Kultur

Hochwertige Street-Art ist in München fast überall zu finden. (Foto: Dräger)

25.07.2026

München: Vorreiterstadt der Street-Art

Von den ersten Graffiti bis zu den Hall of Fames: München gehört zu den Wiegen der Street-Art in Europa

Die Kunst kommt zu den Menschen – kostenlos und mitten im öffentlichen Raum. Street-Art gehört heute selbstverständlich zum Stadtbild vieler Metropolen. München nimmt dabei eine besondere Stellung ein: Die Landeshauptstadt gilt als Wiege der deutschen Graffitiszene und zählt bis heute neben Amsterdam, London und Berlin zu den wichtigsten Zentren der europäischen Street-Art.

Die Graffitibewegung schwappte Anfang der 1980er-Jahre von New York nach München über. Erste Vorläufer gab es allerdings schon 1970. Damals tauchte plötzlich das Wort „Heiduk“ auf unzähligen Hauswänden auf. Niemand wusste, was dahintersteckte – zahlreiche Legenden machten die Runde.

Plötzlich war überall „Heiduk“ zu lesen

Schließlich wurde der Sprayer gefasst. Dahinter steckte eine Kommune im Schlachthofviertel, die sich mit dem Namen ihres Vermieters rächte, nachdem sie sich ungerecht behandelt fühlte. Zahlreiche Nachahmer sorgten dafür, dass der Schriftzug in ganz München auftauchte.

Anfang der 1980er-Jahre gewann die Street-Art dann an Dynamik. 1983 begann der Künstler Ray, Comicfiguren auf Hauswände zu sprayen. Vorbild war die New Yorker Graffitiszene, deren Ursprünge auf den Botenjungen „Taki 183“ Ende der 1960er-Jahre zurückgehen.

Der „Geltendorf Train“ machte Geschichte

1985 sorgte schließlich der „Geltendorf Train“ bundesweit für Schlagzeilen. Sieben junge Sprayer – Loomit, Roscoe, Roy, Cheech H. Zip, Blash und Don M. Zaza – gestalteten in einer Winternacht einen kompletten Zug. Sie wurden zwar gefasst und zu Geldstrafen sowie Sozialstunden verurteilt, zugleich aber zu Pionieren der deutschen Street-Art.

Heute gehört der Bahnwärter Thiel an der Tumblingerstraße mit seiner Hall of Fame zu den bekanntesten Treffpunkten der Szene. Unter der Donnersberger Brücke befindet sich zudem Deutschlands größte Open-Air-Galerie. Dort finden sich unter anderem großformatige Murals der Münchner Künstlerin Beastiestylez sowie Werke von Loomit, I Are Ugly, Eazy, Eitel, Flin, Nuke, Mr. Woodland, Won ABC, Matthias Mross und Graphism.

Ein Reiseführer zu Münchens Graffiti-Szene

Wer die wichtigsten Street-Art-Orte entdecken möchte, findet im Buch Street-Art München – Reiseführer für Münchner von Martin Arz zahlreiche Tourenvorschläge für Spaziergänge und Fahrradtouren. Arz gilt als ausgewiesener Kenner der Münchner Szene. In den 1990er-Jahren arbeitete er im Kunstpark Ost, wo er viele Künstler persönlich kennenlernte und die Entwicklung der Street-Art miterlebte. Heute ist er unter anderem Schriftsteller, Stadtführer und Verleger.

Ergänzend zur Street-Art im öffentlichen Raum widmen sich auch das Museum of Urban and Contemporary Art (MUCA), Deutschlands erstes Museum für Urban Art, sowie das Kunstlabor 2 der urbanen Kunst. (Gabi Dräger)

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