehen weiterhin bereit, neue Innovationen und Perspektiven anzuschieben", sagt Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler).

Mit Blick auf die wirtschaftspolitische Debatte in Deutschland übt er scharfe Kritik an Bund und EU und kontert Forderungen aus der SPD nach einem "Klimanotstand". Die Entwicklung bei VARTA zeigt laut Aiwanger glasklar, dass man in Deutschland keinen Klimanotstand und damit noch mehr CO2-Vorgaben bräuchte. Denn dass ruiniere die Wirtschaft hierzulande. "Dieser übertriebene Green Deal hat uns dahin geführt, wo wir heute sind. Wir verlagern Arbeitsplätze nach Asien und retten dadurch die Welt nicht", so der Minister. Während andere Länder ihre Industrie stärkten, würden deutsche Betriebe mit Bürokratie, hohen Energiepreisen und ideologischen Vorgaben an die Wand gefahren. Vor allem die EU müsse endlich aufhören, die eigene Wirtschaft kaputtzuregulieren und den Menschen permanent Angst einzureden. "Wir dürfen uns nicht immer stärker von Asien abhängig machen, gerade auch im Bereich Batterie. Deshalb müssen wir alles daransetzen, industrielle Wertschöpfung und technologische Kompetenz im eigenen Land zu halten. Wir brauchen Zuversicht statt Panikmache, Investitionsanreize statt Verbote und endlich wieder eine Politik, die Leistung und Produktion in Deutschland möglich macht", betont Aiwanger.

Varta mit Sitz im schwäbischen Ellwangen war zuletzt in schwieriges Fahrwasser geraten. Um die Pleite zu verhindern, hatte das Unternehmen im Juli 2024 ein Sanierungsverfahren im Rahmen des Restrukturierungsgesetzes angemeldet. Dieses soll kriselnden Unternehmen ein Insolvenzverfahren ersparen. In diesem Zuge wurden auch die Altaktionäre aus dem Unternehmen gedrängt. Die monatelange Neuaufstellung des Batterieherstellers sei abgeschlossen, hatte Varta Anfang April vergangenen Jahres mitgeteilt.
2024 schrieb Varta erneut rote Zahlen. Allerdings fiel der Verlust mit einem Minus von 64,5 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr deutlich geringer aus.
(rs, dpa)
 

Kommentare (0)

Es sind noch keine Kommentare vorhanden!
Die Frage der Woche
X
Vergabeplattform
Vergabeplattform

Staatsanzeiger eServices
die Vergabeplattform für öffentliche
Ausschreibungen und Aufträge Ausschreiber Bewerber

Beilagen

> Das neue vbw Unternehmermagazin ist online

Ralf Wintergerst, CEO von Giesecke+Devrient, weist auf einen sehr wesentlichen Umstand der deutschen Politik hin: „Es gibt hierzulande sehr viele Veto-Punkte, wo der eine aus Eigeninteresse den Vorschlag des anderen blockieren kann."

> Das einblicke-Magazin der Bundesgesellschaft für Endlagerung ist online

Die Suche nach dem sichersten Ort für unseren Atommüll ist eine staatliche Jahrhundertaufgabe. Das einblicke-Magazin der Bundesgesellschaft für Endlagerung stellt vier Menschen vor, die diese Mission bei der Bundesgesellschaft für Endlagerung mit ihre

> Änderung der Gemeindeordnung

Liebe Leserinnen und Leser des Kommunalen Taschenbuchs, die Gemeindeordnung des Freistaats Bayern hat sich am 23. Dezember 2025 nach Redaktionsschluss (14. November 2025) nochmals geändert. Die entsprechenden Seiten können Sie hier herunterladen.

Jahresbeilage 2025

Nächster Erscheinungstermin:
28. November 2026

Weitere Infos unter Tel. 089 / 29 01 42 54 /56
oder
per Mail an anzeigen@bsz.de

Download der aktuellen Ausgabe vom 28.11.2025 (PDF, 16,5 MB)

E-Paper
Unser Bayern

Das kunst- und kulturhistorische Online-Magazin der Bayerischen Staatszeitung

Abo Anmeldung

Passwort vergessen?

Geben Sie Ihren Benutzernamen oder Ihre E-Mail ein um Ihr Passwort zurückzusetzen. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an: vertrieb(at)bsz.de

Zurück zum Anmeldeformular 

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.

Abo Anmeldung

Passwort vergessen?

Geben Sie Ihren Benutzernamen oder Ihre E-Mail ein um Ihr Passwort zurückzusetzen. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an: vertrieb(at)bsz.de

Zurück zum Anmeldeformular 

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.

Unser Bayern - Nachbestellen

Aktuelle Einzelausgaben des Online-Magazins „Unser Bayern” können im ePaper der BSZ über den App-Store bzw. Google Play gekauft werden.