Viel Wald soll für neue Leitungen zum geplanten Umspannwerk „Raitersaich West“ gerodet werden. Das wurde bei einer Infoveranstaltung des Übertragungsnetzbetreibers Tennet in der vergangenen Woche in Neuendettelsau (Landkreis Ansbach) bekannt.
Über den Neubau des Umspannwerk4s auf Roßtaler Gemeindegebiet im Landkreis Fürth wird seit Jahren diskutiert. Dieser ist im Zusammenhang mit der von Trassengegnern grundsätzlich kritisierten neuen „Juraleitung“ (Projektkürzel B70) notwendig. Nun wurden aktuelle Pläne vorgestellt. Zum einen ist auf der jetzt veröffentlichten Lageskizze erkennbar: Für den weiter nach Westen verschobenen Teil des Umspannwerks müssten etwa Bäume auf einer Fläche von einem Hektar gefällt werden. Zum zweiten sollen dort zwei Masten aufgestellt werden, wo es heute ebenfalls eine Waldfläche gibt. Durch diese müsste eine etwa 120 Meter breite Schneise geschlagen werden, wie zu erfahren war. Und für das „Projekt Main-Franken-Leitung B114“ nach Nordwesten werde für die Leitungsführung zu zwei neuen Masten ebenfalls Wald gerodet, wie Tennet-Sprecher Imo Kohlmann klarstellt.
„Nun müssen wir wieder aktiv werden“
Laut Raymund Filmer, Langenzenns Ex-Förster aus Großhabersdorf und Mitinitiator mehrerer Initiativen im Zusammenhang mit Juraleitung und Umspannwerk, „ignoriert Tennet damit, was zwischendurch gelaufen ist“. Die Initiativen hatten seit Jahren besonders auf die Überspannung aller betroffenen Waldstücke gedrängt. Und bei zwei Terminen im vergangenen Jahr im bayerischen Landtag habe es seitens Tennet geheißen: „Das bekommen wir schon hin.“ „Nun müssen wir wieder aktiv werden“, kündigte Filmer der Staatszeitung an. Neue Aktionen seien geplant.
Martin Stümpfig, Grünen-Landtagsmitglied aus Feuchtwangen (Landkreis Ansbach) und kritischer Begleiter der Planungen der Juraleitung, gibt ebenfalls zu: Er sei bislang davon ausgegangen, Tennet werde die Leitungen rund um Raitersaich neu allesamt oberhalb der Wälder führen, also überspannen. So habe sogar der Wirtschaftsausschuss des Landtags im Juli 2024 einstimmig die Prüfung der Waldüberspannung bei Raitersaich gefordert, nicht nur der Flächen im Süden des Umspannwerks. Anlass waren zwei Petitionen von Betroffenen aus den Landkreisen Ansbach und Fürth.
Tennet-Sprecher Kohlmann dagegen sieht sein Unternehmen nur für den Korridor im südlichen Bereich des neuen Umspannwerks in der Pflicht, die Leitungen über den Bäumen zu führen, also zu „überspannen“. Dorthin soll die bestehende, „B105“ genannte Leitung verlegt werden, die momentan vom alten Umspannwerk Richtung Ingolstadt und Irsching führt. Die zuständige Genehmigungsbehörde, die Regierung von Mittelfranken, bestätigt auf Nachfrage die Version des Netzbetreibers: Nur „für die südlichen Leitungseinführungen hat die TenneT TSO GmbH am 23.01.2025 zugesagt, auf die Rodung zu verzichten und den Wald zu überspannen“.
Dieses Waldstück liegt im Übrigen „grenzüberschreitend“ auf den Gebieten der Landkreise Fürth und Ansbach. Dessen Gemarkung Gottmannsdorf (Stadt Heilbronn) ist wird bei dieser künftigen Leitungsführung besonders davon berührt sein.
Kompliziertes Verfahren
Was das ganze Verfahren rund um Raitersaich noch etwas verkompliziert: Die Regierung ist nur für die Stromleitungen zuständig. Um das Umspannwerk selbst kümmert sich dem Landratsamt Fürth (LRA) eine zweite Genehmigungsbehörde. „Doch LRA wurde dementsprechend vor Kurzem gebeten, die Anlage baurechtlich zu prüfen“, heißt es auf Nachfrage. Jedoch war schon seit Langem bekannt, was die Regierung aktuell bekräftigt: Das Umspannwerk war und „ist nicht Gegenstand der hier anhängigen Planfeststellungsverfahren“. Laut Tennet-Auskunft ist seit etwa 2021 klar, das Unternehmen könne „genehmigungsrechtlich auf ein verfahrensfreies Vorhaben nach der Bay. Bauordnung ausweichen“ – also auf eine Prüfung durch das LRA.
Unabhängig davon: Die Menschen in und um Raitersaich werden länger doppelt betroffen sein als gedacht. Nach Auskunft des Tennet-Sprechers werde „das bestehende Umspannwerk bis mindestens 2037 weiter benötigt“. Der Grund: Tennet wurde Ende 2025 offensichtlich davon überrascht, dass der seit Langem geplante „Westbayernring“ im damals veröffentlichten jüngsten Entwurf des Bundes-Netzentwicklungsplans (NEP) nicht mehr als nötig eingestuft wurde. Diese neue 380 Kilovoltleitung hätte die alte – Kürzel B48 - auf der Spannungsebene 220 Kilovolt ersetzen sollen. Weil aber wohl in Raitersaich-West kein Platz für eine notwendige 220-Kilovolt-Schaltanlage nebst Trafo vorgesehen ist, wird die alte länger gebraucht als gedacht. Das bedeutet außerdem: Beide Standorte müssen durch Leitungen auf Roßtaler Flur miteinander verbunden werden.
Tennet kündigt inzwischen ohnehin deutliche, weitere Verzögerungen an. Der Bau des neuen Umspannwerks Raitersaich ist von Anfang 2028 bis Herbst 2032 geplant. Dadurch verspätet sich auch die Inbetriebnahme der „Ersatzneubau“ genannten Juraleitung. Die „Leitungseinführung Raitersaich West – Luderheim West“ soll nun erst im ersten Quartal des Jahres 2034 beendet sein. Bisher stand 2032 im Raum.
(Heinz Wraneschitz)
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