Trotz aller Sparzwänge, die auch Bayerns Kulturstätten zu spüren bekommen: Das Programm, das große und kleine Theater, Festivals und andere Häuser für 2026 auf die Beine gestellt haben, ist wieder exzellent. Ein kleiner Wegweiser.
Licht und Welle. Das Unsichtbare sehen können. Mit den Augen der Kunst. Und Quantensprünge erleben. Willkommen in der Welt der kleinsten Teilchen. Mitten im Herzen von Schwabing zeigt die Eresstiftung, die sich der Verschränkung von Kunst und Wissenschaft verschrieben hat, in ihrem Museum die Ausstellung Seeing the Unseen (bis 26. September).
Mit valentinesker Komik gesegnet ist Sigi Zimmerschied. Mit seinem neuen Stück Kein Thema, eine deutsche Antwort tourt der Träger des Deutschen und des Österreichischen Kleinkunstpreises durch Bayern. Am 4. Januar ist er etwa im Münchner Lustspielhaus.
Beim Festival NEUROPE (14. bis 18. Januar) geht es im Münchner Kunstkraftwerk Bergson um die Geschichte der Migration: von Musik. Initiiert wurde das Ganze vom Balthasar-Neumann-Chor und -Orchester. Es wird offene Proben geben mit Einblicken in die Orchesterwerkstatt, Jam Sessions, Familienkonzerte und Vorträge.
In ihrer Geschichte war die Cappella Andrea Barca des ungarischen Pianisten András Schiff schon öfter in finanziellen Schwierigkeiten, jetzt löst sie sich auf. Das letzte Konzert in Deutschland ist am 28. Januar im Neumarkter Reitstadel. Und dort spielt man das klassische Cappella-Konzert: zwei Mozart-Klavierkonzerte mit Sir András Schiff als Traum, der leider zu Ende geht.
Wen vor gut 20 Jahren Sofia Coppolas melancholischer Film Lost in Translation begeisterte, wird auch Koya Kamuras Langfilmdebüt Winter in Sokcho (ab 5. Februar im Kino, kleines Bild: Foto: Frenetic Films) lieben. Ort der Handlung dieser atmosphärisch dicht erzählten, filmischen Romanadaption ist nicht Tokio, sondern die südkoreanische Hafenstadt Sokcho, wo sich zwei einsame Seelen begegnen.
Erstmals verantworten Sahar Rahimi und Mark Schröppel das Brechtfestival zu Ehren des in Augsburg geborenen Dichters und Theatermanns Bertolt Brecht. Unter dem Motto ALLE stellen sie vom 27. Februar bis zum 8. März mit Theatergastspielen sowie Diskurs- und Literaturveranstaltungen, Konzerten und Performance die Frage, wie ein zeitgemäßes und gesellschaftlich relevantes Festival aussehen kann.
Das 7. Festival Lied Würzburg vom 17. bis 29. März wird eingeleitet am 28. Februar durch ein Vorkonzert mit Bariton Johannes Martin Kränzle zusammen mit Festivalgründer Alexander Fleischer am Klavier. Schwerpunkt ist die Vertonung der Lyrik von Rainer Maria Rilke.
Am 18. März begehen die Bamberger Symphoniker (kleines Bild, Foto: Foto: dpa, Hannes P. Albert) ihren 80. Geburtstag mit einer Gala im Rahmen des International Classical Music Awards, einem Gipfeltreffen der Klassik-Elite, in der Bamberger Konzerthalle. Am 3. Juli findet dann das Finale des Gustav-Mahler-Dirigentenwettbewerbs statt.
Eine buchstäbliche haarige Angelegenheit verspricht die kommende Ausstellung der Kunsthalle München zu werden: Haar – Macht – Lust heißt die Schau, die vom 20. März bis 4. Oktober zum „Streifzug durch drei Jahrtausende Kunst- und Kulturgeschichte der Haare“ einlädt.
Er war Adoptiv- und Stiefsohn von Kaiser Napoléon I. Bonaparte und heiratete die Tochter des späteren König Max I. Joseph: Eugène de Beauharnais. Anlässlich seines 200. Todestags wird ihm im Mesnerhaus von Kloster Seeon mit der Ausstellung Ein freier Geist im Wandel treu (vom 21. März bis 17. Mai) der rote Teppich ausgerollt.
"Ja, so wan´s die alten Rittersleut". Ja und was hat das mit Karl Valentin zu tun? Das erfährt man in der Ausstellung Karl Valentin und die altn Rittersleut, die vom 27. März bis zum 15. November auf der Burg Grünwald zu sehen ist. Die Burg diente dem Volkskomiker als Inspirationsquelle wie auch als Rückzugsort.
Es war ein Auftakt nach Wunsch, als sich kurz vor Weihnachten mit dem Dreiteiler Waves and Circles der Vorhang zur neuen Ballettsaison des Bayerischen Staatsballetts in der Staatsoper öffnete. Auch in der Ballettfestwoche (28. März bis 4. April) testet Ballettdirektor Laurent Hilaire unter anderem im „Common Ground“ übertitelten Abend den Mix aus Klassikern und Newcomern.
In der Musikakademie Schloss Weißenbrunn bei Ebern werden im Finale des Internationalen Liedwettbewerbs um das am besten vorgetragene Lied-Duo am 25. April zwei Konzerte mit Kompositionen von Fanny Hensel aufgeführt. Die Preisträger küren eine Jury, sowie das Konzert- und das Internetpublikum.
„Mia san vom Woid dahoam“ lautet der Titel eines zeitlosen bayerischen Volkslieds. Insofern scheint es nur folgerichtig, dass mitten im Bayerischen Wald, in Freyung, die Bayerische Landesausstellung 2026 stattfindet, die sich dem Thema Musik in Bayern widmet. Von 25. April bis 8. November geht es dort – so weit man hört – nicht nur um Volksmusik, sondern auch um Instrumentenbau und Klassik.
Die Münchener Biennale ist eine singuläre Spielwiese für neues, junges Musiktheater. Diesmal steht der 100. Geburtstag von Hans Werner Henze an, und die von ihm gegründete Biennale feiert ihre 20. Ausgabe. Mit Katrin Beck und Manuela Kerer stellt sich zudem eine neue, weibliche Doppelspitze vor. Die Jubel-Edition vereint rund zehn höchst diverse Produktionen. Der Startschuss fällt am 8. Mai.
Vom 8. bis zum 23. Mai ist es wieder Zeit für die Internationalen Gluck-Festspiele. Das Motto der Festspiele an mehreren fränkischen Standorten lautet Amor & Psyche.
Das Theater Regensburg glänzt mit einem aufsehenerregenden Spielplan in allen Sparten. Man sollte 2026 daher unbedingt einen Theaterbesuch – zum Beispiel zur europäischen Erstaufführung der Oper Shining am 9. Mai – einplanen.
Vom 12. Mai bis zum 27. September bringt die Ausstellung Ein Ferngespräch – Szenen aus der Weimarer Republik die kraftvolle und vielgestaltige Kunstepoche der nicht nur goldenen Zwanzigerjahre nahe. Die Ausstellung im Lenbachhaus in München legt ihren Fokus auf die Zeugniskraft der großartigen Kunstwerke und zeigt die „verschütteten Möglichkeiten der Weimarer Republik“.
Im gerade wiedereröffneten, restaurierten Konzertsaal der Bamberger Musikschule wird am 16. Mai des 250. Geburtstags von E. T. A. Hoffmann festlich gedacht werden.
Ihr erstes Jahr als neue Leiterin der Inselkonzerte auf Herrenchiemsee war ein voller Erfolg. Beim Auftakt in ihr zweites Jahr am 31. Mai begleitet Mona Asuka am Klavier den Bratschisten German Tcakulov. Im Hochsommer locken zudem das Aschauer Festivo von Johannes Erkes und die Herrenchiemsee-Festspiele. Die Traunsteiner Sommerkonzerte von Maximilian Hornung folgen im September.
Seit 1921 wird Würzburg im Frühsommer zur Mozart-Stadt. Diesmal heißt es beim Mozartfest (29. Mai bis 28. Juni) Idol Mozart.
Der Kissinger Sommer (11. Juni bis 18. Juli) feiert 40. Geburtstag. Mit Mazel Tov! wird die jüdische Geschichte der Welterbe-Kurstadt in den Fokus gerückt. Am 12. Juli gibt es ein besonderes Jubiläumskonzert: Simon Rattle dirigiert Symphonieorchester und Chor des Bayerischen Rundfunks sowie über 500 Mitglieder von Laienchören aus ganz Bayern.
Lene Grötsch, Schauspieldirektorin am Staatstheater Nürnberg, hat an ihrer neuen Wirkungsstätte noch nicht selbst inszeniert. Für das Spielzeitende kündigt sie aber ab 13. Juni ein „Fest“ an: mit dem Star-Regisseur Stephan Kimmig und seiner Inszenierung der Orestie des griechischen Dramatikers Aischylos, dem „ältesten Stoff der Theatergeschichte“.
Freilicht-Festspiele Vohburg (2. bis 19. Juli): Nach 13 Jahren kehrt Agnes Bernauer wieder auf die historische Burgberg-Bühne zurück. Erzählt wird die Geschichte der Augsburger Baderstochter, die sich in Herzog Albrecht III. von Bayern verliebte, ihn heiratete und auf Befehl des herzoglichen Vaters 1435 – der Hexerei beschuldigt – in der Donau ertränkt wurde.
Auch Bayreuth muss sparen: Das 150. Jubiläum der Wagner-Festspiele (24. Juli bis 26. August) wird weniger üppig als geplant. Dafür gibt es erstmals Rienzi: mit Nathalie Stutzmann (kleines Bild, Foto: dpa/Associated Press), die schon Tannhäuser dirigierte. Christian Thielemann leitet einen KI-generierten Ring und die Eröffnung mit Beethovens Neunter. Und wer Stutzmann vorher erleben will, sollte im Februar Gounods Faust an der Münchner Staatsoper besuchen.
Der 1996 gegründete Zusammenschluss von zehn Museen und Galerien im Großraum München mit dem Namen Landpartie veranstaltet alle paar Jahre eine Ausstellungsreihe, zuletzt 2021. Im Sommer 2026 lautet das Thema „Mit allen Sinnen“. Das Schlossmuseum Ismaning etwa beteiligt sich mit „Kraut, Torf und Odel … Die verschwundenen Gerüche Ismanings“.
Kostenlos kann man die alle zwei Jahre abgehaltene Deutsche und Internationale Zinnfigurenbörse (7. bis 9. August) besuchen. Zum 30. Mal findet dieses Ereignis für Liebhaber des unterschätzten Kulturguts Zinnfigur heuer im oberfränkischen Kulmbach statt, wo sich auf der Plassenburg auch das weltgrößte Zinnfigurenmuseum befindet.
Die Bühnen Bayreuths haben Musikgeschichte geschrieben. Das gilt nicht nur für das von Richard Wagner persönlich entworfene Festspielhaus, sondern auch für das schmucke Markgräfliche Welterbe-Opernhaus. Mit Bayreuth Baroque von Max Emanuel Cencic wird dieser Ort mustergültig bespielt. Diesmal geht es am 4. September mit Händels Dreiakter Floridante los.
Das Bamberger Marionettentheater mit seiner historisch wertvollen Bühne von 1820 wird im Oktober im Barockflügel von Schloss Geyerswörth festlich neu eröffnet, wobei sich das Publikum nach der Vorstellung der Leiterin Marta Famula in eine andere, geistige Wirklichkeit versetzt fühlen wird.
Ein Highlight, das sich ohne falsche Bescheidenheit gleich selbst so nennt, ist die Kunstmesse „Highlights“, die von 15. bis 18. Oktober in der Münchner Residenz residiert. Internationale Spitzengalerien bieten hier von hochkarätigen Antiquitäten bis zu aktueller Kunst alles an, was edel, gut und (meist) so sündteuer ist, dass der Eintrittspreis von 25 Euro dagegen wie ein Trinkgeld wirkt. (Uwe Mitsching, Marco Frei, Angelika Irgens-Defregger, Cornelia Oelwein, Andreas Reuß, Renate Baumiller-Guggenberger, Renate Freyeisen, Alexander Altmann)
Unter diesem Link können Sie noch mal auf die Kulturhöhepunkte der Redaktion für 2025 zurückblicken.
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