Wirtschaft

König Charles III. und US-Präsident Donald Trump (rechts): Der britische Monarch hat bei seinem Besuch in Washington D.C. eine viel beachtete und beeindruckende Rede gehalten. (Foto: dpa/Captital Pictures)

04.05.2026

Was man von King Charles' Rede bei Donald Trump lernen kann

Erfolgreiche Kommunikation braucht Vorbereitung

Der britische König Charles III. war vor kurzem zu Besuch bei US-Präsident Donald Trump und hat beim King of Fake News eine viel beachtete und beeindruckende Rede gehalten. Viel beachtet, weil der wahre King in so ziemlich allen Belangen – vom Allgemeinwissen über Benimm und Manieren bis zur Weitsicht einer Führungsperson – das Gegenteil des amerikanischen Präsidenten darstellt. Da waren im Vorfeld viele Befürchtungen laut geworden, das Zusammentreffen der beiden Gegenpole könne im Desaster enden.

Beeindruckend war die Rede, weil genau dieser Fall nicht eingetreten ist. Charles hat den Unberechenbaren mit seinen Aussagen inhaltlich in die Schranken gewiesen, ohne es dabei aber an staatsmännischer Ruhe, feiner royaler Sprache oder formgewandter Freundlichkeit mangeln zu lassen. Aber auch nicht an Deutlichkeit.

Die internationale Presse war dann auch ziemlich aus dem Häuschen. Der König habe Ruhe in das angespannte Verhältnis der beiden Länder gebracht, schrieben die einen. Die Rede sei eine diplomatische Meisterleistung, meinten die anderen. Lange schon sei keine so „wohlüberlegte und wohltemperierte Rede“ mehr im Kongress zu hören gewesen, hieß es bei der Tagesschau. Der Redenschreiber habe einen sehr guten Job gemacht.

Nicht binnen weniger Minuten heruntergeschrieben

Was diese Rede einmal mehr zum Ausdruck bringt: Gelungene Kommunikation braucht viel Vorbereitung. Eine solche Ansprache ist nicht binnen weniger Minuten heruntergeschrieben. Wochen, wenn nicht Monate, machen sich Beraterinnen und Berater, Redenschreiber und persönliche Referenten in solchen Fällen Gedanken über die richtigen Worte, eine eingängige Sprach- und Text-Melodie, Aufbau und Struktur, passende Sprachbilder, Pausen an den richtigen Stellen und vieles mehr.

Und auch dann ist die Rede nicht fertig, sondern nur ein Textstück, das dem Monarchen als Basis dient. Denn die viel geachtete und gelobte Präsentation am Ende ist auch das Ergebnis eigener Persönlichkeit und intensiver eigener Vorbereitung. Jede Körperbewegung, jede Betonung, jede Geste – bei King Charles war alles auf Text und Inhalt der Ansprache abgestimmt. Eine rundum gelungene Darstellung royaler Überzeugung.

Wenn es hierzulande an solchen Sternstunden von Rhetorik und Kommunikation mangelt – egal ob in der „großen“ Politik, im Kommunalen, in der Verwaltung oder auch in Kirchen, Kultur oder Wissenschaft – dann liegt das auch daran, dass der Vorbereitung und dem Teamwork oft zu wenig Raum gegeben wird. Man scheut Investitionen von Zeit und Geld. Aber wenn es an den Zutaten mangelt, kann daraus kein Spitzen-Gericht entstehen. Gerade wirtschaftlich und gesellschaftlich herausfordernde Zeiten brauchen gute Kommunikation.

Eine gute Rede ist das Ergebnis von Teamwork

Die Arbeitsteilung im Team kann im Extremfall auch dazu führen, dass ein eloquenter, erfahrener und rhetorisch fitter Bühnenprofi auch aus einer mittelmäßigen Rede-Vorlage einen wunderbaren Auftritt zaubern kann. Leider geht es auch umgekehrt: Das Skript ist gut, aber der Redner ist schwach. Doch wer will als Außenstehender auf Anhieb erkennen, wer hier jetzt welchen Anteil hatte?

Überhaupt ist noch immer vielen Menschen nicht bewusst, dass viele Rede-Texte nicht von Redner oder Rednerin stammen, sondern von Ghostwritern. Deren Job ist es, nach einem gescheiten Briefing (!) Inhalte so aufzubereiten, dass nach einem packenden Einstieg über verständliche und verbindliche Aussagen mit rotem Faden und Spannungsbogen am Ende klare Botschaften beim Publikum hängenbleiben. Auf solcherlei kreatives Können zu setzen, ist weder verboten noch verwerflich (ausgenommen natürlich Doktorarbeiten und ähnliche Leistungsnachweise). Es zeigt vielmehr, welche Bedeutung Reden als Kommunikationsformat gerade heute haben.
(Claudius Kroker)

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