Bauen

Die Raumschale der Pfarrkirche St. Emmeram mit Blick auf die Emporen und die Orgel. (Foto: Thomas Splett)

01.09.2026

Bedeutendes Zeugnis frühbarocker Raumkunst

Restaurierung der Pfarrkirche St. Emmeram in Kleinhelfendorf

Ausgangspunkt der jüngsten Innenrestaurierung der Pfarrkirche St. Emmeram zu Kleinhelfendorf war die außerordentlich starke Verschmutzung des Innenraums, wesentlich befördert durch das ungünstige Raumklima. Eine nachhaltige Stabilisierung und Optimierung durch bauphysikalisch wirksame Maßnahmen (Temperierung, kontrollierte Lüftung), die einhergingen mit der notwendigen Ertüchtigung der technischen Infrastruktur, war hier dringend geboten. Darüber hinaus bedurfte es einer Verbesserung der räumlichen Kapazitäten, allen voran die Einrichtung einer Ministrantensakristei und einer Schatzkammer.

Herausfordernd stellte sich der Umgang mit dem ästhetischen Erscheinungsbild des hochwertigen Innenraums dar. Die einheitliche, frühbarocke Raumgestalt von Architektur, Raumschale und Ausstattung legte zunächst eine Wiederherstellung der bauzeitlichen Fassung des 17. Jahrhunderts nahe. Bei der Renovierung von 1907 war fälschlich die polychrome Zweitfassung von 1783 als Erstfassung identifiziert und rekonstruiert worden.

Nur gereinigt

Bereits bei der letzten Innenrenovierung 1961 hatte das Landesamt für Denkmalpflege für eine entsprechende Neufassung nach Befund mit ausdrücklichem Verzicht auf die für das 17. jahrhundert untypische Polychromie plädiert. Dennoch wurde die Raumschale, ähnlich wie die Altarausstattung, seinerzeit nur gereinigt und partiell überarbeitet, sodass die Fassungsredaktion von 1907 unverändert bestehen blieb.

Eine Rekonstruktion der Erstfassung des 17. Jahrhunderts wäre aber zwangsläufig mit einer überaus aufwendigen Freilegung und Überarbeitung des Stuckdekors verbunden gewesen, um die ursprüngliche und für das Erscheinungsbild wesentliche, plastische Schärfe und Prägnanz wiederzugewinnen. Da auch die farbliche Fassung der Altarausstattung von 1907 sich zwar an der Erstfassung des 17. Jahrhunderts orientierte, aber in beträchtlichem Maße neu interpretierte (zum Beispiel die Maserierung), hätte eine Neufassung des Stucks konsequenterweise auch eine Neufassung der Ausstattung nach sich ziehen müssen, wofür aber aus konservatorischen Gründen keinerlei Notwendigkeit bestand.

Vor diem Hintergrund sowie mit Blick auf die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen wurde – letztlich wie 1961 – bei Raumschale und Ausstattung ein weitgehend konservierender Ansatz im Sinne einer erweiterten Pflegemaßnahme verfolgt.

Die hohe Qualität des Interieurs sowie die pastorale Bedeutung als Pfarrkirche verlangten jedoch umso mehr nach einer grundlegenden Neuordnung der liturgischen Handlungszonen sowie einer adäquaten, künstlerischen Gestaltung der zugehörigen liturgischen Ausstattungsstücke, welche bislang nur sehr unzureichend gegeben war.

Maßnahmen zur baulichen Instandsetzung:
Unter anderem erfolgte die Erneuerung der Treppe zur oberen Sakristei und die Abfangung des Gewölbeschubs. Ertüchtigung der Emporen, der Sakristeidecke und des Turmaufstiegs. Erneuerung der Haustechnik (Elektroinstallation, Beleuchtung, Lautsprecheranlage, Blitzschutz). Einbau einer Bauteiltemperierung im Erdgeschoss und Erneuerung der elektrischen Sitzbankheizung. Einbau einer geregelten Lüftungsanlage sowie einer Alarmsicherung. Restaurierung und teilweise Neuverlegung des Bodenbelags sowie Erneuerung der Unterbauten von Laien- und Chorgestühl.

Restaurierung der Raumschale:
Unter anderem Entsalzung und Entfeuchtung der Sockelzone sowie Erneuerung des Sockelputzes. Schließung und Verpressung von Rissen, Festigung gelockerter Stuckelemente und Hinterfüllung hohl liegender Putze. Oberflächenreinigung (trocken und feucht) sowie Glättung rauher Wandflächen mittels Schleifvlies.

Restaurierung der Altarausstattung:
Oberflächenreinigung (trocken und feucht), Holzfestigung und bildhauerische Ergänzungen sowie Konsolidierung der Befestigungen und Montierungen. Entfernung elektrische Installationen, Festigung loser und gelockerter Fassungspartien sowie Kittung von Fehlstellen und Retusche. Behutsamer Glanzausgleich an den Fassungen und Auftrag mit Dammarfirnis sowie Abnahme verbräunter Firnisschichten an den Gemälden.

Verbesserte Lüftung

Restaurierung der holzsichtigen Ausstattung:
Unter anderem Entfernung der neuzeitlichen Wandvertäfelung von 1961 und Ersatz durch neue wandseitige Gestühlswangen zur verbesserten Hinterlüftung. Ertüchtigung der Konstruktion und Standsicherheit – Erneuerung durchgefaulter Konstruktionshölzer. Festigung und Leimung von gelösten Bauteilen, Ornamenten und Profilen sowie Aufwertung der eichenen Oberflächen durch Auftrag von Halböl mit Kolophoniumlack. Darüber hinaus Ergänzung fehlender Bau- und Zierelemente.

Die Pfarrkirche St. Emmeram ist dank ihrer außerordentlichen künstlerischen Qualität eines der bedeutendsten Zeugnisse frühbarocker Raumkunst in Altbayern. (Alexander Heisig)
 

Kommentare (0)

Es sind noch keine Kommentare vorhanden!
Die Frage der Woche

Soll Mietern der Bau von Klimaanlagen erleichtert werden?

Unser Pro und Contra jede Woche neu
Diskutieren Sie mit!

Die Frage der Woche – Archiv
X
Vergabeplattform
Vergabeplattform

Staatsanzeiger eServices
die Vergabeplattform für öffentliche
Ausschreibungen und Aufträge Ausschreiber Bewerber

Beilagen

> Das neue vbw Unternehmermagazin ist online

„Die Bundesregierungskoalition hat noch schnell Reformen angekündigt, ehe sie sich in die Berliner Sommerpause verabschiedete. Eine Sommerpause übrigens, die sich die Wirtschaft nicht leistet. Unternehmer und Manager sind stets am Sprung“, sagt Bertram Br

> Das einblicke-Magazin der Bundesgesellschaft für Endlagerung ist online

Die Suche nach dem sichersten Ort für unseren Atommüll ist eine staatliche Jahrhundertaufgabe. Das einblicke-Magazin der Bundesgesellschaft für Endlagerung stellt vier Menschen vor, die diese Mission bei der Bundesgesellschaft für Endlagerung mit ihre

> Änderung der Gemeindeordnung

Liebe Leserinnen und Leser des Kommunalen Taschenbuchs, die Gemeindeordnung des Freistaats Bayern hat sich am 23. Dezember 2025 nach Redaktionsschluss (14. November 2025) nochmals geändert. Die entsprechenden Seiten können Sie hier herunterladen.

Jahresbeilage 2025

Nächster Erscheinungstermin:
28. November 2026

Weitere Infos unter Tel. 089 / 29 01 42 54 /56
oder
per Mail an anzeigen@bsz.de

Download der aktuellen Ausgabe vom 28.11.2025 (PDF, 16,5 MB)

E-Paper
Unser Bayern

Das kunst- und kulturhistorische Online-Magazin der Bayerischen Staatszeitung

Abo Anmeldung

Passwort vergessen?

Geben Sie Ihren Benutzernamen oder Ihre E-Mail ein um Ihr Passwort zurückzusetzen. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an: vertrieb(at)bsz.de

Zurück zum Anmeldeformular 

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.

Abo Anmeldung

Passwort vergessen?

Geben Sie Ihren Benutzernamen oder Ihre E-Mail ein um Ihr Passwort zurückzusetzen. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an: vertrieb(at)bsz.de

Zurück zum Anmeldeformular 

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.

Unser Bayern - Nachbestellen

Aktuelle Einzelausgaben des Online-Magazins „Unser Bayern” können im ePaper der BSZ über den App-Store bzw. Google Play gekauft werden.