Wirtschaft

Der Abwärtstrend der Produktion der bayerischen M+E-Industrie hat sich fortgesetzt. (Foto: Picture Alliance/Sven Simon, Frank Hoermann)

16.07.2026

Weiterhin sehr schlechte Geschäftslage

Sommer-Konjunkturumfrage bei der bayerischen Metall- und Elektro-Industrie

Die Lage in der bayerischen Metall- und Elektro-Industrie (M+E) bleibt schlecht. Die konjunkturelle Eintrübung im zweiten Halbjahr 2025 wirkt weiterhin nach und die Aussichten für die kommenden Monate haben sich erneut verschlechtert, erklärte Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der bayerischen Metall- und Elektro-Arbeitgeberverbände bayme vbm, bei der Vorstellung der aktuellen Sommerumfrage zur konjunkturellen Lage der bayerischen M+E-Industrie.

Der Abwärtstrend der Produktion hat sich laut Brossardt in den ersten Monaten 2026 fortgesetzt. Auch die Auftragseingänge, die seit Sommer 2025 moderat aufwärts gerichtet waren, gingen zuletzt wieder zurück. Dafür verantwortlich waren die Inlandsaufträge. Der Beschäftigungsrückgang habe sich ebenfalls fortgesetzt. Allein in den ersten fünf Monaten des laufenden Geschäftsjahrs seien rund 9000 Arbeitsplätze verloren gegangen. In den letzten zweieinhalb Jahren insgesamt sogar 35 000.

Ungünstige Perspektiven

In der aktuellen Umfrage bewerten die bayerischen M+E-Unternehmen die wirtschaftliche Lage nach wie vor negativ. Was der Branche aber noch mehr Sorgen bereitet als die Lagebeurteilung, ist, dass sich die Perspektiven wieder verschlechtert haben, so der Hauptgeschäftsführer. Diese Entwicklungen gelten sowohl für das In- als auch für das Auslandsgeschäft.

Positiv wird die aktuelle Lage lediglich bei den Herstellern elektrischer Ausrüstungen bewertet. Zuversicht herrscht auch im Sonstigen Fahrzeugbau, zu dem ein Großteil der Verteidigungsindustrie zählt, erklärte Brossardt.

Auf eine Erholung hoffen die Hersteller von Metallerzeugnissen und der Maschinenbau. Dagegen sind die Erwartungen in der Elektroindustrie und insbesondere in der Automobil- und Zulieferindustrie negativ. Angesichts der ungünstigen Perspektiven kommt die Produktion im Inland nicht voran. Positive und negative Produktionspläne der M+E-Unternehmen halten sich die Waage. „Es bleibt dabei, dass von der Produktion keine nennenswerten Impulse gesetzt werden“, bedauerte Brossardt. An den Auslandsstandorten sind dagegen die Produktionspläne klar positiv, betonte der Hauptgeschäftsführer.

„Selbst wenn wir für das zweite Halbjahr von einer Stabilisierung ausgehen, wird das Produktionsniveau im Gesamtjahr um 2,5 Prozent unter dem Vorjahresniveau liegen.“ Im Ausland werde die Produktion dagegen nach wie vor weiter ausgebaut. „Ein klares Indiz für den Kostennachteil im Inland.“

Bei den Investitionsplänen der M+E-Unternehmen besteht nach wie vor eine beträchtliche Lücke zwischen In- und Ausland. So sind die inländischen Investitionspläne im Saldo klar negativ (-12,6 Punkte), während die ausländischen bei +32 Punkten liegen.

Beschäftigungsabbau

„Die Investitionszurückhaltung im Inland nimmt immer weiter zu, während das Ausland als attraktiver Investitionsstandort für immer mehr Firmen zur ersten Wahl wird. Wir hoffen, dass der beschlossene Bürokratieabbau und die weiteren Entlastungsmaßnahmen hier zu einem Umdenken führen“, erklärte Brossardt.

Die Beschäftigungspläne der M+E-Unternehmen sind ebenfalls negativ, so der Hauptgeschäftsführer. Fast 29 Prozent der Unternehmen sehen sich gezwungen, Beschäftigung abzubauen. „Besonders betroffen ist die Automobil- und Zulieferindustrie. Aufgrund deren enger industrieller Verflechtung sind auch in anderen Branchen Arbeitsplätze gefährdet. Bereits 2025 sind rund 20 000 Stellen in der M+E-Industrie abgebaut worden, in diesem Jahr erwarten wir einen Stellenverlust in ähnlicher Größenordnung. Denn weiterhin befinden sich 44 Prozent der Unternehmen in einem kritischen Ertragsbereich. Dass das nicht lange gut gehen kann, sollte jedem klar sein.“

Die Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit bleibt für Brossardt daher eine Daueraufgabe. Denn auch das außenwirtschaftliche Umfeld belastet durch US-Importzölle und den weiter schwelenden Iran-Krieg die Unternehmen. Laut Umfrage bleiben die handelspolitische Ungewissheit und drohende neue Zölle das größte Risiko. Der Iran-Krieg ist hingegen ein genereller Kostentreiber, für Materialien und Rohstoffe, für Energie und für Transport- und Frachtkosten. „Wir setzen auf ein baldiges tatsächliches Ende der Auseinandersetzungen zwischen den USA und dem Iran sowie darauf, dass die beteiligten Parteien am Verhandlungstisch Lösungen finden“, sagte Brossardt.

„Die Talfahrt der bayerischen M+E-Industrie ist zwar weniger steil, aber kontinuierlich bergab gerichtet. Es ist ein dramatisches Zeichen, dass das Herz der bayerischen Wirtschaft immer weiter ausblutet. Wir müssen diesen Prozess stoppen, bevor die Deindustrialisierung nicht mehr aufzuhalten ist“, so der Hauptgeschäftsführer. Mit dem jüngsten Reformpaket habe die Bundesregierung richtige Impulse und vor allem ein wichtiges Signal gesetzt – auch wenn die M+E-Branche nicht mit allem einverstanden ist –, nämlich, dass sich in Deutschland doch noch etwas bewegt.

Wichtige Schritte seien die bürokratischen Entlastungen und die Erleichterungen im Arbeitsrecht. Insgesamt hätte sich die Branche für den Arbeitsmarkt jedoch eine stärkere Flexibilisierung gewünscht. „Dass die im Koalitionsvertrag vereinbarte Flexibilisierung der Arbeitszeit hin von der Tages- zur Wochen-Höchstarbeitszeit weiter auf sich warten lässt, ist enttäuschend. Auch die Steuerentlastungen bleiben hinter den Erwartungen und vor allem hinter den Notwendigkeiten zurück“, so Brossardt.

Arbeitskosten senken

Darüber hinaus fehlt ihm im Reformpaket eine Senkung der Arbeitskosten. Für den Hauptgeschäftsführer ist das Gegenteil der Fall, denn durch die Erhöhung der Beitragsbemessungsgrenze in der Krankenversicherung und die geplante Erhöhung in der Pflegeversicherung sowie durch die sogenannte kapitalgedeckte Zusatzrente werden die Lohnzusatzkosten weiter steigen. Im Zusammenhang mit der Tarifpolitik forderte Brossardt einen Tarifabschluss, der die Lohnkosten in Grenzen hält und der flexibel auf die aktuelle Krisensituation reagiert. (Friedrich H. Hettler)
 

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