Wirtschaft

Blackout Börse ist ein äußerst interessantes Buch zur Geschichte der großen Finanzcrashs. (Foto: Buchcover)

03.08.2026

Viele Krisen nehmen ähnlichen Verlauf

Ein äußerst interessantes Buch zur Geschichte der großen Finanzcrashs

"I don’t like Mondays" – dieser Musikklassiker von Bob Geldorf aus dem Jahr 1979 trifft nach den Worten von Patrik Hof auch auf den Börsenmarkt zu. Denn sehr viele Kurszusammenbrüche mit enormen Verlusten traten an diesem Wochentag ein, so Hof in seinem Buch Blackout Börse. Die Geschichte der Börsenkrisen von der Tulpenmanie bis heute.

Die lange Reihe der Schwarzen Montage reicht von 1987 über den Börsencrash an der Tokioter Börse (2. April 1990) und den Tag der Lehman-Insolvenz (15. September 2008) bis hin zur Nervosität an der Wall Street am Montag (7. April 2025) nach Donald Trumps Zollankündigung.

Höhere Arbeitslosigkeit

Für die Widerstandsfähigkeit der Aktienmärkte ist es laut Hof wichtig, dass immer wieder Lehren und Verbesserungen aus Krisen für mehr Stabilität des Finanzsystems gezogen werden. Es gelte, die Auswirkungen für die Wirtschaft zu begrenzen und zu verhindern, dass diese zu einer globalen Kernschmelze des Finanzmarkts führen.

Die Folgen der unterschiedlichen Börsenkrisen fallen in der Regel sehr ähnlich schwerwiegend aus. So belegen nach Hofs Worten die vorderen Plätze in der Rangliste der häufigsten wirtschaftlichen Auswirkungen: ein rasanter Anstieg der Arbeitslosigkeit, ein starker Rückgang des Bruttoinlandsprodukts, die Vernichtung von Vermögen mit unendlichen Dimensionen und ein Rückgang des Welthandels.

Durch die starke Vernetzung der Märkte reichen manchmal kleine Ereignisse, die sofort Konsequenzen für zahlreiche Länder haben. Dieser „Butterfly Defect“ zeigte sich bei der Finanzkrise 2008/09 oder der Corona-Pandemie.

Bei den Börsenkrisen der letzten vier Jahrhunderte fällt laut Hof auf, dass Medien selten vor möglichen Zusammenbrüchen warnten. So sind Anzeichen von bevorstehenden Turbulenzen auf dem Aktienmarkt beispielsweise beim Börsencrash mit den größten internationelen Auswirkungen im Oktober 1929 in der wichtigsten US-Tageszeitung, der New York Times, lediglich sehr versteckt in den Berichten zu finden. Viele Artikel haben sogar Hinweise auf eine weitere positive Kursentwicklung in der Zukunft enthalten. Nur wenige Berichte warnten vor spekulativen Geschäften. „Letztendlich hing es also von der eigenen Interpretation der Leser ab, ob sie den optimistischen oder den pessimistischen Anzeichen Glauben schenkten“, schreibt Hof.

Eine kritische Bewertung der Blase fand nach 1929 nicht statt. Ganz anders sah es bei den Wirtschaftsnachrichten dieser überregionalen US-Tageszeitung vor den Börsenkrisen 1987 und 2000 aus. Bereits Wochen vorher wurde vor fallenden Märkten gewarnt, was jedoch die Wall Street und die Anleger ignorierten.

Die Politik ist gefordert

Letztlich ist die Politik bei Turbulenzen auf Finanzmärkten gefragt, so Hofs Fazit. Eine wichtige Lehre aus allen Krisen sei, dass die Verantwortlichen mehr Verständnis für die immer wiederkehrenden Phasen (Aufschwung, Euphorie, Gier, Abschwung, Panik und Nachwirkungen) aufbringen müssen. Ferner sei nach Ansicht des früheren US-Notenbankchefs Ben Bernanke im Falle einer Krise eine zeitnahe und transparente Kommunikation ein wichtiger Baustein, da „Finanzpaniken eine wichtige psychologische Komponente haben. Wenn man Besonnenheit und Rationalität ausstrahlt, ist die Schlacht schon halb gewonnen.“

Regierungen und Zentralbanken verfügen mittlerweile über Werkzeuge, um mit unterschiedlichen Instrumenten bei Kursausschlägen einzugreifen und den Aktienmarkt zu beruhigen. Außerdem wissen die Entscheidungsträger in Politik und Wirtschaft, wie mithilfe der Geld- und Fiskalpolitik eine Krise zu managen ist, betont Hof. „Die Mittel reichen von Kapitalzuflüssen bis hin zu Zinssenkungen.“ Und der Autor ist sich sicher: „Die Geschichte der Börsenkrisen wird sich fortsetzen und weitere Kapitel werden hinzukommen.“

Hof spannt in Blackout Börse einen sehr interessanten und fundierten historischen Bogen von den ersten dokumentierten Spekulationsblasen bis zu den global vernetzten Finanzschocks der Gegenwart. Das Buch zeigt die wichtigsten Lehren und Erkenntnisse aus den historischen Crashs für aktuelle und kommende Finanzkrisen. (Friedrich H. Hettler)

(Patrik Hof, Blackout Börse. Die Geschichte der Börsenkrisen von der Tulpenmanie bis heute, Frankfurter Allgemein Buch, Frankfurt am Main, 2026, 288 Seiten, 24 Euro. 
ISBN 978-3-96251-246-0)

 

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