Wirtschaft

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) will in wenigen Tagen in Washington mit US-Präsident Donald Trump über die Zollpolitik sprechen. (Foto: dpa/Michael Kappeler)

22.02.2026

Trumps Zoll-Niederlage, neue Zölle: EU prüft Folgen

Das Oberste Gericht in den USA schiebt Trumps bisheriger Zollpolitik einen Riegel vor. Nach dem Urteil sind die Auswirkungen unklar.

Nach der Entscheidung des obersten US-Gerichtshofs gegen die Zollpolitik von Präsident Donald Trump versuchen die EU und andere Länder die genauen Folgen für die globale Wirtschaft abzuschätzen. Im EU-Parlament ist am Montag eine Sondersitzung des Rechtsdienstes und des Verhandlungsteams, das für ein Zollabkommen zwischen den USA und der EU zuständig war, geplant. Zudem will Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) bei seinem Besuch in wenigen Tagen in Washington mit Trump über dessen Zollpolitik sprechen.

In einem historischen Urteil untersagte der Supreme Court am Freitag dem US-Präsidenten, unter Berufung auf ein Notstandsgesetz aus den 1970er Jahren Zölle gegen den Import von Waren aus vielen Ländern zu verhängen. Die aggressive Zollpolitik ist ein Kernelement von Trumps zweiter Amtszeit. Er kündigte an, andere Wege zu nutzen, um seine Zölle weiterhin durchzusetzen.

Trump ließ nur wenig Zeit verstreichen, bis er einen neuen Vorstoß unternahm: Zunächst kündigte er noch am Freitag einen weltweiten Zollsatz auf Importe in die USA von 10 Prozent an - um ihn dann am Folgetag auf 15 Prozent hochzusetzen. Damit schöpft der 79-Jährige die Höchstgrenze eines Handelsgesetzes aus den 1970er Jahren, auf das er sich beruft, voll aus.

Was passiert mit Handelsabkommen wie dem mit der EU?
Nach der Zoll-Schlappe war unklar, welche Handelsabkommen bestehen bleiben und welche nicht. In welche Kategorie die Europäische Union fällt, blieb zunächst offen. Die EU und die USA hatten sich im Sommer eigentlich auf ein Zollabkommen verständigt. Möglicherweise ist diesem Deal nun die Grundlage entzogen.

Welle an Rückforderungen erwartet:
Seit der Entscheidung des Supreme Courts herrscht große Unsicherheit zu den Auswirkungen. Das Urteil könnte eine Welle an Rückforderungen bereits gezahlter Zölle hervorbringen. Nach Berechnungen der University of Pennsylvania geht es für den US-Staatshaushalt um etwa 175 Milliarden US-Dollar.

Wirtschaftsexperten befürchten Chaos, sollte es zu zig Tausenden Forderungen von Importeuren kommen. Auch der Vorsitzende des Handelsausschusses im EU-Parlament, Bernd Lange, sieht Chancen auf eine Rückzahlung unrechtmäßig erhobener US-Zölle. "Zu viel gezahlte Zölle müssen zurückgezahlt werden", sagte er dem Deutschlandfunk.

Merz will mit Trump über Zollpolitik sprechen:
Auch Bundeskanzler Merz reagierte: Er will in wenigen Tagen in Washington mit Trump über die Zollpolitik sprechen. "Wir werden hierzu auch eine ganz klare europäische Haltung haben", sagte der CDU-Politiker der ARD nach Trumps Ankündigung eines weltweiten 10-Prozent-Zollsatzes auf Importe in die USA - also noch bevor Trump den Wert hochsetzte. Davor werde man sich in der Europäischen Union abstimmen.

Was für Zölle wird Trump nun auf Basis anderer Grundlagen erheben?
Unter Berufung auf ein Notstandsgesetz aus dem Jahr 1977 hatte der US-Präsident seit Beginn seiner zweiten Amtszeit am Kongress vorbei Zölle gegen Dutzende Handelspartner verhängt. Der Supreme Court urteilte nicht generell zu Zöllen. Sondern darüber, ob Trumps Argumentation mit dem Notstandsgesetz rechtens war oder nicht. Nun ist klar: Er hat seine Kompetenzen überschritten.
Der von Trump neu eingebrachte Zoll von 10 beziehungsweise danach 15 Prozent beruft sich nun auf ein Handelsgesetz aus dem Jahr 1974. Dieses erlaubt es unter bestimmten Voraussetzungen, Zölle auf Importe für bis zu 150 Tage lang zu erheben. Dass diese erfüllt sind, wird von Experten bereits bezweifelt. Um Zölle für einen längeren Zeitraum zu erheben, bräuchte Trump in jedem Fall die Zustimmung des US-Parlaments.

Welche Zölle bleiben auf jeden Fall bestehen?
Nicht entschieden hat das Oberste Gericht der USA über Zölle auf spezifische Produkte, für die die US-Regierung einen anderen gesetzlichen Rahmen heranzog. Unter Berufung auf einen Abschnitt des "Trade Expansion Acts" aus dem Jahr 1962 erließ Trump etwa Zölle auf Stahl, Aluminium und Autos. Diese Zölle gelten weiter.
(dpa)

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