Wirtschaft

Die Entgelttransparenzrichtlinie soll die angebliche Lohn-Diskriminierung zwischen Männern und Frauen beseitigen. (Foto: dpa/Zoonar, Wavebreak Media LTD)

16.06.2026

Entgelttransparenzrichtlinie soll Lohn-Diskriminierung beseitigen

Dass es bald weniger Bürokratie geben wird, ist eine Illusion. Blickt man auf die Entgelttransparenzrichtlinie droht das genaue Gegenteil. Offiziell soll jegliche angebliche Lohnungerechtigkeit in Firmen angeprangert – und mittels umfangreicher Berichtspflichten bloßgestellt – werden. Im Kern geht es um den sogenannten Gender Pay Gap. Er besagt, dass Frauen strukturell bei den Gehältern benachteiligt werden, im Schnitt verdienten sie signifikant weniger als Männer. Aber tun sie das wirklich?

Dass es bald weniger Bürokratie geben wird, ist eine Illusion. Blickt man auf die Entgelttransparenzrichtlinie droht das genaue Gegenteil. Offiziell soll jegliche angebliche Lohnungerechtigkeit in Firmen angeprangert – und mittels umfangreicher Berichtspflichten bloßgestellt – werden. Im Kern geht es um den sogenannten Gender Pay Gap. Er besagt, dass Frauen strukturell bei den Gehältern benachteiligt werden, im Schnitt verdienten sie signifikant weniger als Männer. Aber tun sie das wirklich?

Spöttisch muss man zunächst mit der früheren Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) fragen, die in der aktuellen Debatte einer hartgesottenen Feministin entgegen hielt, warum in den Betrieben dann nicht viel mehr Frauen statt Männer beschäftigt würden? Denn bei deutlich weniger Lohn für weibliche Angestellte würden die Unternehmen ja aufs Ganze hochgerechnet eine Menge Geld bei den Gehältern sparen.

Behauptet wird von den Verfechtern der neuen Vorschrift eine systematische Diskriminierung anhand des Geschlechts. Aber die Evidenz ist eher schwach. Die Behauptung der unbereinigten Lohnlücke von 16 Prozent führt schon mal gar nicht weiter. In den Ingenieurwissenschaften etwa beträgt der Anteil der Männer nach wie vor etwa 80 Prozent. Wogegen bei den Geisteswissenschaften rund 70 Prozent Frauen beschäftigt sind – so zumindest die Zahlen des Bundesbildungsministeriums. Dass eine Soziologin oder Germanistin weniger verdient als ein Maschinenbau- oder Elektroingenieur mag man beklagen – mit einer Diskriminierung von Frauen hat das aber nichts zu tun. 

Eine E-Technikerin verdient besser als ein Lektor

Dass auch die E-Technikerin im Schnitt besser bezahlt wird als der Lektor, wird gern mal vergessen. Und apropos Lektor: Wer dieser Tätigkeit in einem Verlag mit wissenschaftlichen und technischen Sachbüchern nachgeht, kann beim Gehalt etwas mehr verlangen – im Schnitt um die 4200 Euro –, als jemand, der vorrangig Belletristik lektoriert und etwa 3500 Euro verdient. Das alles basiert auf Angaben der Bundesagentur für Arbeit. Dass im erstgenannten Fachbereich die Zahl der männlichen Lektoren überwiegt, stützen Angaben des Verbands der Freien Lektorinnen und Lektoren.

Die bereinigte Lohnlücke ist da schon aussagekräftiger. Sie berücksichtigt neben der Qualifikation auch Unterschiede in der Hierarchieebene, dem Arbeitsumfang und der Berufserfahrung. Wer mit 25 Jahren das Studium abschließt, hat mit 35 Jahren im Idealfall 10 Jahre Berufserfahrung. Wer zwischendurch drei Jahre daheim blieb, um ein Kind zu betreuen, kommt auf weniger. Auch den Posten des Bauleiters abzulehnen, weil damit auch körperlich belastende nächtliche Tätigkeiten bei Wind und Wetter auf der Baustelle verbunden sind – und statt dessen die nachgeordnete Arbeit im Büro auszuüben – hat das Nachsehen. Wissenschaftliche Studien kommen hier zu einem Unterschied beim Lohn zwischen Männern und Frauen zwischen 2 Prozent (Institut der Deutschen Wirtschaft) und 6 Prozent (Statistisches Bundesamt). Also schon deutlich weniger.

Männer leisten mehr unbezahlte Überstunden

Aber auch diese Differenz ist nicht mit einer erwiesenen Ungleichbehandlung gleichzusetzen, worauf das Statistische Bundesamt selbst hinweist. Unbezahlte Überstunden etwa würden von Männern deutlich häufiger geleistet als von Frauen. Männliche Arbeitnehmer seien auch eher bereit, Jobs mit ständiger Erreichbarkeit, Umzügen an Orte mit Zweitwohnsitz und ständigen Dienstreisen zu übernehmen – alles Faktoren, die bei der Berechnung der Lohnlücke nicht berücksichtigt werden, wie die Behörde selbst einräumt.

Sicher hängen oben genannte Verhältnisse auch damit zusammen, dass Frauen häufiger familiäre Care-Arbeit übernehmen. Aber das ist ein anderes Thema und kein Aspekt für die Entgelttransparenzrichtlinie. Wer mehr besser verdienende Ingenieurinnen wünscht, muss diese Berufe für Frauen und Mädchen interessant präsentieren. Und in den Familien muss es präsenter werden, dass auch der Mann – bei gleichem Job – häufiger um 16 Uhr Feierabend macht, das Kind von der Kita abholt und sich anschließend um Wäsche und Einkauf kümmert, während die Gattin abends noch zu geschäftlichen Verhandlungen in die USA fliegt.

Und noch einmal die ehemalige Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (als berufstätige Mutter von drei Kindern weiß sie sicher, wovon sie spricht): „Die Entgelttransparenzrichtlinie der EU, wenn auch hierzulande rechtlich umgesetzt, führt zu einem kleinteiligen Korsett an Regelungen, das aus freien Verhandlungen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer einen standardisierten Verwaltungsakt macht.“ Der aber würde ganz sicher nicht zu mehr Arbeitsplätzen und einem wirtschaftlichen Aufschwung führen, sondern vielmehr den Wirtschaftsstandort Deutschland weiter schwächen.
(André Paul)

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