Die leise Hoffnung unter unseren Mitgliedsbetrieben, es könne mit der Baukonjunktur im Jahr 2026 wieder bergauf gehen, hat sich unter den Auswirkungen der aktuellen Iran-Krise leider jäh zerschlagen. Die gestiegenen Dieselpreise belasten die Bauunternehmen unmittelbar. Auch die Preise erdölbasierter oder energieintensiver Baustoffe steigen, was sich deutlich in den Einkaufspreisen niederschlägt. Darüber hinaus lässt sich die Investitionszurückhaltung in den weiter sinkenden Auftragsbeständen erkennen. Das Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaschutz kommt offenbar so gut wie gar nicht in der Praxis an.“ So fasste Georg Gerhäuser, Präsident des Landesverbands Bayerischer Bauinnungen (LBB), die Ergebnisse der Frühjahrs-Konjunkturumfrage zusammen.
Rückgang der Auftragsbestände
Die Iran-Krise schlägt sich bereits spürbar in der Geschäftslage der Bauunternehmen nieder, so Gerhäuser. Insgesamt beurteilen nur noch 13,3 Prozent der Unternehmen ihre gegenwärtige Situation positiv (Vorjahr: 15 Prozent). Besonders drastisch zeige sich die Lage im Öffentlichen Hochbau: Nur noch 2,5 Prozent der Unternehmen bezeichnen ihre Geschäftslage als gut – über 76 Prozent hingegen als schlech (Vorjahreswerte: 3,9 Prozent und 63,5 Prozent). In den Bereichen Wirtschafts- und Straßenbau bezeichnet mehr als jedes zweite Unternehmen seine Geschäftslage als schlecht.
Vor einem Jahr, so Gerhäuser, war diese Einschätzung noch um jeweils 6 Prozentpunkte besser. Auch im sonstigen Tief- und Ausbau beurteilen die Betriebe ihre Geschäftslage zwar noch immer deutlich besser als in den anderen Bereichen, aber schlechter als im Jahr zuvor. Allein im Wohnungsbau Haben sich die Umfragewerte leicht verbessert: 15 Prozent der Unternehmen sehen ihre Lage als gleichbleibend gut, weitere 36,3 Prozent als befriedigend (Vorjahr: 33,3 Prozent) und 48,7 Prozent als schlecht (Vorjahr: 51,6 Prozent).
Die Geschäftsentwicklung schätzen die Unternehmen pessimistischer als im Vorjahr ein. Durchschnittlich 35,1 Prozent der Betriebe gehen in den nächsten sechs Monaten von einer Verschlechterung der Geschäftslage aus (2025 waren dies noch 25,1 Prozent). Lediglich 7 Prozent erwarten laut Gerhäuser eine Verbesserung.
Diese Stimmung sei über alle Sparten hinweg zu beobachten – besonders trüb sind laut Umfrage die Aussichten im Öffentlichen Hochbau. Hier gehen 42,4 Prozent der Unternehmen von einer Verschlechterung aus. Auch im Wohnungs-, Wirtschafts- und Straßenbau nehmen über ein Drittel der Betriebe an, dass sich ihre Geschäftslage im nächsten halben Jahr negativ entwickeln wird.
Die Bewertung der Auftragsbestände hat sich nach den Worten Gerhäusers leicht verschlechtert: Insgesamt 52,5 Prozent der Betriebe würden ihre Auftragsbestände als zu klein beurteilen. Ein Minus von 0,7 Prozent gegenüber 2025. Sorgenkind ist und bleibt der Öffentliche Hochbau, wo 72,5 Prozent der Unternehmen zu wenige Aufträge beklagen. Aber auch im Wohnungs-, Wirtschafts- und Straßenbau sieht es kaum besser aus.
Währenddessen ist die Auftragslage im sonstigen Tief- und Ausbau relativ gut. Alarmierend ist jedoch, so der LBB-Präsident, dass die Auftragsreichweite bei mehr als der Hälfte der Unternehmen über alle Sparten hinweg nur noch bis zu zwei Monate beträgt. Dies habe sich gegenüber dem Vorjahr weiter nach unten entwickelt. Auch hier, so Gerhäuser, ist der Öffentliche Hochbau am stärksten betroffen. Bei jedem zweiten Unternehmen reichen die Auftragsbestände bis maximal sechs Wochen in die Zukunft.
„Insbesondere im Öffentlichen Hochbau lag noch im letzten Jahr viel Hoffnung auf den Maßnahmen und zusätzlichen Investitionen der Bundesregierung – die jedoch offensichtlich in der Praxis bisher nicht angekommen sind. Die Effekte des Bau-Turbos etwa spüren 50,2 Prozent der Betriebe gar nicht, weitere 23,8 Prozent können diese nicht beurteilen und nur ein Viertel der Unternehmen spüren eine positive Auswirkung – wenn auch in geringem Umfang. Auch führte das Sondervermögen Infrastruktur und Klimaschutz laut dreiViertel der Betriebe nicht dazu, dass öffentliche Auftragsvergaben zunehmen. Das ist eine niederschmetternde Bilanz“, so der Verbandspräsident. Nur 2,9 Prozent der Unternehmen würden eine Zunahme spüren, 22,3 Prozent können das nicht beurteilen.
Wie bereits 2025 bremsen vor allem fehlende Aufträge (51,3 Prozent) und der Arbeitskräftemangel (58,2 Prozent) die Bautätigkeit. Aktuell behindern aber auch Preissteigerungen und erste Lieferschwierigkeiten von Baumaterial (37,6 Prozent) in Folge der Iran-Krise die Bauabläufe. Insgesamt 96,4 Prozent der Unternehmen beklagen deutlich oder zumindest leicht gestiegene Einkaufskosten. Das ist laut Gerhäuser eine dramatische Erhöhung gegenüber 2025 um 53,9 Prozent.
Politische Maßnahmen bleiben ohne Effekt
Speziell die Preise bei Bitumen und Kunststoffen werden bei rund 43 Prozent der Betriebe als sehr hoch eingeschätzt, bei Beton sind es 37,5 Prozent. Zudem erwarten 72 Prozent der Unternehmen, so die Umfrage, künftig deutliche Preisanstiege und weitere 25,5 Prozent leichtere. Dauerbrenner seien außerdem auch die hohen Kosten für die Entsorgung von Bauschutt und Aushub.
Im Durchschnitt rechnet rund die Hälfte aller Unternehmen mit sinkenden Umsätzen für das Jahr 2026. Das bedeutet eine deutliche Eintrübung der Aussichten in allen Bausparten gegenüber dem Vorjahr, vor allem im Öffentlichen Hochbau und im Straßenbau. Dennoch halten die Betriebe ihre Beschäftigungszahlen weiterhin hoch. Der LBB-Präsident betonte: „Besonders stark zeigt sich die krisenresistente Mentalität der Unternehmen im Hinblick auf die Ausbildungsangebote. 32,4 Prozent der Betriebe möchten die Zahl ihrer Lehrlinge erhöhen, das sind fast 8 Prozent mehr als 2025.“ Nur 13,4 Prozent wollen die Anzahl ihrer Auszubildenden verringern (2025 waren es 15,5 Prozent).
„Wir hoffen, dass mehr junge Menschen die Chance einer Ausbildung im Baugewerbe ergreifen – über die Hälfte der Betriebe bietet Lehrstellen an, die noch unbesetzt sind (55,3 Prozent)“, so Gerhäuser.
Nach Auskunft des Bayerischen Landesamts für Statistik stieg das Genehmigungsvolumen für Wohnungen von Januar bis März 2026 im Vorjahresvergleich um 12,1 Prozent (1659 Wohnungen). Dies zeige, dass sich die leicht positive Entwicklung der letzten beiden Quartale 2025 auf niedrigem Niveau fortsetzt. „Auch wenn diese Zahlen nur Frühindikatoren darstellen und sich frühestens in zwei Jahren in fertiggestellten Wohnungen niederschlagen, lassen sie doch hoffen, dass sich die Situation im Wohnungsbau leicht verbessert. Politisch sollte das durch Investitionsanreize weiter verstärkt werden: Beim Neubau von Mietwoh-nungen könnte vor allem eine Erleichterung bei der Sonder-AfA helfen. Aktuell muss der teure EH-40-QNG-Standard eingehalten werden. Hier sollte eine Absenkung auf den immer noch sehr guten EH-55-Plus-Standard erfolgen“, forderte Gerhäuser. „Außerdem fehlt fast vollständig eine Förderung für Selbstnutzer. Die Möglichkeit einer steuerlichen Abschreibung könnte hier erhebliche Investitionen auslösen.“ (Friedrich H. Hettler)
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