Wirtschaft

China sprach im Handel mit anderen Ländern lange von „Win-win“. Doch die EU-Handelskammer in Peking sieht die Vorteile nur noch auf einer Seite und äußert Sorgen vor der weiteren Entwicklung. (Foto: dpa/Zoonar, Valerio Rosati)

25.09.2026

Warum noch Handel mit China treiben?

Die Volksrepublik sprach lange von „Win-win“ – doch die EU-Handelskammer in Peking sieht die Vorteile nur noch auf einer Seite

Angesichts eines wachsenden Ungleichgewichts im Handel mit China sieht die EU-Handelskammer in Peking für Europa einen Punkt zum Umdenken erreicht. „Was uns Sorgen bereitet, ist, dass die Entwicklungen hier einige grundlegende Fragen zum Handel aufwerfen“, sagte diesen Dienstag Kammerpräsident Jens Eskelund in Peking. Richtig betrieben schaffe Handel Wert und Effizienz für beide Seiten, aber wenn dies nur noch für eine Seite gelte, stelle sich die Frage: warum überhaupt Handel treiben, so Eskelund. Der Däne verwies auf Chinas Überschuss im Handel mit Europa von geschätzt einer Milliarde Euro pro Tag. Zudem bemängelt die Kammer schon länger die Wettbewerbsbedingungen in der Volksrepublik.

Ein sehr wichtiger Handelspartner

„China ist für Bayern ein sehr wichtiger Handelspartner. Das zunehmende Ungleichgewicht im Handel bereitet aber Sorgen. Importe aus China nehmen massiv zu, der Export wird immer schwieriger. Wir setzen uns deshalb für freien, fairen und regelbasierten Handel ein und wollen zugleich unsere Absatzmärkte und Lieferketten stärker diversifizieren“, sagt Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) der Staatszeitung. Gleichzeitig müssen ihm zufolge Deutschland und die EU die hausgemachten Wettbewerbsnachteile des Standorts reduzieren. „Wir brauchen niedrigere Steuern und Energiepreise, Abschaffung von CO2-Bepreisung, Lieferkettengesetz, Methanverordnung und vieler weiterer selbst verschuldeter Wettbewerbsnachteile. Dann können wir gezielt und glaubwürdig auch unfaire Handelspraktiken Chinas kritisieren“, so Aiwanger.

Welche Auswirkungen Chinas rasanter Aufstieg zur Industrie- und Exportmacht hat, zeigt auch die jüngste Umfrage des Bayerischen Industrie- und Handelskammertags (BIHK). 78 Prozent der befragten Unternehmen sehen sich einer zunehmenden Konkurrenz durch chinesische Wettbewerber ausgesetzt. Damit liege Bayern deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 67 Prozent, so der BIHK. Fast jedes zweite befragte Unternehmen bewerte die Auswirkungen des Wettbewerbs aus China als stark oder sehr stark. Dabei beschränke sich der Konkurrenzdruck nicht auf den chinesischen Markt. Bayerische Unternehmen spürten ihn zunehmend auch in Deutschland, im europäischen Binnenmarkt und auf Drittmärkten.

„Der Wettbewerb mit China wird härter und trifft unsere Unternehmen inzwischen auf nahezu allen Märkten und in allen Produktkategorien“, sagt BIHK-Hauptgeschäftsführer Manfred Gößl. „Gestützt durch seine staatliche Industriepolitik und Subventionen flutet China die Märkte mit hochwertigen Industrie- und Investitionsgütern wie E-Autos, Batterie- und Akkutechnologie, Elektronik, Photovoltaikanlagen, Maschinen und Chemieprodukten, aber auch mit Konsumgütern aller Art. Unsere Antwort darauf darf aber nicht allgemeine Abschottung sein“, so Gößl. Die EU müsse vielmehr auf faire Wettbewerbsbedingungen pochen. Wer europäischen Unternehmen den Zugang zum eigenen Markt erschwere oder eigene Anbieter staatlich massiv unterstütze, müsse mit entsprechenden Ausgleichsmaßnahmen rechnen.

2024 gab es schon einmal Strafzölle

So hatte die EU bereits 2024 Strafzölle auf E-Autos von verschiedenen chinesischen Herstellern verhängt, die laut EU-Kommission von wettbewerbsverzerrenden staatlichen Subventionen profitierten. Und weitere Maßnahmen sind gerade in Vorbereitung.

„Ich bin ein wenig besorgt, dass China vielleicht noch nicht vollständig verstanden hat, dass sich in Europa etwas verändert, das es Europa letztendlich ermöglichen wird, Maßnahmen zu ergreifen“, sagte EU-Handelskammerpräsident Eskelund. Brüssel und Peking verhandeln derzeit im Handelsstreit. Im Oktober werden Lösungen erwartet. Auch neue EU-Zölle standen schon zur Debatte.

Wie am Dienstag bekannt wurde, versucht China jetzt Deutschland im wachsenden Handelskonflikt mit der EU auf seine Seite zu ziehen. Außenminister Wang Yi hat die Bundesregierung laut der Berliner Zeitung aufgefordert, innerhalb der EU auf Freihandel und gegen Protektionismus hinzuwirken. „China und die EU sind umfassende strategische Partner und sollten keinen Handelskrieg führen“, erklärte Wang nach einem Telefonat mit Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU). Das geht aus einer Mitteilung des chinesischen Außenministeriums hervor.

Wang hoffe, dass Deutschland eine „rationale und pragmatische Haltung“ bewahre und „innerhalb der EU eine positive Rolle“ spiele. Berlin solle dazu beitragen, dass die EU am Freihandel festhalte, Protektionismus ablehne und Differenzen mit Peking durch Dialog und Konsultationen löse. Eine engere wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Deutschland und China liege im Interesse beider Seiten, erklärte Wang.

Selbstbewusst und gelassen

Für den Münchner Autobauer BMW steht jedenfalls fest, dass er einem zunehmenden Wettbewerb durch neue Autos aus China selbstbewusst und gelassen entgegensieht. „Der neue BMW iX3, das erste Modell unserer Neuen Klasse, erfreut sich unverändert einer sehr hohen Nachfrage. Wir sind auf Kurs zu 100.000 eingegangenen Bestellungen. Um dieser starken Kundennachfrage gerecht zu werden, haben wir bereits zu Beginn dieses Jahres eine zweite Schicht in unseren neuen BMW-Werk in Debrecen eingeführt“, sagt eine BMW-Sprecherin der Staatszeitung. Zudem sei die BMW Group beim Absatz im ersten Halbjahr 2026 in Europa ungeachtet des verstärkten Wettbewerbs gewachsen. Für den weiteren Hochlauf der Elektromobiliät in Europa sehe man sich damit gut aufgestellt.
Wie es insgesamt zwischen China und Europa weitergeht, bleibt abzuwarten. Ein Handelskrieg wäre jedenfalls schlecht.
(Ralph Schweinfurth)

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