Wirtschaft

BayFOR-Geschäftsführer Martin Reichel evaluiert mit seinem Team die eingereichten Förderanträge. foto bayfor

17.11.2017

Wie man an EU-Fördergelder kommt

Die Bayerische Forschungsallianz sorgt dafür, dass kleine und mittelständische Unternehmen profitieren

Wenn kleine oder mittlere Betriebe innovative Produkte oder Dienstleistungen auf den Markt bringen wollen, kann das mitunter deren Finanzkraft übersteigen. Die Europäische Union fördert Innovationen, ihre komplizierten Regularien sind aber oft abschreckend. Doch es gibt einen erfolgversprechenden Weg. Dieser führt über die Bayerische Forschungsallianz (BayFOR).

„Weil die EU viele Förderungen für Forschung und Innovation bereitstellt, ist es manchmal schwierig, hier den Überblick zu behalten und einen Nutzen daraus zu ziehen, ohne sich lange und grundlegend damit zu beschäftigen,“ erklärt Martin Reichel, Geschäftsführer der Bayerischen Forschungsallianz (BayFOR) GmbH aus München, der Staatszeitung. „Aber die BayFOR hilft. Wir haben uns auf EU-Forschungs- und Innovationsförderung spezialisiert und neben unserer jahrelangen Erfahrung auf diesem Gebiet sind wir auch eine Partnerorganisation im Enterprise Europe Network, dem größten Beratungsnetzwerk für KMU in der EU.“ Reichel sieht vor allem für technologieorientierte Unternehmen, die eine eigene Ideenschmiede haben und nicht nur Auftragsfertigung betreiben, große Chancen EU-Fördermittel zu bekommen.

Es muss wirklich etwas Neues sein


„Allerdings muss es wirklich etwas Neues sein, für das das jeweilige Unternehmen diese Gelder haben möchte“, so Reichel. Alter Wein in neuen Schläuchen habe keine Aussicht auf Erfolg. Des Weiteren ist Voraussetzung, dass die Firmen eine realistische Wachstumsstrategie verfolgen und darüber hinaus auch auf die notwendigen Ressourcen zurückgreifen können, um ein EU-Projekt durchzuführen. Unternehmen, die bereits einige Jahre auf dem Markt sind und Erfahrungen in einer nachhaltigen Vermarktung eines Produktes vorweisen können, haben dabei Vorteile.

Von allen EU-Fördermöglichkeiten präsentiert sich das Rahmenprogramm für Forschung und Innovation „Horizon 2020“ in vielerlei Hinsicht sehr attraktiv für KMU. Es stellt von 2014 bis 2020 ein Budget von über 70 Milliarden Euro zur Verfügung. Dabei sollen insgesamt 20 Prozent der Fördermittel an KMU gehen; sieben Prozent sind dabei in einer spezifischen Förderschiene verankert, dem „KMU-Instrument“, welche ausschließlich KMU offensteht. Aber auch in Verbundforschungsprojekten verlangt die Kommission eine starke Einbindung von KMU. Daher gibt es unter Horizon 2020 für sie viele Möglichkeiten, sich erfolgreich zu beteiligen.

Damit sich Unternehmer aber keine falschen Hoffnungen machen, prüfen die Mitarbeiter der BayFOR die jeweilige Innovation. „Kann man dafür auf EU-Ebene Geld bekommen? Welches Förderprogramm eignet sich am besten? Das sind die zentralen Fragen, die wir stellen“, erläutert der BayFOR-Geschäftsführer.

Passendes Förderprogramm identifizieren


Ist das Projektvorhaben aussichtsreich und das passende Förderprogramm identifiziert, geht die Antragstellung in die Vorbereitungsphase. Beispielsweise beim KMU-Instrument begleitet die BayFOR die Antragstellung und unterstützt das jeweilige Unternehmen mit der Formulierung der einzelnen Antragsteile, zum Beispiel zum Verwertungsplan, zur Kommerzialisierungsstrategie oder zu Kundenanalysen und Marktsegmentierung. 50.000 Euro kann man für die Phase 1 von der EU bekommen. „Meist kostet so etwas bis zu 75.000 Euro“, so Reichel. „Also sind schon einmal zwei Drittel der Kosten durch die EU gedeckt, ein Eigenanteil bleibt jedoch immer bestehen.“ Das KMU bekommt darüber hinaus während der Projektlaufzeit einen von der BayFOR vermittelten und von der EU bezahlten Business Coach zur Seite gestellt, der mit ihm unterschiedlichste Fragestellungen bearbeitet, zum Beispiel Vertriebsstrukturen, Marketing oder patentrechtliche Absicherung.

Bewilligungsquoten von zwei bis 16 Prozent


Die Bewilligungsquoten im KMU-Instrument liegen laut Reichel je nach Thema aber nur im Bereich von zwei bis 16 Prozent (im Durchschnitt 8,4 Prozent in Phase 1 beziehungsweise 5,5 Prozent in Phase 2) – in anderen KMU-spezifischen EU-Förderprogrammen wie EUREKA Eurostars liegen sie deutlich höher. Das KMU-Instrument ist ein hoch kompetitives Feld, die Zielgruppe sind schnell wachsende Unternehmen mit Technologien oder Projekten, die den Markt voraussichtlich stark verändern. Man muss genau prüfen, ob es Sinn macht hier ins Rennen zu gehen – oder ob man ein anderes Förderinstrument wählen sollte.“ 2014 bis 2016 erhielten deutsche KMU aus dem KMU-Instrument 76 Millionen Euro von der EU.

So hat zum Beispiel das bayerische Projekt „TrustNode“ des IT-Unternehmens InnoRoute GmbH aus München (www.innoroute.com) 50.000 Euro im Rahmen der Phase 1 des KMU-Instruments von der EU bekommen, um eine innovative Router-Technologie zu entwickeln. Routing bezeichnet das Übermitteln von Informationspaketen in einem Netzwerk. Konventionelle Router bewerten die Informationen nicht, die sie übermitteln, sondern leiten sie unbesehen zur weiteren Verarbeitung an kleinere Verteiler (Switches) weiter. Doch in einer Welt, in der viele smarte Objekte miteinander kommunizieren, funktioniert dieses System nicht mehr – genau hier setzt TrustNode an.

 Phase 2 des KMU-Instruments folgt idealerweise auf Phase 1, aber man kann auch unabhängig davon direkt einen Phase-2-Antrag stellen. „Das ist dann die große Förderung mit bis zu 2,5 Millionen Euro, die dafür gedacht sind, das Produkt auf den Markt zu bringen“, erklärt Reichel. Im nächsten Schritt beinhalten die sogenannten „business acceleration services“ die Unterstützung für den Markteintritt. Hier gibt es einen erleichterten Zugang zu Risikokapital und Markterschließungsmaßnahmen.
Der BayFOR-Geschäftsführer erläutert auch, dass es von Vorteil ist, wenn man von der EU Fördermittel erhalten hat. Denn das sei für private Investoren, die bei einer innovativen Geschäftsidee mit einsteigen könnten, ein Zeichen, dass es sich um ein ernsthaftes Projekt und keine Spinnerei handelt.

Informationsveranstaltung zu den Förderprogrammen


Wie speziell KMU von europäischen Förderungen profitieren können, präsentieren die BayFOR und die IHK für München und Oberbayern im Rahmen einer Informationsveranstaltung am 7. Dezember 2017 in der IHK Akademie München (Orleansstr. 10-12) von 8.30 bis 16 Uhr. Vorgestellt werden folgende Förderprogramme und Instrumente:

o Europäischer Innovationsrat (European Innovation Council, EIC): Im Europäischen Innovationsrat werden die wichtigsten EU-Instrumente zur Innovationsförderung vereint. Darunter fällt unter anderem das KMU-Instrument, das in den letzten drei Jahren europaweit rund 2300 Unternehmen mit insgesamt zirka 880 Millionen Euro gefördert hat, damit diese konkrete Ideen zur Marktreife bringen konnten. Das neue Arbeitsprogramm des KMU-Instruments wurde am 27. Oktober 2017 veröffentlicht.

o Marie-Sklodowska-Curie-Maßnahmen mit dem Teilprogramm RISE: Die Marie-Sklodowska-Curie-Maßnahmen (MSCA) unterstützen Fachpersonal im Bereich Innovation und Forschung sowie Forschende in Europa. Besonders interessant für KMU ist hierbei das Förderprogramm Research and Innovation Staff Exchange (RISE), das den Austausch von Forschenden sowie technischem und Managementpersonal international und/oder sektorübergreifend ermöglicht.

o EUREKA Eurostars: EUREKA Eurostars unterstützt forschungstreibende KMU, die innovative Produkte marktnah und in Zusammenarbeit mit internationalen Geschäftspartnern entwickeln möchten. Mit einer Erfolgsquote von 30 Prozent hat diese europäische Initiative in den letzten 3,5 Jahren fast 100 bayerische KMU und Forschungseinrichtungen gefördert.

o Unterstützung im Rahmen von IMP3rove und durch das Enterprise Europe Network: Die Analyse des Innovationsmanagements und der Innovationsfähigkeit mit dem etablierten Tool IMP3rove bietet KMU eine umfassende Darstellung ihrer Stärken und Schwächen beim Thema Innovation. Sie erhalten Anregungen zur Verbesserung des Innovationsmanagements und können sich über eine Benchmark-Analyse mit ihren Mitbewerbern vergleichen.

Im Anschluss an das offizielle Programm der Veranstaltung stehen die Referenten für Einzelberatungsgespräche zur Verfügung. Wer Interesse an einer Beratung hat, gibt dies bei der Anmeldung an und sendet eine ausgefüllte Projektskizze (erhältlich unter dem untenstehenden Link) bis zum 23. November an folgende E-Mail-Adresse: mozo(at)bayfor.org
(Ralph Schweinfurth)

Mehr unter www.bayfor.org/eu-foerderprogramme-kmu
Darüber hinaus stehen die wissenschaftlichen Referenten und Mitarbeiter des Enterprise Europe Network der Bayerischen Forschungsallianz für individuelle Beratungsgespräche zu Themen wie Identifizieren des richtigen Förderprogramms, Projektpartnersuche für europäische Verbundvorhaben, Antragsunterstützung und Vertragsvorbereitung zur Verfügung.

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