Wirtschaft

Die Gewerkschaft Verdi ruft ihre Mitglieder, die im öffentlichen Nahverkehr beschäftigt sind, am Freitag zur Arbeitsniederlegung auf. (Foto: dpa/CHROMORANGE, Michael Bihlmayer)

24.02.2026

Zwei Tage Warnstreik im Nahverkehr in 13 Städten Bayerns

Die Gewerkschaft Verdi ruft ihre Mitglieder, die im öffentlichen Nahverkehr beschäftigt sind, zur Arbeitsniederlegung auf. Betroffen sind unter anderem München, Nürnberg und Augsburg

In mehr als einem Dutzend bayerischer Städten dürfte der Nahverkehr am Freitag und Samstag weitgehend zum Erliegen kommen. Die Gewerkschaft Verdi ruft zu einem zweitägigen Warnstreik im kommunalen Nahverkehr auf, wie sie mitteilte. Betroffen sind demnach die fünf größten bayerischen Städte München, Nürnberg, Augsburg, Regensburg und Ingolstadt, zudem Fürth, Bamberg, Passau, Landshut, Schwabach, Bayreuth, Schweinfurt und Dachau. Auch in anderen Teilen Deutschlands wird gestreikt.

Wie schon in den vorhergehenden Streiks sind S-Bahnen, Regionalbahnen und Regionalbusse in der Regel nicht betroffen, da sie von anderen Unternehmen betrieben werden. Zudem ist damit zu rechnen, dass in den betroffenen Städten teilweise städtische Buslinien verkehren, die von externen Dienstleistern befahren werden. 

Selbst der Straßenverkehr war betroffen

Teilweise war es den Stadtwerken und Verkehrsunternehmen bei den jüngsten Warnstreiks zudem gelungen, Notfahrpläne zu organisieren oder auch auf einzelnen Tram- oder U-Bahn-Strecken einen ausgedünnten Verkehr aufrechtzuerhalten. Die Beeinträchtigungen waren dennoch enorm, der Straßenverkehr war durch deutlich stärkere Staus betroffen.

Verdi fordert für die etwa 9.000 Beschäftigten in mehr als 20 Unternehmen, für die der Tarifvertrag gilt, unter anderem eine Entgeltsteigerung um 668,75 Euro sowie eine Reduzierung der wöchentlichen Arbeitszeit. 

Gegenseitige Vorwürfe

In der Verhandlungsrunde am 13. Februar war es nach Einschätzung von Verdi zu keiner Annäherung gekommen. Statt die Forderungen "als überzogen zurückzuweisen, sollten die Arbeitgeber/innen endlich den Druck erkennen, der finanziell und aufgrund der Arbeitsbedingungen auf den Beschäftigten lastet und Verhandlungen auf Augenhöhe mit uns führen", fordert der stellvertretende Landesbezirksleiter von Verdi Bayern, Sinan Öztürk.

Wirtschaft fordert verpflichtende Schlichtung

Der Kommunale Arbeitgeberverband hatte die Warnstreiks zuletzt kritisiert. Die Forderungen der Gewerkschaft seien nicht erfüllbar. "Daran können auch die derzeitigen Streiks nichts ändern. Sie belasten daher die Bevölkerung zu Unrecht", teilte der Verband vergangene Woche mit. Zudem würden die Kostensteigerungen durch höhere Löhne "zwangsläufig zu höheren Fahrpreisen und einer Reduzierung des Verkehrsangebots führen".

Die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) kritisierte die angekündigten Warnstreiks als unverhältnismäßig und forderte, sie zurückzunehmen. "Die Gewerkschaft überspannt den Bogen bei weitem", erklärt Hauptgeschäftsführer Betram Brossardt. "Die geänderte Streikkultur der Gewerkschaften und eine arbeitskampffreundliche Rechtsprechung haben das Kräfteverhältnis zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern in Schieflage gebracht. Das muss dringend durch den Gesetzgeber korrigiert werden."

Wenn der Berufsverkehr lahmgelegt werde, habe das große Auswirkungen auf Pendler und Betriebe, merkte Brossardt an. "Das ist in der derzeitigen wirtschaftlichen Situation unseres Landes nicht hinnehmbar." Angesichts der "immensen streikbedingten Kosten" fordert er daher im Bereich der kritischen Infrastruktur eine verpflichtende Schlichtung, bevor es zum Arbeitskampf kommen könne. (dpa)

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