Kommunales

Dieter Reiter auf dem Rathausbalkon bei der Meisterschaftsfeier des FC Bayern München im vergangenen Jahr: Wird dem SPD-Mann seine Fußballleidenschaft zum Verhängnis? (Foto: dpa/Stefan Matzke)

14.03.2026

Münchens OB-Reiter: Der Bürgerking strauchelt

Münchens OB Dieter Reiter verschwieg dem Stadtrat die Bezahlung für seine Nebentätigkeit beim FC Bayern – das kostete ihn Stimmen

Die Münchner haben OB Dieter Reiter abgestraft. Nun muss der SPD-Mann in die Stichwahl gegen den Grünen Dominik Krause. Für dessen Partei ist die Abstimmung die Chance, das bayernweit schlechte Ergebnis in einen Sieg umzudeuten.

Der FC Bayern München ist hinlänglich bekannt für sein Siegergen, das der Rekordmeister allenthalben beschwört. Im Falle der Oberbürgermeisterwahl in der Landeshauptstadt hat sich nun jedoch ausgerechnet Deutschlands erfolgreichster Fußballclub als Bürde erwiesen – und zwar für Dieter Reiter (SPD).
Denn nur wenige Tage vor der Abstimmung über die künftige Besetzung des Chefbüros im Rathaus musste der Amtsinhaber einräumen, dass er Einkünfte aus seiner Nebentätigkeit im Verwaltungsbeirat des FC Bayern beim Stadtrat nicht angegeben hatte. Nun prüft die Regierung von Oberbayern ein Disziplinarverfahren gegen Reiter. Obendrein hatte dieser in der jüngsten Stadtratssitzung aus einem Stück des Musikers Fredl Fesl zitiert und dabei das rassistische N-Wort verwendet, wofür er sich hinterher entschuldigte.

Vor allem der Bayern-Patzer so kurz vor der Kommunalwahl hat dem haushohen Favoriten offenbar massiv geschadet: Gerade einmal 35,6 Prozent der Stimmen holte Reiter im ersten Wahlgang – mehr als 12 Prozentpunkte weniger als noch bei der Abstimmung 2020. Er habe in den letzten Wochen „ein, zwei Fehler gemacht“, räumte der Amtsinhaber nach einem für ihn „enttäuschenden Wahlabend“ in einer Stellungnahme ein. „Das ist schlecht und tut mir leid. Das hat das Ergebnis natürlich deutlich beeinflusst.“

Reiter spendet gesamte Vergütung des FC Bayern

Erst nach heftiger Kritik hat Reiter im Lauf dieser Woche seine Posten beim FC Bayern niedergelegt. „Das Vertrauen der Münchnerinnen und Münchner ist mir wichtiger als Mandate oder Vergütungen. Ich hoffe sehr, dass das durch diese Entscheidung deutlich wird“, begründete der 67-Jährige seinen Schritt. Die Entscheidung sei ihm „als Bayernfan seit Kindheit definitiv nicht leicht gefallen.“

Der Sozialdemokrat beendet damit ein mehrjähriges Amt im Verwaltungsbeirat des Fußballrekordmeisters und den erst kürzlich angetretenen Posten im Aufsichtsrat. Die Kritik hatte sich wegen seines Umgangs mit den Mandaten und der damit verbundenen Vergütung entzündet. Reiter kündigte an, diese Einnahmen nicht behalten zu wollen. Er habe seit 2021 aufgrund seiner Mitgliedschaft im Verwaltungsbeirat 90 000 Euro erhalten, die er auch jedes Jahr ordnungsgemäß versteuert habe. Diesen gesamten Betrag wolle er nun an soziale Projekte spenden. 

 Kurz vor der Wahl hatte Reiter eingeräumt, seit geraumer Zeit je 20 000 Euro im Jahr für seine ehrenamtliche Tätigkeit im Verwaltungsbeirat des FC Bayern zu bekommen. Dass der Stadtrat das hätte genehmigen müssen, sei ihm nicht bewusst gewesen, erklärte Reiter, der seit zwölf Jahren Oberbürgermeister der Landeshauptstadt ist und ein Budget von 9 Milliarden Euro verwaltet. 

Nutznießer der Fehltritte Reiters ist allen voran Dominik Krause gewesen. Der Grünen-Kandidat und Zweiter Bürgermeister – er ist 32 Jahre jünger als Reiter – kam im ersten Wahlgang auf 29,5 Prozent der Stimmen und darf nun am 22. März im Eins-gegen-Eins mit dem Amtsinhaber antreten. „Dieses tolle Ergebnis übertrifft meine Erwartungen“, kommentierte Krause sein starkes Abschneiden, das er am Wahlabend unter anderem mit seinem Verlobten Sebastian Müller bei der Grünen-Party in der Muffathalle feierte. Es sei „historisch“, so der 35-Jährige weiter, dass erstmals in der Stadtgeschichte ein Kandidat seiner Partei in die Stichwahl ums Münchner Rathaus eingezogen sei.

Nur auf Rang drei landete derweil mit 21,3 Prozent der Stimmen der CSU-Bewerber und frühere Wiesn-Chef Clemens Baumgärtner. Sein enttäuschendes Ergebnis veranlasste sogar Ministerpräsident Markus Söder (CSU) zu einem Kommentar. Dieser bezeichnete es als „ärgerlich“, dass seine Partei die Stichwahl verpasst habe. Zugleich betonte Söder: „München ist und bleibt das grüne Biotop in Bayern, da gibt es eine feststehende Wählerstruktur.“

Bleibt die Frage, was all das für die Stichwahl am 22. März bedeutet. Dieter Reiter jedenfalls, der in der ersten Runde das schlechteste SPD-Ergebnis bei einer OB-Wahl in München nach dem Zweiten Weltkrieg eingefahren hat, wird sich bis dahin in den Wahlkampf stürzen müssen. Genau das hat er in den vergangenen Monaten oftmals vermieden, was ihm Kritiker nun vorwerfen.

Krause wirbt um Grünen-Anhänger

Zugleich verfügt der 67-Jährige aber über reichlich Erfahrung in puncto Stichwahlen: 2014 setzte er sich in der zweiten Runde mit 56,7 Prozent der Stimmen gegen Josef Schmid (CSU) durch; sechs Jahre später kam er im Duell mit Kristina Frank (CSU) sogar auf 71,7 Prozent – einerseits.

Andererseits hatte Reiter damals in den ersten Wahlgängen noch 40,4 beziehungsweise 47,9 Prozent der Stimmen geholt – und genau hier setzt die Zuversicht von Dominik Krause an. „In der Stichwahl ist alles möglich“, betont der Grünen-Politiker. Bis dahin werde man „in der ganzen Stadt für einen Neubeginn an der Stadtspitze werben und dabei auf unsere Kernthemen bezahlbares Wohnen, ÖPNV-Ausbau und Energieunabhängigkeit setzen“, so Krause.

Bei allem Optimismus weiß aber auch der Grünen-Kandidat nur zu gut: Jene Wählerinnen und Wähler, die am 8. März für den AfD-Kandidaten Markus Walbrunn (4,4 Prozent) sowie für CSU-Mann Baumgärtner gestimmt haben, werden wohl nicht in Scharen zu ihm überlaufen. Vielmehr wird es für Krause in der Stichwahl darum gehen, den Schwung aus der ersten Runde mitzunehmen, die grüne Wählerschaft zu mobilisieren und obendrein Stimmen aus der politischen Mitte abzugreifen – womöglich auch von enttäuschten SPD-Anhängern.

Die Grünen haben in Bayern noch nie die Rathausspitze einer Großstadt erobert

Für die Grünen wäre ein Sieg die Chance, das bayernweit schlechte Ergebnis in einen Sieg umzudeuten. Denn außer in Würzburg hat die Ökopartei im Freistaat noch nie die Rathausspitze einer Großstadt erobert.

Doch klar ist: Der Favorit für den 22. März heißt erneut Reiter. (Patrik Stäbler)

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