Kommunales

Nach Protesten hat der Stadtrat von Tittmoning einem AfD-Politiker das Kulturreferat wieder entzogen. (Foto: dpa/Christian Handl)

18.06.2026

Tittmoning: AfD-Kulturreferent nach Protesten wieder abgesetzt

Wochenlange Proteste zeigen Wirkung: Der Stadtrat von Tittmoning hat einem AfD-Politiker das Kulturreferat wieder entzogen. Künftig übernimmt Bürgermeister Andreas Bratzdrum (CSU) die Aufgabe

Der Stadtrat von Tittmoning hat die Ernennung eines AfD-Politikers zum Kulturreferenten wieder rückgängig gemacht. Nach Angaben der Stadt fiel die Entscheidung nach wochenlangen Protesten und einer erneuten Beratung des Gremiums.

Normalerweise würden zugeteilte Referate nicht wieder entzogen, teilte die Stadt mit. Die Situation rund um das Kulturreferat habe sich jedoch derart zugespitzt, dass der Stadtrat die Entscheidung vom 12. Mai noch einmal überprüft habe.

Kritik von Kulturschaffenden

Damals war AfD-Stadtrat Sebastian Gruttauer zum Kulturreferenten bestimmt worden. Die Personalie löste Kritik und Proteste von Kulturschaffenden aus der Region aus. Zu den Unterzeichnern eines Protestschreibens gehörte unter anderem der Kabarettist und Musiker Hans Well.

Nach Einschätzung der Stadt haben Äußerungen Gruttauers die öffentliche Wahrnehmung Tittmonings belastet und das kulturelle Leben vor Ort gefährdet.

Bürgermeister übernimmt das Referat

Das Referat für „Kultur, Brauchtum und Tradition“ geht nun auf Bürgermeister Andreas Bratzdrum (CSU) über. Der Beschluss wurde mit großer Mehrheit gefasst, lediglich die beiden AfD-Stimmen votierten dagegen.

Bratzdrum erklärte, die öffentlichen Äußerungen Gruttauers widersprächen dem Selbstverständnis der Mehrheit der Menschen in Tittmoning. Sie hätten dem Ansehen der Stadt über Bayern hinaus geschadet.

Debatte über politische Äußerungen

Gruttauer hatte in sozialen Netzwerken mehrfach Positionen vertreten, die Kritiker als rechtsextrem einordnen. Unter anderem sprach er sich für „Remigration“ aus und warnte davor, Deutsche könnten zur Minderheit im eigenen Land werden.

Tittmoning liegt an der Grenze zu Österreich und versteht sich nach Angaben der Stadt traditionell als Ort des offenen grenzüberschreitenden Austauschs. (dpa)

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