Kommunales

Der gelernte Schreiner Michael Hohenleitner in seinem Büro im Rathaus. Stolz hält er die Auszeichnung des St.-Anna-Fests im Ortsteil Staucharting als immaterielles Kulturerbe in Bayern in seinen Händen. (Foto: Patrik Stäbler)

11.09.2026

Michael Hohenleitner: Vom Schreiner zum Sauerlacher Bürgermeister

„Hohenleitner packt’s an.“ Diese Ankündigung aus dem Wahlkampf hat Sauerlachs neuer Rathauschef Michael Hohenleitner (CSU) in seinem Bürgermeisterbüro noch nicht umgesetzt. In der Gemeindepolitik hingegen hat der 50-jährige Ex-Unternehmer bereits einiges angestoßen

An den nackten Wänden des Bürgermeisterbüros hängt noch kein einziges Bild, und auch auf dem fast leeren Schreibtisch sucht man vergebens nach persönlichen Erinnerungsstücken. Für die Einrichtung seines neuen Arbeitsplatzes habe er schlicht noch keine Zeit gehabt, sagt Michael Hohenleitner und hebt entschuldigend die Arme. „Es waren bisher einfach zu viele Termine.“

Einzig eine Medaille mit einer Zwei in der Mitte baumelt einsam und verlassen an einem Nagel an der Wand. „Die ist von unserem Betriebsausflug“, erzählt Hohenleitner, der seit 1. Mai Bürgermeister von Sauerlach ist, einer 8000-Einwohner-Gemeinde im Süden von München. Gemeinsam mit allen Rathausbeschäftigten sei es zum Bauerngolf gegangen, und dort habe sein Team den zweiten Rang belegt.

Mehrfach verlor die CSU gegen Unabhängige 

Just dieser Rang ist über Jahre hinweg auch der unfreiwillige Stammplatz seiner Partei bei den Bürgermeisterwahlen in Sauerlach gewesen. So mussten sich die Kandidaten der CSU gleich dreimal hintereinander Barbara Bogner von der Unabhängigen Bürgervereinigung (UBV) geschlagen geben, die von 2008 bis 2026 den Chefsessel im Rathaus innehatte.

Doch bei der jüngsten Kommunalwahl konnte die CSU das Bürgermeisteramt zurückerobern: Mit 33 Prozent der Stimmen zog Michael Hohenleitner als Führender in die Stichwahl ein, in der er mit 54 Prozent die Oberhand gegen UBV-Kandidat Klaus Zimmermann behielt.

Nach den Gründen für seinen Erfolg gefragt, sagt der gelernte Schreiner, der zuletzt als selbstständiger Unternehmer tätig war: „Entscheidend war sicher, dass wir einen unglaublichen Wahlkampf auf die Füße gestellt haben, wie es ihn in Sauerlach noch nie gab.“ Nicht nur habe er zig Termine absolviert und an unzähligen Haustüren geklingelt. Sondern obendrein habe seine Partei mit Hochglanzmagazinen und auf Social Media für ihn geworben. „Da war ich am Anfang selbst etwas skeptisch“, räumt Hohenleitner mit Blick auf seinen digitalen Wahlkampf ein. „Aber das gehört mittlerweile dazu. Und das Aufzeichnen der Videos hat mir sogar richtig Spaß gemacht.“

Wobei der Wahlkampf für ihn eine extrem stressige Zeit gewesen sei, gesteht der 50-Jährige. Nicht nur jagte ein Termin den nächsten, sondern parallel dazu habe er auch seine Firma für Bauelemente am Laufen halten müssen. Und als wäre das nicht genug, kam noch ein Hausbau auf dem elterlichen Grundstück im Sauerlacher Ortsteil Arget hinzu, in das Hohenleitner inzwischen mit seiner zweiten Ehefrau eingezogen ist.

„Aber ich habe ja gewusst, worauf ich mich einlasse“, sagt der Rathauschef – ein Satz, den er später auch über seinen neuen Job als Bürgermeister wiederholt. Dabei ist Michael Hohenleitner vergleichsweise neu in der Kommunalpolitik: Erst 2020 bewarb er sich als CSU-Kandidat erstmals für den Gemeinderat und wurde prompt in das Gremium gewählt – wohl auch wegen seiner Verwurzelung in der Gemeinde. So ist Hohenleitner in Sauerlach aufgewachsen, war Vorsitzender des Burschenvereins, brachte sich bei der Feuerwehr ein und rief mit anderen die Argeter Dorfweihnacht ins Leben – ein Christkindlmarkt mit echter Handwerkskunst und heimischen Musikgruppen, der zuletzt mehr als 10 000 Besucherinnen und Besucher anzog.

„Man tut sich natürlich leichter, wenn man die Strukturen im Ort kennt“, sagt Hohenleitner. Bereits wenige Monate nach seinem Einzug in den Gemeinderat stieg er dort zum Fraktionschef der CSU auf und entwickelte sich zu einer Art Oppositionsführer. „Ich war schon immer ein Mensch, der gerne gestaltet und etwas bewegen will“, sagt Hohenleitner, „auch wenn es in den vergangenen sechs Jahren nicht so oft geklappt hat.“

Saurlach braucht ein neues Gymnasium

Denn häufig seine Partei scheiterte mit ihren Anträgen und Ideen oftmals am Widerstand der übrigen Fraktionen und an der Bürgermeisterin. Das soll laut Hohenleitner nun anders werden – getreu dem Slogan, den er im Wahlkampf auf Grillzangen, Honiggläser und Äpfel drucken ließ: „Hohenleitner packt’s an.“ Und angepackt werden muss in Sauerlach einiges – etwa das Thema neues Gymnasium.

Dieses ist in der Gemeinde zwar seit Längerem genehmigt, jedoch zieht sich die Suche nach einem Standort nun schon etliche Jahre. Der Grund: Die Kommune, die das Grundstück für die Schule stellen muss, verfügt selbst über kein geeignetes Areal. Daher ist das Rathaus auf andere Eigentümer angewiesen, die im Gegenzug nebst dem Gymnasium auch Wohnungen bauen wollen. Und genau hier entspringen die Befürchtungen vieler Menschen im Ort und etlicher Gemeinderatsmitglieder, wonach Sauerlach durch einen massiven Zuzug überfordert werden und seinen Charakter verlieren könnte. „Es gibt den großen Wunsch in der Gemeinde, dass die ländlichen Strukturen nicht verloren gehen“, weiß Hohenleitner. Er betont: „Ich bin für ein Gymnasium in Sauerlach“ – nur um im nächsten Satz hinzuzufügen: „aber nicht um jeden Preis.“

Der geplante Schulneubau wird den Bürgermeister jedenfalls in seiner Amtszeit begleiten – ebenso wie das Thema Finanzen.

Denn wie auch andere Kommunen im eigentlich reichen Landkreis München hat Sauerlach mit Finanzproblemen zu kämpfen.

"Wir werden sparen müssen"

 

„Die Lage ist schwierig“, räumt Hohenleitner ein. „Wir hangeln uns an einem Seil entlang, das nahe am Abgrund verläuft.“ So ist der Schuldenstand der Gemeinde zuletzt auf 20 Millionen Euro gestiegen – bei jährlichen Gewerbesteuereinnahmen von kaum sechs Millionen Euro.

„Wir werden sparen müssen“, betont der Bürgermeister. Zugleich sei es eines seiner wichtigsten Ziele, die Einnahmen der Gemeinde zu steigern. Allen voran soll dies durch die Ansiedlung von Firmen gelingen. Hierzu will Hohenleitner ein neues Gewerbegebiet ausweisen, schließlich sei die Nachfrage von Unternehmen nach freien Flächen groß. Um den Kontakt zur Wirtschaft zu intensivieren, hat der Gemeinderat einen neuen Wirtschafts- und Entwicklungsausschuss bekommen. Zudem habe er seit seinem Amtsantritt zahllose Gespräche mit Gewerbetreibenden und Geschäftspartnern geführt, berichtet Hohenleitner.

Als weiteres Ziel nennt er eine bessere Kommunikation mit den Bürgerinnen und Bürgern. Hierzu soll die Gemeinde unter anderem eine eigene App anbieten, die Interessierte mit Nachrichten über Vereine, Veranstaltungen, Baustellen und das Geschehen im Ort informiert.

Doch auch solch vergleichsweise kleinen Projekte brauchen ihre Zeit – diese Erkenntnis hat Michael Hohenleitner seit seinem Amtsantritt mehrfach machen müssen. „Man muss sich daran gewöhnen, dass nicht alles so schnell geht wie auf dem freien Markt“, sagt der ehemalige Unternehmer.

Und doch habe er seinen Wechsel ins Rathaus bislang zu keinem Zeitpunkt bereut, versichert der Bürgermeister, auch wenn sich sein Leben und das seiner Familie seit dem 1. Mai „komplett verändert“ habe. Denn anders als früher sei die Arbeit als Rathauschef „ein Stück weit fremdgesteuert“ durch die vielen Termine und Treffen, die Sitzungen und Besprechungen.

Einen Termin hat Michael Hohenleitner freilich nur zu gerne wahrgenommen – und zwar Ende Juni in der Allerheiligen-Hofkirche der Münchner Residenz. Dort nahm eine Abordnung aus Sauerlach aus der Hand von Heimatminister Albert Füracker (CSU) die Auszeichnung des St.-Anna-Fests im Ortsteil Staucharting als immaterielles Kulturerbe in Bayern entgegen. Jene Traditionsveranstaltung, bei der jährlich Wallfahrerinnen und Wallfahrer zu Fuß und mit Pferden zu einer Waldkapelle im Deisenhofener Forst ziehen, kennt Michael Hohenleitner noch aus seiner Kindheit. Entsprechend sei die Aufnahme des St.-Anna-Fests in das Bayerische Landesverzeichnis des immateriellen Unesco-Kulturerbes eine große Ehre gewesen.

Für die zugehörige Urkunde muss der Bürgermeister indes erst noch einen Platz finden. Aktuell steht sie etwas versteckt auf einer Kommode in seinem Büro – nur eine Armlänge von jener vereinsamten Bauerngolf-Medaille entfernt. Es gibt also noch einiges zu tun für Michael Hohenleitner – sowohl in seiner Gemeinde als auch in seinem Büro.
(Patrik Stäbler)

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