Luft- und Raumfahrt ist ein wichtiges Zukunftsfeld, auf das auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) setzt. Darum ist es umso verwunderlicher, dass es im Freistaat kaum größere Veranstaltungen in diesem Bereich gibt.
Einzig in Söders Heimatstadt Nürnberg fand im vergangenen Jahr ein entsprechender Kongress statt. Der Aerospace Aviation Congress Interdisciplinary International (AACII) lockte über 300 Fachleute aus Wissenschaft und Praxis aus 20 Ländern in die Meistersingerhalle. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) eröffnete den Kongress, nahm sich viel Zeit und informierte sich umfassend, was die Aussteller sehr goutierten. Veranstaltet wurde der Kongress von Ulrike Trapp, der Leitung der Trapp Networks PR Social Media GmbH aus Nürnberg.
In der Öffentlichkeit nahezu unbekannt
Nordbayern hat in Sachen Luft- und Raumfahrt einige namhafte Unternehmen, die in Branchenkreisen bekannt, aber in der Öffentlichkeit nahezu unbekannt sind. So stellt zum Beispiel die Emqopter GmbH aus Würzburg Lieferdrohnen für den vollautomatisierten Transport her. Der als Automobilzulieferer bekannte Konzern Schaeffler aus Herzogenaurach hat eine starke Schaeffler Aerospace Abteilung. Die Schaeffler Aerospace Germany GmbH & Co. KG sitzt in Schweinfurt. Dort werden hochpräzise Sonderlagersysteme und Präzisionskomponenten für Flugtriebwerke, Hubschrauber und Raumfahrtanwendungen entwickelt und gefertigt. Der in Nürnberg ansässige Weltmarktführer Diehl bietet mit seiner Diehl Aviation Holding GmbH Systeme für Flugzeugkabinen und Avionik, darunter Kabinenausstattung (Gepäckfächer, Bordküchen, Toiletten), Beleuchtung, Brandschutz, Wasser-/Abwassersysteme sowie Belüftungs- und Klimaanlagen, mit Fokus auf Leichtbau und Energieeffizienz. Darüber hinaus ist das Unternehmen ein führender Zulieferer für große Flugzeughersteller wie Airbus und Boeing. Außerdem arbeitet das Unternehmen an Zukunftsthemen wie Advanced Air Mobility. Damit sind Systeme gemeint, die Transportmittel der nächsten Generation wie ferngesteuerte, autonome oder senkrecht startende und landende Flugzeuge unterstützen. Dazu gehören auch solche mit elektrischem oder hybridelektrischem Antrieb.
Nicht nur Airbus in Taufkirchen bei München
Wenn es um den Bereich Raumfahrt geht, gibt es in Bayern nicht nur die Airbus Space and Defence GmbH in Taufkirchen bei München oder die Isar Aerospace SE aus Ottobrunn bei München. Bei Isar Aerospace bereitet man sich derzeit auf einen weiteren Start der Trägerrakete Spectrum vor, die demnächst von Nordnorwegen ins All starten soll. Der für Mittwoch geplante Start musste wegen eines Problems an einem Druckventil verschoben werden. Das Start-up aus Ottobrunn bei München hatte seine Rakete Ende März 2025 zum ersten Testflug abheben lassen. Der Flug dauerte lediglich 30 Sekunden, bevor die Rakete ins Meer stürzte. Laut Isar Aerospace hatte das Kontrollzentrum den Flug abgebrochen und die Rakete kontrolliert ins Meer fallen lassen.
Die Spectrum soll nach der Serienreife Satelliten in erdnahe Umlaufbahnen wenige hundert Kilometer über dem Erdboden bringen. Nach Angaben von Unternehmenschef Daniel Metzler ist Isar Aerospace jetzt schon auf Jahre ausgebucht, obwohl die Rakete nicht serienreif ist. Unter anderem hat das Start-up bereits Aufträge von EU und europäischer Raumfahrtagentur ESA erhalten.
Kleinsatelliten aus Würzburg
Auch in Würzburg gibt es Raumfahrtaktivitäten. Das Zentrum für Telematik um Klaus Schilling beschäftigt sich mit der Fernbedienung von Erkundungsrobotern und der Anwendung von Kleinsatelliten in Schwärmen. Schwärme von Kleinsatelliten eröffnen das Potenzial für einen Paradigmenwechsel von großen, teuren Satelliten zu Schwärmen von verteilten, kostengünstigen Standardsatelliten, sodass eine wesentlich schnellere und flexiblere Realisierung von Satellitenmissionen möglich wird. Viele der für die Raumfahrt entwickelten Methoden und Techniken können auch in die Industrie transferiert werden.
Der nächste Kongress soll 2027 stattfinden
Angesichts dieser geballten Luft- und Raumfahrtkompetenz wird im Büro bei Ulrike Trapp bereits an einer Neuauflage des AACII gearbeitet. Allerdings hat man seitens lokaler Entscheidungsträger, die mit diesem Zukunftsthema nichts anfangen können, einige Steine in den Weg gelegt. „Jetzt denke ich darüber nach, den nächsten Kongress im Jahr 2027 woanders stattfinden zu lassen“, sagt sie der Staatszeitung. Denn bis der Termin in der Nürnberger Meistersingerhalle im Februar 2025 fix war, wurde dieser vom Hallenvermieter zweimal verschoben. Ein Unding angesichts der Tatsache, dass Luft- und Raumfahrtexperten aus aller Welt anreisten und ihre Flüge zweimal verschieben mussten.
(Ralph Schweinfurth)
(Die Bayerische Staatszeitung wird beim nächsten AACII-Kongress 2027 Medienpartner sein.)
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