Bauen

Der Morgenländische Bau im Felsengarten Sanspareil. (Foto: V. Freudling, M. Scherf)

15.06.2026

Natur-, Garten- und Kulturgeschichte

Wiedereröffnung des Morgenländischen Baus im Felsengarten Sanspareil

Nach rund vier Jahren Restaurierung ist der Morgenländische Bau im Felsengarten Sanspareil bei Wonsees jetzt wieder für Besucherinnen und Besucher geöffnet. Finanz- und Heimatstaatssekretär Martin Schöffel (CSU) hob Sanspareil bei der Wiedereröffnung als „einzigartiges Gesamtkunstwerk und Heimatjuwel in Oberfranken“ hervor. Schöffel betonte zudem, dass der Freistaat Bayern für die Restaurierung und den Erhalt des Morgenländischen Baus sowie des benachbarten Schusterhauses insgesamt über zwei Millionen Euro investierte.

Mit dem Abschluss der Arbeiten zeigt die Bayerische Schlösserverwaltung eine neue Dauerausstellung, die die besondere Verbindung von Natur und Kultur, Erdgeschichte und Gartenkunst in Sanspareil hervorhebt. Die Wiedereröffnung wurde im Rahmen der Residenztage Bayreuth & Sanspareil 2026 am 17. Mai mit einem bunten Programm gefeiert. 

Zwischen 1744 und 1746 errichtete Hofbaumeister Joseph Saint-Pierre den Morgenländischen Bau als Teil eines Lustschlossensembles für das Bayreuther Markgrafenpaar Friedrich und Wilhelmine. Er entstand dabei ursprünglich als ländliche Eremitage und Rückzugsort der Markgrafen. Seinen Namen erhielt das Gebäude durch das einst orientalisch inspirierte Dach, das jedoch bereits im 18. Jahrhundert aus Witterungsgründen verändert wurde. Bis heute prägen die mit Glasflüssen und Tuffstein gestalteten Fassaden den märchenhaft-rustikalen Charakter des Gebäudes. Die rau gestalteten Fassaden stehen in bewusstem Kontrast zu den feinen Rokoko-Stuckarbeiten im Inneren und den repräsentativen Räumen höfischer Wohnkultur.

Instandsetzung
des Dachstuhls

Die gesamte Anlage fügt sich gezielt in die eindrucksvolle Felsenlandschaft nahe der Burg Zwernitz ein. Ihren Namen verdankt der Felsengarten einer Hofdame Markgräfin Wilhelmines, die beim Anblick der bizarren Felsen ausrief: „C’est sans pareil!“ – „Das ist ohnegleichen!“.

Die heutige Landschaft des Felsengartens reicht tief in die Erdgeschichte zurück. Vor über 150 Millionen Jahren lag hier ein tropisches Meer, in dem riffbildende Organismen ein mächtiges Korallenriff schufen. Heute bedeckt ein Buchenwald das verwitterte Riff und bildet die eindrucksvolle Kulisse für die Gartenanlage des 18. Jahrhunderts. Schon das Markgrafenpaar Friedrich und Wilhelmine ließ sich von dieser besonderen Verbindung aus Natur und Felslandschaft zu einem in der Gartengeschichte einzigartigen, von chinesischen Vorbildern geprägten Park inspirieren. 

Die neue Dauerausstellung greift dieses Alleinstellungsmerkmal auf und verbindet geologische, paläontologische und kulturhistorische Themen. Besucherinnen und Besucher erhalten Einblicke in die Entstehung der Landschaft, die Geschichte des Felsengartens von den Fischsauriern bis zum heutigen Tourismus und die höfische Gartenkunst der Markgrafenzeit. Die geologische Bedeutung beschränkte sich in der Markgrafschaft Bayreuth nicht auf Sanspareil. Insbesondere der Abbau von Dekorgesteinen wie Marmoren war von wirtschaftlicher wie repräsentativer Bedeutung für das Fürstenhaus und fand seinen Niederschlag in den Schlossausstattungen und der Naturaliensammlung.

Diese einst bedeutende Sammlung konnte exemplarisch in einem Naturalienkabinett rekonstruiert werden. Dafür kam auch eine bedeutende Elfenbeinschüssel als Leihgabe in die Markgrafschaft zurück, die heute zum Bestand des Bayerischen Nationalmuseums gehört. Historische Dekorgesteine, Fossilien, zoologische Objekte und digitale Rekonstruktionen veranschaulichen die Entwicklung des Areals. Zahlreiche historische Exponate wurden für die neue Dauerausstellung restauriert und durch bedeutende Leihgaben verschiedener Institutionen ergänzt.

Die Restaurierungsarbeiten am Morgenländischen Bau seit 2022 waren umfangreich. Sie umfassten die Instandsetzung des Dachstuhls, der Dachdeckung sowie sämtlicher Raumschalen im Inneren des Gebäudes. Ein besonderes Augenmerk wurde hierbei auch auf die wertvollen Stuckfragmente gelegt, die durch zahlreiche Überarbeitungen der letzten Jahrhunderte stark überformt und dadurch beeinträchtigt waren.

Mit großem Feingefühl wurden Oberflächen geglättet, Fluchten begradigt, Konturen geschärft und in Teilbereichen auch Stuckprofile nachgezogen. Dabei galt die Prämisse: Größtmöglicher Erhalt der Originalsubstanz bei gleichzeitiger Erlebbarkeit der bewegten Geschichte des Baus samt den Verlusten. Damit die feine Eleganz der Räume wieder vollumfänglich zur Geltung kommen kann, wurden zudem über 200 Quadratmeter kostbarer historischer Parkettböden aufwendig gereinigt und instandgesetzt. Sie präsentieren sich heute wieder in ihrer natürlichen und warmen Farbigkeit. 
Neben den restauratorischen Maßnahmen wurde auch die Barrierefreiheit durch eine neue Zuwegung verbessert und der Kunstgutschutz durch eine neue Überwachungstechnik und eine neue Eingangstür optimiert. Dank einer neuen Wandtemperierung und weiteren bauklimatischen Ertüchtigungen finden die Museumsexponate nun noch bessere konservatorische Bedingungen vor.

Ein neues Lichtkonzept optimiert die Lichtsituation, während zugleich der neue Lichtschutz die Exponate effizienter schützt. Zahlreiche Expertinnen und Experten der Bayerischen Schlösserverwaltung und des Staatlichen Bauamts Bayreuth arbeiteten an der Restaurierung und entwickelten gemeinsam das neue Museumskonzept. Gemeinsam mit dem Landesamt für Digitalisierung, Breitband und Vermessung entstanden 3D-Modelle des Felsengartens und seiner teils verlorenen Bauten, die die Präsentation ergänzen. Zudem steht Besuchern im Morgenländischen Bau nun BayernWLAN zur Verfügung.

Mit der Wiedereröffnung des Morgenländischen Baus wird einer der außergewöhnlichsten Orte der Markgrafenkultur in Oberfranken wieder erlebbar. Die neue Dauerausstellung vereint Naturgeschichte, Gartenkunst und Kulturgeschichte und eröffnet Besuchern neue Perspektiven auf den einzigartigen Felsengarten Sanspareil. (Ines Holzmüller)
 

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