Die E-Mobilität ist unaufhaltsam. Mit der neu gegründeten „Initiative Grüner Brenner“ geben Münchner Lkw-Hersteller MAN und die Dettendorfer Energy GmbH aus Raubling (Landkreis Rosenheim) gemeinsam mit Partnern aus Wirtschaft, Energie und Infrastruktur dem Einsatz von batterieelektrischen Lkw auf der Brennerroute neuen Schub.
Klar im Fokus haben die Partner dabei den Klimaschutz. Jeder E-Lkw spart nach Angaben von MAN gegenüber einem Lkw mit Dieselmotor im Schnitt rund 95 Tonnen CO2 pro Jahr ein – bei einer jährlichen Fahrleistung von 110 000 Kilometern. Schon bei 300 Fahrzeugen täglich ergibe sich ein Einsparpotenzial von bis zu 28 000 Tonnen CO2 pro Jahr. Das sei die Größenordnung der Emissionen einer Kleinstadt.
Weniger Lärm
Doch nicht nur das Klima, auch die Anwohner profitieren von der neuen Antriebstechnologie. So sinkt laut MAN die Lärmbelastung signifikant. Bei beschleunigter Anfahrt verursachten Elektro-Lkw 12,6 dB weniger Lärm als ihr Diesel-Pendant und würden subjektiv als deutlich leiser, etwa halb so laut wahrgenommen. Gerade in den engen Tälern des Brenners sei das ein entscheidender Faktor für die Akzeptanz.
Und noch eine Weltneuheit sorgte diese Woche auf der Fachmesse Interschutz 2026 in Hannover für Aufsehen. MAN hat dort mit dem österreichischen Feuerwehrautoausstatter Rosenbauer ein E-Drehleiterfeuerwehrfahrzeug vorgestellt. Es sei besonders leise und unterschreite mit weniger als 16 Tonnen Gesamtgewicht und einer Hinterachslast von unter 10 Tonnen erstmals die für Feuerwehraufstellflächen in Deutschland geltenden Gewichtsgrenzen.
Neue Unterflurbatterien
Auch der schwedische Lkw-Hersteller Scania (ist Teil der VW-Nutzfahrzeugtochter Traton, zu der auch MAN gehört) verkündet eine Neuheit. Es wurde jetzt die weltweite Markteinführung eines neuen Unterflurbatteriemoduls gestartet. Dem Lkw-Bauer zufolge ermöglicht dieses den Spediteuren, die Batteriekapazität für die meisten Transportanforderungen optimal zu nutzen. Schwere Lasten, komplexe Aufbauten und Langstreckentransporte ließen sich nun mit verbesserter Präzision elektrifizieren. Reichweiten von deutlich über 800 Kilometer seien mit einer einzigen Ladung möglich.
Doch nicht nur Scania gibt elektrisch Gas. Auch das europäische Pilotprojekt „SolarMoves“ von TNO, Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) aus Freiburg, Sono Motors, IM Efficiency und Lightyear ist beachtlich. Im Auftrag der Europäischen Kommission wurde im Rahmen dieses Projekts das technische und praktische Potenzial von Fahrzeugen, die selbst Solarenergie produzieren, untersucht. Durch die Integration von Solarmodulen in das Dach, die Motorhaube und sogar die Seitenwände von Fahrzeugen wird Strom dort erzeugt, wo er verbraucht wird, so Fraunhofer ISE. Dafür seien weder zusätzlicher Platz noch neue Infrastruktur oder eine Belastung der Stromnetze erforderlich.
Die SolarMoves-Untersuchungen ergaben, dass ein Pkw in Mitteleuropa – unter der Annahme von kurzen jährlichen Benutzungszyklen und viel Dachfläche (etwa bei SUV) – bis zu 55 Prozent seines Energiebedarfs selbst erzeugen kann. In Südeuropa können es bis zu 80 Prozent sein. Dadurch steigt nicht nur der Nutzungskomfort durch weniger externe Ladevorgänge, sondern es sinkt auch der externe Strombezug pro Kilometer erheblich.
15 Prozent mehr
Als besonders groß schätzt das Forschungsteam die Vorteile im Logistiksektor ein. Lieferwagen, Lkw und Fahrzeuganhänger verfügen über viel Dachfläche und verbrauchen gleichzeitig viel Energie für Kühlung, Heizung und Hilfsaggregate. Bei Elektro-Lkw verlängern integrierte Solarzellen die tägliche Reichweite um bis zu 15 Prozent. Bei Lkw-Anhängern kann der Stromertrag im Sommer bis zu 55 Kilowattstunden pro Tag erreichen und 90 bis 110 Kilowattstunden, wenn auch die Seitenwände mit Solarmodulen ausgestattet sind – genug, um Kühl- oder Hydrauliksysteme vollständig und emissionsfrei zu betreiben.
Auch konventionelle Lastwagen können profitieren. Da Klimaanlage, Heizung und andere Systeme weniger Diesel benötigen, würde sich der Kraftstoffverbrauch deutlich verringern. Das Forschungsteam berechnete, dass sich dadurch die Investitionskosten für die Solarzellen am Fahrzeug in weniger als zwei Jahren amortisieren könnten.
(Ralph Schweinfurth)
Info: Förderung für Ladeinfrastruktur
Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) weist auf den nächsten Förderaufruf zum Ausbau der Ladeinfrastruktur im Freistaat hin. Vom 6. bis 17. Juli 2026 können Anträge für den Aufbau neuer öffentlich zugänglicher Pkw-Ladeinfrastruktur eingereicht werden. Der bereitgestellte Fördermitteltopf beträgt 2 Millionen Euro.
„Bayern ist bei der verfügbaren Ladeleistung seiner öffentlichen Ladeinfrastruktur bundesweit Spitzenreiter. Diesen Vorsprung wollen wir weiter ausbauen“, so Aiwanger. Förderfähig sind Standorte, an denen pro Antrag mindestens ein Schnellladepunkt oder vier Normalladepunkte errichtet werden. Antragsberechtigt sind juristische Personen, insbesondere auch Gebietskörperschaften und Verwaltungsgemeinschaften des öffentlichen Rechts.
Detaillierte Informationen zum Förderprogramm „Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge in Bayern 2026-2029“ sowie zum aktuellen Förderaufruf gibt es unter: https://www.bayern-innovativ.de/leistungen/mobilitaet/kompetenzstelle-elektromobilitaet/foerderprogramm-ladeinfrastruktur-fuer-elektrofahrzeuge-in-bayern-2026-2029/ > rs
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