Noch gibt's "Büro-Sharing" mit dem Amtsinhaber, doch bald gehört Sebastian Niedermaier das OB-Büro im Bamberger Rathaus alleine: Vom 1. Mai an ist er offiziell Oberbürgermeister der Stadt, nachdem er am 22. März die Stichwahl gewonnen hatte. Der Übergang ist fließend, schon seit Wochen ist Niedermaier dabei, sich einzuarbeiten, viele Ansprechpersonen kennenzulernen. Auch die Zusammenarbeit mit Andreas Starke, der zwei Jahrzehnte an der Stadtspitze stand und nicht wieder zur Wahl angetreten war, klappe gut: "Es ist von Vorteil, dass der Andi Starke und ich uns gut verstehen."
Niedermaier saß zwar schon seit 2014 im Bamberger Stadtrat, hauptberuflich aber führte er eine Bio-Gärtnerei. Ob ihm der Abschied schwerfalle? Nein, sagt der SPD-Politiker. Er habe die Entscheidung zur Kandidatur ja bewusst getroffen und sich damals schon mit dem Gedanken vertraut gemacht, eventuell die Branche zu wechseln. Der Betrieb bleibe zudem in der Familie, seine Frau habe die Geschäftsführung übernommen. Und irgendwie sei er ja auch als OB weiterhin "mittendrin": Er wohne auf dem Gelände der Gärtnerei. Und gut möglich, dass die Kundschaft im Hofladen dort auch dem Oberbürgermeister über den Weg läuft: "Das ist so in unserer Gärtnerstadt, das ist Bamberg."
Viele Mandatsträger in der Bundes-, Landes- oder Kommunalpolitik haben einen beruflichen Hintergrund in der Verwaltung oder haben Jura studiert. Ein Gärtnermeister mit eigenem Betrieb? Niedermaier wirkt hier fast exotisch, sieht das aber als großen Vorteil. Handwerker und Unternehmer seien selten in der Politik, sagt der 37-Jährige. Doch: "Dieser Input von außen tut ganz gut".
Berufliches Neuland - wer hilft?
Für zahlreiche neu gewählte Bürgermeisterinnen und Bürgermeister sowie Landräte beginnt am Freitag (1. Mai) ein völlig neuer Lebensabschnitt. Manche wechseln zwar lediglich vom Stellvertreter-Büro ein paar Türen weiter ins Chefbüro - so etwa Münchens neuer OB Dominik Krause (Grüne) oder Bayreuths neuer Rathauschef Andreas Zippel (SPD). Andere betreten berufliches Neuland.
Alleine damit sind sie freilich nicht, wie Achim Sing, Sprecher des Bayerischen Städtetags versichert. Die Verwaltungen stünden den neuen Bürgermeistern und Oberbürgermeistern zur Seite. "Die Verwaltungen sind nicht zu unterschätzen." Auf sie sei Verlass. Das Zusammenspiel von Verwaltung, Stadtrat und Bürgermeister helfe sehr, um die Übergänge gut zu gestalten. Sing betont, dass trotz aller Parteipolitik der Stadtrat ein "Kollegialorgan" sei.
Die kommunalen Spitzenverbände in Bayern und auch andere Akteure bieten zudem nach den Wahlen und vor dem offiziellen Amtsstart Seminare und andere Veranstaltungen für die Neugewählten an, um sie fit zu machen für den neuen Job.
Der Städtetag zum Beispiel informierte nach Sings Worten etwa über Themen wie Geschäftsordnung, Gremienzuschnitte, Sitzungsleitung, Kommunalfinanzen und Baurecht.
"Praxisnaher Einstieg"
Der Bayerische Gemeindetag organisiert an sieben Standorten in Bayern Seminare für neue Rathauschefs. In den Kommunen, die beim Gemeindetag organisiert sind, kommen rund 40 Prozent der Bürgermeisterinnen und Bürgermeister neu ins Amt.
Die neu gewählten Landrätinnen und Landräte der bayerischen Kreise trafen sich nach Angaben des Landkreistags in der Vorwoche in München - für einen "praxisnahen Einstieg in die vielfältigen Aufgaben". Der Präsident des Landkreistags, Thomas Karmasin aus Fürstenfeldbruck, und der Landrat von Bad Tölz-Wolfratshausen, Josef Niedermaier, gaben demnach persönliche Einblicke in ihre Amtsführung. "Das Amt der Landrätin bzw. des Landrats erfordert täglich eine Balance zwischen fachlicher Verantwortung, organisatorischer Steuerung und politischer Einordnung", hieß es. Klarheit, Verlässlichkeit und einem bewussten Umgang mit Ressourcen - insbesondere Zeit und Aufmerksamkeit seien wichtige Faktoren.
Amtsübernahme, dann erste Sitzung
Die Wahlberechtigten in Bayern waren am 8. März aufgerufen, in den allermeisten Städten, Gemeinden und Kreisen neue Kreis-, Stadt- oder Gemeinderäte zu wählen - und Bürgermeister, Oberbürgermeister und Landräte. Schaffte bei den Personenwahlen kein Kandidat mehr als 50 Prozent der Stimmen, so war eine Stichwahl zwischen den beiden Bestplatzierten nötig: Am 22. März schließlich klärte sich das künftige Führungstableau in den Kommunen. Amtsantritt für die neu gewählten Bürgermeister und Landräte ist der 1. Mai. In den folgenden Tagen finden dann die konstituierenden Sitzungen der Stadt-, Gemeinde- und Kreisräte statt.
In der Landeshauptstadt München zum Beispiel wird der neue OB Dominik Krause am 11. Mai vereidigt. Der neue Stadtrat von Bayerns zweitgrößter Stadt Nürnberg kommt am 6. Mai nach städtischen Angaben erstmals zusammen, neu gewählte Stadträtinnen und Stadträte werden dabei vereidigt. Wie sonst natürlich auch in den neu konstituierten kommunalen Gremien in ganz Bayern. (dpa)
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