BMW steht für Bayern wie wohl kaum ein anderes Unternehmen. Und aus Sicht der CSU steht die CSU für Bayern wie keine andere Partei. Durch die Brille der Christsozialen ist es daher ein wichtiges Signal, dass in der Stadt mit dem europaweit größten BMW-Werk seit einigen Monaten wieder ein CSU-Bürgermeister regiert. 66 Jahre lang hatten in der niederbayerischen Stadt Unabhängige und Sozialdemokraten das Sagen.
„Der Stadtrat ist enger zusammengerückt“
Dingolfing ist weltweit bekannt. Und seit dem 23. März steht die niederbayerische Stadt nun unter der Führung des Ersten Bürgermeisters Valentin Walk. Er hat sich in einer Stichwahl überlegen mit 72,1 Prozent gegen Jürgen Ohr (Bürger für Bürger) durchgesetzt.
So schnell wollte der 29-jährige Christsoziale eigentlich nicht Bürgermeister werden. Doch in Dingolfing überschlugen sich die Ereignisse: Im November 2025 trat der UWG-Bürgermeister Armin Grassinger wegen massiver persönlicher Anfeindungen, Drohbriefen und eines Brandes zurück. Walk entschied sich, Verantwortung zu übernehmen.
Die Ereignisse um Grassinger haben die Stadt schon ein wenig geprägt, ist sich Walk sicher. Allerdings auch in positiver Weise: „Der Stadtrat ist enger zusammengerückt und die überparteiliche Zusammenarbeit ist sehr konstruktiv.“ Er selbst hat in den ersten Monaten nichts Negatives erlebt und nach eigenem Bekunden auch nie Angst gehabt, selbst bedroht zu werden: „Aber natürlich denkt man darüber nach, bevor man sich aufstellen lässt“, räumt er ein.
Valentin Walk ist ein echter Dingolfinger. Nach dem Studium des Finanzrechts war er einige Jahre in München als Betriebsprüfer des Finanzamts tätig und wohnte während dieser Zeit in einer WG in der Landeshauptstadt.
Bereits 2020 kandidierte er erstmals in seiner Heimatstadt als Bürgermeister, musste damals aber noch Armin Grassinger den Vortritt lassen. „Mir war damals klar, dass meine Chancen gering sind, aber ich habe ein sehr gutes Ergebnis bekommen und war zudem der bestgewählte Stadtrat – das war schon mal ein guter Start und ich bin auch gleich zum Dritten Bürgermeister ernannt worden.“
Zeitgleich tat sich in seinem Leben einiges. Corona kam. Es gab damals für den Niederbayern nur noch wenige Gründe, weiterhin in München zu leben. Er wechselte nach Landshut, wo er für die Regierung von Niederbayern arbeitete. Er sammelte im Referat Wirtschaftsförderung viele Erfahrungen – schwerpunktmäßig in der Kommunalförderung. „Da habe ich wahnsinnig viel lernen dürfen“, erzählt er.
Als sich die Ereignisse in Dingolfing erneut überschlugen, entschied sich Walk zu einer weiteren Kandidatur. „Es hat sich ergeben, ich weiß nicht, ob ich sonst kandidiert hätte“, gibt er zu. „Die Dynamik war einfach eine andere, als mein Vorgänger zurücktrat. Aber wenn man dann erst einmal aufgestellt wurde als Kandidat, dann hat man den unbedingten Ehrgeiz zu gewinnen. Und ich habe enorm viel Unterstützung erfahren.“ Er war erfolgreich.
Schon mit 22 Jahren war Valentin Walk zum CSU-Ortsvorsitzenden von Dingolfing gewählt worden. Durch seinen Vater war er politisch vorgeprägt und trat gemeinsam mit einem Kumpel in die JU ein. „Den großen Karrieretraum hatte ich damals nicht, mir hat es aber immer Spaß gemacht, mit den Menschen zu arbeiten und zu diskutieren“, nennt er seine Motivation. Das sei bis heute so geblieben.
Nun hat der junge Bürgermeister die Geschicke einer Stadt übernommen, in der dank BMW die Steuereinnahmen in den vergangenen Jahrzehnten sprudelten. Doch die Zeiten haben sich geändert. Weil der Autobauer schlechte Geschäfte macht, rechnet die Stadt für dieses Jahr mit Gewerbesteuereinnahmen von 5 Millionen Euro statt zunächst erhoffter 60 Millionen Euro. Im Haushaltsjahr 2016 hatte diese Summe noch bei exakt 156,6 Millionen Euro gelegen.
In der Folge muss auch Dingolfing den Gürtel enger schnallen. „Ich habe aber trotz der Krise in der Automobilindustrie sehr viel Vertrauen in BMW“, sagt Walk, der stets den intensiven Dialog mit dem Autobauer pflegt. „Wir haben auch die Zusage, dass weitere Produktionslinien nach Dingolfing kommen werden.“
Auch anderweitig tut sich in der Stadt derzeit viel. Vier von fünf Feuerwehrhäusern werden umgebaut. Ein großes Projekt ist der Bau einer zweistöckigen Tiefgarage und eines Gebäudekomplexes am Herrenweiher.
Walk ist auch Hobbyfischer
In das Erlebnisbad Caprima werden derzeit rund 50 Millionen Euro investiert, und die Piste in der Eishalle wird überholt. Für die Zukunft hat sich Walk vorgenommen, mehr in den Bestand zu investieren als neu zu bauen: „Das ist meine Philosophie.“ Eine Ausnahme sind für ihn Kinderbetreuungseinrichtungen. Auch privat ist 2026 ein spannendes Jahr für den jungen CSU-Mann. Er hat vor einigen Monaten geheiratet – Ende September auch kirchlich. „Das ist alles ehrgeizig, aber der Termin war schon geplant, bevor ich überhaupt wusste, dass ich Bürgermeister werde.“ Viel Zeit für Hobbys bleibt derzeit nicht.
Beim Fischen war Walk heuer nur einmal, doch seine Jahreskarte für die Isar will er dennoch behalten. Und wenn es dann doch einmal eine Lücke im Terminkalender gibt, macht er Musik. Er ist Mitglied in zwei Blasmusikformationen und mit seinen Musikgruppen regelmäßig auf Fahnenweihen und Volksfesten zu hören. „Ich versuche, mir die Zeit auch weiterhin zu nehmen“, hat sich Walk vorgenommen.
Auch in der Natur findet er Ausgleich – auf dem Rennrad kann er sich so richtig auspowern und im Wald neue Kraft für die Amtsgeschäfte tanken.
(Melanie Bäumel-Schachtner)
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